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15.07.2016

Leitfaden zur Expositionsmessung von luftgetragenen Nanomaterialien erschienen


Die Ergebnisse des kürzlich abgeschlossenen NANOINDEX-Projekts wurden jetzt veröffentlicht. Im Projekt wurden verschiedene personengetragene Messgeräte zur Expositionsbestimmung gegenüber luftgetragenen Nanomaterialien untersucht und evaluiert. In diesem Zusammenhang wurde festgestellt, dass in toxikologischen Studien oft unrealistisch hohe Dosen von Nanomaterialien verwendet werden. Es wird daher empfohlen, zukünftig die Auswirkung von geringeren, realistischeren Dosen zu untersuchen. In diesem Bereich können personengetragene Messgeräte für Toxikologen und Arbeitsschützer eine wertvolle Unterstützung bieten.

Nanomaterialien werden mittlerweile in großen Mengen produziert und finden sich in einer Vielzahl von Produkten des täglichen Lebens wieder (z.B. Lebensmittel und Verpackungen, Kosmetika und Sonnenschutz, Textilien, Kunststoffe, Isolationsmaterialien usw.). Die gesundheitlichen Auswirkungen von Nanomaterialien werden immer noch kontrovers diskutiert. Die Grundvoraussetzung für mögliche Effekte ist die Aufnahme im Körper infolge einer Exposition, wobei die Inhalation von luftgetragenen Nanopartikeln als der kritischste Aufnahmepfad angesehen wird. Personen, an deren Arbeitsplatz Nanomaterialien produziert, bearbeitet oder anderweitig verwendet werden, können exponiert werden. Sie sind deshalb potentiell besonders gefährdet.

Die Aufnahme von Nanomaterialien durch Inhalation kann am besten durch Messungen der Partikelkonzentration in der Nähe von Mund und Nase überwacht werden. Bis vor kurzem stand allerdings keine geeignete nanospezifische Messtechnik zur Verfügung, um personengebunden die Exposition zu erfassen. Erst in den letzten Jahren kamen personengebundene Sammler auf den Markt, welche spezifisch luftgetragene nanoskalige Partikel auf geeigneten Substraten für die anschließende Analyse abscheiden, sowie personengebundene Monitore, die mit hoher Zeitauflösung die Konzentration luftgetragener nanoskaliger Partikel bestimmen.

Das im Rahmen von ERANET-SIINN durchgeführte mehrjährige Forschungsprojekt NANOINDEX (Assessment of Individual Exposure to Manufactured Nanomaterials by means of Personal Monitors and Samples) untersuchte verfügbare Instrumente zur Einschätzung der persönlichen Exposition gegenüber Nanomaterialien. Die Sammler und Monitore wurden auf ihre Genauigkeit und Vergleichbarkeit sowie ihre Feldtauglichkeit hin untersucht. Die als geeignet qualifizierten Geräte wurden anschließend in Feldmessungen an mehreren Arbeitsplätzen eingesetzt, um so Daten zur persönlichen Exposition gegenüber Nanomaterialien zu erheben. Die Feldmessungen erfolgten gemäß international abgestimmten Standardarbeitsanweisungen, um die Vergleichbarkeit mit zukünftigen Feldmessungen zu gewährleisten. Ein besonderer Schwerpunkt der NANOINDEX Untersuchungen lag auf faserförmigen Partikeln, z.B. Kohlenstoffnanoröhren.

NANOINDEX hat nun einen englischsprachigen Leitfaden veröffentlicht. Der Leitfaden fasst die wichtigsten Erkenntnisse des Projekts zusammen. Fazit des Berichts ist, dass in vielen nanotoxikologischen Studien unrealistisch hohe Dosen an Nanomaterialien verwendet werden und der Wert der Erkenntnisse deshalb fraglich scheint. Zu einem ähnlichen Schluss kam auch der Toxikologe Harald Krug von der EMPA, St. Gallen in seiner Studie "Nanosicherheitsforschung - sind wir auf dem richtigen Weg?" aus dem Jahre 2014 in der er mehr als 10.000 Publikationen ab dem Jahr 2000 sichtete. Neben zu hohen Dosen in toxikologischen Studien kritisierte er auch, dass im überwiegenden Teil der Arbeiten die eingesetzten Materialien nicht ausreichend charakterisiert wurden. Damit ließen sich die Studien und die gemessenen Effekte nicht miteinander vergleichen.

Es ist zudem unklar, wie realistische Dosen in Studien zur Exposition von Nanomaterialien festgelegt werden sollen, da die Datenlage zu beruflichen Expositionswerten sehr spärlich ist. Dem NANOINDEX-Dokument zufolge sollten zukünftige Studien den Fokus auf schädliche Wirkungen von Nanomaterial bei realistischen und somit geringeren Expositionen legen. In diesem Bereich können die Messgeräte für das Design von toxikologischen Studien aber auch für den Arbeitsschutz wertvolle Hilfestellungen bieten.

Alle relevanten Daten und Erkenntnisse aus dem NANOINDEX Projekt stehen nationalen und internationalen Gruppierungen, Behörden und Projekten (NanoSafetyCluster, OECD, MARINA, BMBF-geförderte Projekte zur Nanosicherheitsforschung, etc.) zur Verfügung.

—> Leitfaden (englisch)

—> Originalpublikation

—> Weitere Informationen

Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)




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