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29.09.2016

Umfrage: 9 Prozent der Doktoranden in der Chemie arbeiten unentgeltlich


Wie werden Chemiedoktoranden an deutschen Universitäten bezahlt? Haben sie ein angemessenes Auskommen? Läuft ihre Stelle über die volle Zeitdauer der Promotion? Dies fragte die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in ihrer ersten Doktorandenumfrage im Juni 2016.

Einkommen von Doktoranden

91 Prozent der Doktoranden gaben an, bezahlt zu werden. 51 Prozent von ihnen haben eine Landesstelle, 34 Prozent eine Drittmittelstelle, 14 Prozent ein Stipendium und 8 Prozent eine Stelle als wissenschaftliche Hilfskraft (Mehrfachnennungen waren möglich). Knapp 9 Prozent der Teilnehmer erhielten zum Zeitpunkt der Umfrage kein Geld. Bei den Doktoranden, die ihre Promotion in diesem Jahr abschließen wollen, lag der Anteil derjenigen, die keine Stelle haben, sogar bei über 20 Prozent.

Landesstellen waren in den meisten Fällen (85 Prozent) halbe Stellen, also 50 Prozent einer Vollzeitstelle. Das Gehalt einer Vollzeitstelle beträgt nach den Tarifverträgen des öffentlichen Dienstes und der individuellen Gehaltsstufe etwa 3600 bis 4100 Euro pro Monat. Etwas besser dotiert sind Drittmittelstellen: sie waren zu 67 Prozent halbe Stellen, zu 27 Prozent Zweidrittel- bis Dreiviertelstellen. Doktoranden mit Stipendium erhielten in den meisten Fällen zwischen 1000 und 1750 Euro, mit einem Mittelwert von 1421 Euro.

Weitere Finanzierungsquellen

Außer den Einkünften von Uni oder Stipendiengeber greifen mehr als ein Fünftel (22 Prozent) zur Finanzierung des Lebensunterhalts auf Eltern, Partner oder andere Angehörige zurück, 8 Prozent haben einen Nebenjob und etwa 5 Prozent haben andere Quellen, zum Beispiel Erspartes. 4 Prozent leben von Arbeitslosengeld I oder II ("Hartz IV"). Teilnehmer, die eine Stelle an der Universität oder ein Stipendium haben, finanzieren sich im Schnitt zu 92 Prozent durch diese Stelle. Für 67 Prozent ist sie die einzige Einnahmequelle. Zwei Drittel derjenigen, die Arbeitslosengeld beziehen, leben ausschließlich davon, die anderen haben weitere Einkünfte durch Minijobs oder werden von Angehörigen unterstützt.

Zufriedenheit von Doktoranden

59 Prozent sind ziemlich oder sehr zufrieden mit Betreuung und Ablauf ihrer Promotion, 26 Prozent nur mäßig und 15 Prozent sind wenig oder gar nicht zufrieden. Dabei fällt auf, dass diejenigen, die schon länger an ihrer Promotion arbeiten, unzufriedener sind als diejenigen, die noch nicht so lange dabei sind. Viele der nicht so zufriedenen Teilnehmer klagen darüber, zu wenig Zeit für die eigentliche Promotion zu haben, weil sie stark in die Lehre eingebunden sind oder in andere Projekte, die nicht unmittelbar mit der Promotion zu tun haben.

Davon sind häufig auch Stipendiaten betroffen, obwohl ein Stipendium eigentlich ausschließlich für die Anfertigung der Promotion gedacht ist. Auch mit weiteren Faktoren sind Stipendiaten häufig unzufrieden: Sie sind meist weder kranken- noch rentenversichert und zahlen erst nach ihrer Promotion erstmals in die Rentenkasse ein. Wenn ihr Stipendium vor Beendigung der Doktorarbeit ausläuft oder sie nicht sofort eine Stelle finden, haben sie nicht einmal Anspruch auf Arbeitslosengeld I.

Teilnehmende

An der anonymen Umfrage beteiligten sich Insgesamt 1465 Doktoranden. 85 Prozent der Teilnehmer promovierten an einer Universität, die anderen an einem MPI, einem Fraunhofer-, Leibniz- oder Helmholtz-Institut oder einem Forschungszentrum. 40 Prozent der Teilnehmer waren weiblich.

Quelle: Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)




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