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11.05.2024

17.04.2008

Chemie des Vitamins E: Neue Erkenntnisse widersprechen den gängigen Lehrbuchmeinungen

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Lehrbücher können lügen - beispielsweise, wenn es um die Chemie des Vitamins E geht. Über die Funktion dieses im Kilotonnenmaßstab produzierten Radikalfängers kursieren noch heute Lehrmeinungen, die längst überholt sind. Die "Nachrichten aus der Chemie" räumen auf mit falschen Gerüchten zum Vitamin E genannten Stoffgemisch aus Tocopherolen und Tocotrienolen: Der Leser erfährt, welche postulierten Umsetzungsprodukte es nie gegeben hat und welche jetzt neu von sich reden machen.

Aufgrund seiner antioxidativen Wirkung findet sich Vitamin E nicht nur in Vitaminpräparaten, sondern auch als Zusatzstoff in Tierfutter und Lebensmitteln sowie in Antifaltencremes. Als Bestandteil aller tierischen Membranen schützt das fettlösliche Vitamin mehrfach ungesättigte Fettsäuren vor einer oxidativen Zerstörung durch Radikale, indem es selbst zu einem reaktionsträgen Radikal reagiert.

So weit, so gut. Allerdings haben Wissenschaftler Vitamin E in den letzten Jahren mit Synthesen, kinetischen Messungen und quantenchemischen Rechnungen untersucht und danach alte Theorien über den Haufen werfen müssen. Die Lehrbücher müssen neu geschrieben werden, wenn es um die Folgechemie des Primärradikals geht. Die Existenz eines in der Literatur etablierten Chromanolmethid-Radikals schien zwar schlüssig, wurde aber nun widerlegt. Alle Reaktionen, die auf dieses Intermediat hinwiesen, lassen sich nämlich auf das Zwischenprodukt Chinonmethid zurückführen, dessen Auftreten Forscher jetzt nachweisen konnten.

In der Aprilausgabe der "Nachrichten aus der Chemie" geben die Chemiker Stefan Böhmdorfer und Thomas Rosenau einen Überblick über inzwischen überholte Thesen sowie frisch gewonnene Erkenntnisse zur Chemie des Vitamins E.

Quelle: idw / Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)