07.03.2019

Chemische Reaktionen auf Oberflächen gezielt steuern



Die gezielte Kontrolle chemischer Reaktionen, insbesondere im Hinblick auf die dabei entstehenden Endprodukte, ist die Motivation für viele Forschungsarbeiten in der Chemie. So möchte man die Ausbeute ungewünschter Nebenprodukte unterdrücken und die Ausbeute des gewünschten Produkts erhöhen.

Ein Paradebeispiel hierfür sind bimolekulare nukleophile Substitutionsreaktionen, auch SN2-Reaktionen genannt, eine Basisreaktion in der organischen Chemie. Laufen diese SN2-Reaktionen in Lösung ab, so können sie zum Beispiel durch die geschickte Wahl des Lösungsmittels oder durch leichte Modifikationen der beteiligten Moleküle beeinflusst werden.

In einer experimentellen Studie mittels Rastertunnelmikroskopie konnte das Forscherteam um Prof. Dr. Michael Dürr, Institut für Angewandte Physik der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen der Philipps-Universität Marburg (Prof. Dr. Ulrich Höfer) nun zeigen, dass auf Oberflächen weitere, neue Möglichkeiten der Kontrolle dieser "Lehrbuch-Reaktion" möglich sind.

Dazu untersuchten die Forschenden die Etherspaltung auf einer Siliziumoberfläche - eine Reaktion, die die Oberflächenvariante einer SN2-Reaktion darstellt. Für diese Reaktion konnten sie zeigen, dass sie nicht nur durch Zufuhr thermischer Energie - der "Normalfall" -, sondern auch durch Anregung der einzelnen Moleküle mittels Elektronen initiiert werden kann.

Da mit dem Rastertunnelmikroskop die Endprodukte der Reaktion auf molekularer Skala nachgewiesen werden können, konnten die Forschenden weiterhin zeigen, dass sich diese von den Endprodukten einer thermisch induzierten Reaktion unterscheiden. Dabei ist besonders hervorzuheben, dass sich die Endprodukte je nach Art der Anregung, d.h. entweder einer direkten elektronischen Anregung oder einer durch das Elektron vermittelten Schwingungsanregung, unterscheiden. Da diese Anregungsarten wiederum durch die experimentellen Parameter bestimmt werden, eröffnet sich eine ganz neue Art der Kontrolle dieser Reaktionen.

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Quelle: Universität Marburg




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