16.11.2016

Erste bewegte Bilder einzelner Moleküle



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Einer Forschergruppe der Universität Regensburg ist es mit Hilfe eines neu entwickelten, ultraschnellen Rastertunnelmikroskops zum ersten Mal gelungen, bewegte Bilder von einzelnen Molekülen aufzuzeichnen.

Die uns umgebende gasförmige, flüssige und feste Materie besteht aus Atomen und Molekülen. Diese elementaren Bausteine sind so winzig, dass man eine eigene Längeneinheit eingeführt hat, um ihre typische Größe zu beschreiben: 1 Ångström. Im alltäglichen Leben können wir Atome und Moleküle nicht einzeln beobachten, da sie selbst für die besten Lichtmikroskope tausendfach zu klein sind. Seit einigen Jahren lassen sich scheinbar ruhende Moleküle aber mithilfe ausgeklügelter nicht-optischer Mikroskope, etwa mit sogenannten Rastertunnelmikroskopen, direkt abbilden.

Atome und Moleküle sind jedoch auch in augenscheinlich regloser Materie in ständiger Bewegung. Auf der unglaublich kurzen Zeitskala von Femtosekunden flitzen, rotieren und vibrieren sie rasant durch ihre atomare Umgebung. Die Dynamik von Atomen und Molekülen ist maßgeblich dafür verantwortlich, wie sich Materie makroskopisch verhält; sie bestimmt chemische Reaktionen, biomolekulare Vorgänge in Lebewesen und wichtige Prozesse in der modernen Nanoelektronik. Ein Traum vieler Physiker, Chemiker, Biologen, Mediziner und Materialwissenschaftler war es daher seit Langem, die Bewegung einzelner Moleküle direkt zu sehen. Hierfür wäre ein Mikroskop nötig, das viele Milliarden mal schneller als die schnellsten elektronischen Kameras ist - eine Vorstellung, die bisher als Utopie galt.

Einer internationalen Forschergruppe an der Universität Regensburg ist dieser Durchbruch nun gelungen. Das Team um Prof. Rupert Huber und Prof. Jascha Repp, beide vom Institut für Experimentelle und Angewandte Physik der Universität Regensburg, hatte es sich zum Ziel gesetzt, erstmals bewegte Bilder von einzelnen Molekülen aufzuzeichnen. Dafür haben die Regensburger Physiker ein einzigartiges ultraschnelles Rastertunnelmikroskop entwickelt. Das Prinzip der Rastertunnelmikroskopie ähnelt dem eines Plattenspielers: Eine spitze Nadel wird über eine Oberfläche bewegt, um deren Relief abzutasten. Diese Nadel ist so scharf, dass ihre Spitze aus nur einem einzigen Atom besteht. Außerdem berührt sie die Oberfläche nicht, sondern schwebt wenige Atomabstände darüber. Ein quantenmechanischer Effekt, der sich "Tunneln" nennt, ermöglicht es dabei, dass die Spitze als winzige, berührungslose Sonde verwendet werden kann, um Strukturen kleiner als ein einzelnes Molekül zu ertasten.

Das Zeitfenster, in dem das Tunneln geschieht, sollte dabei - ähnlich der Belichtungszeit einer Fotokamera - möglichst kurz sein, um hohe Zeitauflösung zu erreichen. Im Prinzip lässt sich dieses Zeitfenster einschränken, indem man die elektrische Vorspannung zwischen Spitze und Oberfläche nur ganz kurz anlegt. Um ganz besonders schnell zu sein, entwickelten die Forscher einen raffinierten Trick: Sie benutzten das elektrische Trägerfeld eines ultrakurzen Lichtblitzes als Vorspannung. Innerhalb einer Zeitspanne, die kürzer ist als eine Halbschwingung von Licht, konnten sie so einzelne Elektronen vom Molekül auf die Spitze tunneln lassen. Damit wurde es möglich, zum ersten Mal einen Femtosekunden-Schnappschuss eines einzelnen Moleküls direkt in Raum und Zeit anzufertigen. Darüber hinaus konnten die Forscher im ersten Femtosekunden-Zeitlupenfilm eines einzelnen Moleküls verfolgen, wie ein Pentacen-Molekül auf der Oberfläche schwingt - mit einer Periode schneller als ein Billionstel einer Sekunde und einer Amplitude von wenigen Hundertstel eines Ångström!

Auf den nun zugänglichen Längen- und Zeitskalen wird die Natur unmittelbar und augenfällig von den verblüffenden Gesetzen der Quantenmechanik dominiert. Die neue Möglichkeit, Bewegungen von quantenmechanischen Materiewellen direkt in Ort und Zeit zu sehen und zu kontrollieren, dürfte einen Paradigmenwechsel in der Erforschung des Nanokosmos auslösen und künftige Technologien etwa superschneller Lichtwellen-getriebener Nanoelektronik inspirieren.

» Originalpublikation

Quelle: Universität Regensburg



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