05.01.2018

Das deutsche Jobwunder hält auch 2018 an



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Der Beschäftigungsboom in Deutschland hält auch 2018 an: Nachdem seit 2007 bereits knapp vier Millionen zusätzliche Stellen geschaffen wurden, dürften nach EY-Prognose im kommenden Jahr weitere 400.000 neue Jobs dazu kommen. Eine boomende Wirtschaft macht es möglich - um gut zwei Prozent soll die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr zulegen. Auch in der Eurozone geht es 2018 kräftig aufwärts: Insgesamt um 1,8 Millionen wird die Beschäftigung laut EY-Prognose steigen, außerhalb Deutschlands also um 1,4 Millionen. Besonders erfreulich ist die gute Entwicklung in Spanien, wo fast 400.000 neue Jobs entstehen sollen.

Trotz des zuletzt kräftigen Aufschwungs in fast allen Teilen der Eurozone: In den meisten Ländern ist die Arbeitslosigkeit nach wie vor größer als vor Ausbruch der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise. Gerade einmal drei Eurozonen-Länder - Deutschland, die Slowakei und Malta - weisen heute eine niedrigere Erwerbslosenquote auf als im Vorkrisenjahr 2007. Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY, die auf offiziellen Zahlen zur Beschäftigungsentwicklung und EY-Prognosen beruht.

"Die deutsche Wirtschaft boomt: Viele Firmen arbeiten an der Kapazitätsgrenze, fahren gute Gewinne ein und schaffen neue Arbeitsplätze", kommentiert EY-Partner Bernhard Lorentz, Leiter des Bereichs Government & Public Sector für Deutschland, die Schweiz und Österreich, die Entwicklung. Die Beschäftigung kletterte 2017 auf ein neues Rekordniveau: Im Jahresdurchschnitt waren 2017 in Deutschland knapp 44,2 Millionen Bundesbürger erwerbstätig - damit sind seit 2007 hierzulande unterm Strich 3,8 Millionen zusätzliche Stellen entstanden. Allein 2017 sind 520.000 neue Jobs hinzugekommen.

"Der nun schon seit acht Jahren anhaltende Aufschwung bringt immer mehr Menschen in Lohn und Brot - Deutschland erlebt derzeit wirtschaftlich goldene Jahre. Diese positive Entwicklung entlastet zudem die sozialen Sicherungssysteme und macht Mittel frei für wichtige Zukunftsinvestitionen", betont Lorentz.

Immerhin stehe Deutschland vor großen Herausforderungen: "Die Vorbereitung der Ausbildung und der Arbeitswelt auf die Digitalisierung, die Verbesserung der Infrastruktur, der demografische Wandel - das sind jeweils politische Herkulesaufgaben, die zudem mit erheblichen Kosten verbunden sein werden. Wir sind aktuell in der komfortablen Lage, dank sprudelnder Steuereinnahmen über die finanziellen Spielräume zu verfügen, solche Aufgaben anzugehen. Diese Spielräume sollten wir nutzen."

Auch im europäischen Ausland ist die Trendwende geschafft

Mit der rundum positiven 10-Jahres-Bilanz steht Deutschland europaweit weitgehend allein da - denn in dem Zeitraum, in dem die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland um knapp 1,9 Millionen gesunken ist, ist sie in den übrigen Eurozonen-Ländern um fünf Millionen gestiegen. Aber auch hier hat sich die Situation zuletzt zum Positiven entwickelt: Die Erwerbslosenquote in der Eurozone sank 2017 kräftig von 10,0 auf 9,2 Prozent - und für das kommende Jahr geht die EY-Prognose von einem Rückgang auf 8,6 Prozent aus. Lorentz betont: "Die Trendwende ist geschafft: 2017 lag die Zahl der Beschäftigten in der Eurozone erstmals wieder über dem Vorkrisenniveau von 2007." Dass die Arbeitslosigkeit dennoch immer noch deutlich höher ist als vor Ausbruch der Krise liegt an dem deutlich über dem Beschäftigungszuwachs hinausgehenden Wachstum des Arbeitskräfteangebots - etwa durch Zuwanderung und wegen der steigenden Zahl berufstätiger Frauen.

In den meisten ehemaligen Krisenländern wächst die Wirtschaft wieder - nicht zuletzt dank der positiven Impulse des wirtschaftsstarken Nordens Europas mit Deutschland als Lokomotive. Für eine endgültige Entwarnung ist es allerdings immer noch zu früh: So lag die Erwerbslosenquote in Spanien im Vorkrisenjahr 2007 bei 8,2 Prozent - 2017 war sie mit 17,2 Prozent immer noch mehr als doppelt so hoch. In Italien lag die Erwerbslosigkeit 2017 bei 11,2 Prozent - 2007 hatte der Anteil nur 6,1 Prozent betragen.

Fachkräftemangel in Deutschland wird sich verschärfen

Nach wie vor sind damit die Ungleichheiten innerhalb der Eurozone enorm: Während in Griechenland auch im Jahr 2018 voraussichtlich immer noch jeder Fünfte ohne Arbeit sein wird, wird in Deutschland die Erwerbslosenquote (nach ILO) nur bei 3,6 Prozent liegen. Hierzulande werden viele Regionen - vor allem in Bayern und Baden-Württemberg - quasi Vollbeschäftigung melden. Für Unternehmen wird es immer schwieriger, frei werdende oder gar zusätzliche Stellen zu besetzen, so Lorentz: "Der Arbeitsmarkt etwa für Akademiker und Facharbeiter ist vielerorts leergefegt. Das könnte für den Standort Deutschland zu einem echten Problem und zu einer Innovations- und Wachstumsbremse werden. Denn in solchen Fällen liegt es gerade für international tätige Unternehmen nahe, die entsprechenden Positionen im Ausland anzusiedeln - oder sie müssen Wachstumspotenziale ungenutzt lassen. Wir brauchen daher umso mehr eine zukunftsgerichtete Migrationspolitik. Zuwanderung kann einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten."

Besonders den Mangel an Fachkräften mit einem IT-Hintergrund dürften die deutschen Unternehmen in den kommenden Jahren immer schmerzhafter zu spüren bekommen, warnt Lorentz: "Die Digitalisierung erfasst immer mehr Bereiche - etwa Produktion und Entwicklung oder Verwaltungs- und Dienstleistungstätigkeiten. Um diesen technologischen Wandel voranzutreiben, werden mittelfristig IT-Experten wie Softwareentwickler benötigt, die aber in Deutschland immer schwieriger zu finden sind. Es wäre verheerend, wenn der Innovationsstandort Deutschland bei dieser Entwicklung anderen Ländern hinterherhinkt, weil es hierzulande nicht ausreichend Fachkräfte gibt."

» Vollständige Studie

Quelle: Ernst & Young



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