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Nachweis von Cocainverschnittstoffen in humanem Lungengewebe und Blut mittels LC-TOF/MS und deren toxikologische Relevanz

Pawlik, Evelyn - Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (2015)


In der vorliegenden Arbeit wurden die Verfahren zum quantitativen Nachweis von Cocain und den in Cocainzubereitungen enthaltenen Verschnittstoffen (Levamisol, Hydroxyzin, Diltiazem, Phenacetin, Lidocain, Articain, Procain, Ketamin und Atropin) in Serum, Herzblut, Schenkelvenenblut und Lungengewebe entwickelt und dann vollständig für Vollblut und Lungengewebe validiert. Für die genannten Verschnittstoffe konnten dabei die nachfolgenden Nachweis- und Bestimmungsgrenzen (LoD und LoQ) berechnet werden:

LoD / LoQ (ng/ml) im Blut: Phenacetin 0,73 / 2,66; Lidocain 0,82 / 2,95; Diltiazem 0,76 / 2,77; Levamisol 0.13 / 0.51; Hydroxyzin 0,66 / 2,38; Procain 4,15 / 13,87; Cocain 1.29 / 4,48; Articain 2,48 / 8,09; Atropin 3,86 / 12,73 und Ketamin 1,61 / 5,54.

LoD/LoQ (ng/g) im Lungengewebe: Phenacetin 0,48 / 1,80; Lidocain 0,80 / 2,89; Diltiazem 0,85 / 3,06; levamisol 0,90 / 3,20; Hydroxyzin 0,48 / 1,79; Procain 1,59 / 5,55; Cocain 2,38 / 7,79; Articain 2,32 / 7,91; Atropin 1,27 / 4,39 und Ketamin 1,95 / 6,55.

Diese Verfahren wurden sodann eingesetzt, um diese Stoffe in Blut und Lungengewebe zu bestimmen. In den nach Festphasen- und Flüssig-Flüssig-Extraktion erhaltenen Extrakten konnten die typischerweise in Cocainzubereitungen enthaltenen Verschnittstoffe Hydroxyzin (11 Fälle), Diltiazem (4 Fälle), Lidocain (5 Fälle), Phenacetin (10 Fälle) und Levamisol (25 Fälle) in Serum, Herzblut (HB), Schenkelvenenblut (SVB) und Lungengewebe (LG) detektiert werden. Dabei zeigte sich, dass die ermittelten Verschnittstoffkonzentrationen in den untersuchten Lungengeweben überwiegend höher waren als in den Herz- und Schenkelvenenbluten. Demnach stellt das Lungengewebe ein geeignetes Organ dar, um diese Substanzen zu bestimmen.

Weiterhin konnte die toxikologische Relevanz der Verschnittstoffe sowie deren postmortale Umverteilung durch Vergleich der Serumproben mit den Herzblutproben der Verstorbenen gezeigt werden. Die kombinierte Einnahme von Cocain mit mehreren Verschnittstoffen ist problematisch, da sie die kardiovaskuläre Toxizität und die atemdepressive Wirkung des Cocains verstärken können. Besonders Hydroxyzin und Levamisol scheinen dabei von Bedeutung zu sein. Durch die Berechnung der HB/SVB- und LG/SVB-Quotienten konnte der Grad der postmortalen Umverteilungen ermittelt werden. So werden Levamisol, Diltiazem, Phenacetin und Lidocain offenkundig kaum bis moderat und Hydroxyzin moderat postmortal umverteilt. Zusätzlich wurden histologische Lungenschnitte angefertigt. Deren Untersuchungen brachten nicht die erhofften Resultate hinsichtlich des Auffindens von Fremdkörpergranulomen. Allerdings ist zu erwarten, dass die hier nachgewiesenen Verschnittstoffe in Analogie zum Cocain Schädigungen der Lunge verursachen und damit den Todeseinritt begünstigen können.


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