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31.05.2016

Macht die Dosis immer das Gift?


Die bei der herkömmlichen Gefahrenbewertung vertretene Ansicht, dass "die Dosis das Gift macht", impliziert eine stetige Wirkungszunahme über den gesamten Dosisbereich, d.h. eine monotone Dosis-Wirkungs-Beziehung. Bei einer nicht monotonen Dosis-Wirkungs-Beziehung hingegen könnte die Wirkung bei Erhöhung der Dosis sowohl zunehmen als auch abnehmen, was sich in einer Grafik etwa als U-förmige oder umgekehrt U-förmige Kurven zeigen würde.

Für nicht monotonen Dosis-Wirkungs-Beziehungen liegen einige Hinweise aus Versuchsdaten vor. Sollten nicht monotone Dosis-Wirkungs-Beziehungen im Zusammenhang mit der Lebensmittelsicherheit nachgewiesen werden, könnte dies Auswirkungen darauf haben, wie die Risikobewertung durchgeführt wird.

Der externe wissenschaftliche Bericht der EFSA sei "ein nützlicher Beitrag zur wissenschaftlichen Debatte" über Ergebnisse aus Toxizitätsstudien, die auf nicht monotone Dosis-Wirkungs-Beziehungen (Non-Monotonic Dose Response - NMDR) hinweisen, so Prof. Anthony Hardy, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Ausschusses der EFSA. Es sind jedoch noch "weitere Analysen und Diskussionen nötig, um eine umfassende Bewertung der Erkenntnisse zu Nichtmonotonie in die Wege zu leiten", wie Prof. Hardy ausführte.

Auswertung der Erkenntnisse zu nicht monotonen Dosis-Wirkungs-Beziehungen

Bei seiner Sitzung hat der Wissenschaftliche Ausschuss einen externen wissenschaftlichen Bericht der EFSA erörtert, in dem die Erkenntnisse aus Datensätzen, die auf eine nicht monotone Dosis-Wirkungs-Beziehung hinweisen, ausgewertet werden (essenzielle Nährstoffe ausgenommen).

Aus dem Bericht geht hervor, wie rund 10.000 Studien im Rahmen einer systematischen Literaturrecherche ermittelt wurden. Unter Anwendung von Screeningverfahren sowie Relevanz- und Verlässlichkeitskriterien erstellten die Verfasser des Berichts eine engere Auswahl von Studien, die ihres Erachtens wissenschaftliche Erkenntnisse zur Stützung von Nichtmonotonie liefern könnten:

  • 202 Datensätze aus 49 tierexperimentellen Studien (in vivo).
  • 311 Datensätze aus 91 Gewebe-/Zellstudien (in vitro).
  • 9 Datensätze aus 2 Studien an Menschen.
Aufgrund von Schwierigkeiten beim Extrahieren von Daten aus In vitro-Studien konnten nur 13 dieser Datensätze für die Analyse der Dosis-Wirkungs-Beziehungen verwendet werden.

Dem Bericht zufolge, und ausgehend vom Datentyp (Hormone und Arzneimittel waren ausgenommen) sowie der Menge der ausgewählten und analysierten Daten, lässt sich die These nicht monotoner Dosis-Wirkungs-Beziehungen als verbreitetes Phänomen derzeit nicht für Stoffe im Bereich der Lebensmittelsicherheit stützen.

Reaktion des Wissenschaftlichen Ausschusses

"Der Bericht bietet einen umfassenden Überblick über bisherige Studien, in denen Hinweise auf eine nicht monotone Dosis-Wirkungs-Beziehung beobachtet wurden. Zudem wird eine gut fundierte Reihe von Kriterien für die Bewertung von Hinweisen auf nicht monotone Dosis-Wirkungs-Beziehungen vorgeschlagen", erklärte Prof. Hardy.

"Der Bericht diente als Anregung für weitreichende Diskussionen über die Methodik und Ergebnisse der Verfasser sowie darüber, wie die EFSA und die wissenschaftliche Gemeinschaft auf dieser Initiative aufbauen könnten."

Der Wissenschaftliche Ausschuss besprach die Notwendigkeit folgender weiterer Aktivitäten:

  • Eingehendere Analyse der Datensätze, die auf nicht monotone Dosis-Wirkungs-Beziehungen hinweisen, um die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse im Falle einer Wiederholung der Studien zu bestätigen bzw. festzustellen und um zu ermitteln, ob es sich bei der betreffenden Wirkung um eine biochemische Veränderung (z.B. die Änderung eines Enzymwerts) oder eine unmittelbare gesundheitsschädliche Auswirkung (z.B. Krebs) handelt.
  • Überprüfung der Methodik der Verfasser, bei der sechs Prüfpunkte zur Beschreibung der Aussagekraft der Hinweise auf nicht monotone Dosis-Wirkungs-Beziehungen verwendet werden.
  • Bereitstellung von Leitlinien dazu, welche der sechs Prüfpunkte bzw. welche Kombination der von den Verfassern vorgeschlagenen Prüfpunkte je nach zu prüfendem Datensatz als ausreichend für die Beurteilung von nicht monotonen Dosis-Wirkungs-Beziehungen angesehen werden könnten.
  • Dosis-Wirkungs-Modellierung der Datensätze aus Studien an Menschen und der Datensätze in Bezug auf "quantale Endpunkte" (d.h. schrittweise eintretende Wirkungen, wie Krebs, im Gegensatz zu graduellen Wirkungen wie Gewichtsverlust), die von den Verfassern nicht analysiert werden konnten.
Der Bericht wurde von der EFSA in Auftrag gegeben und von den folgenden vier mitgliedstaatlichen Einrichtungen durchgeführt: Französische Behörde für Ernährungssicherheit, Umwelt- und Arbeitsschutz (ANSES), Österreichische Agentur für Ernährungssicherheit (AGES), Institut für Umweltmedizin des Karolinska-Instituts (KI), Schweden, Niederländisches Institut für Volksgesundheit und Umwelt (RIVM).

—> Externer Bericht zum Download (engl.)

Quelle: European Food Safety Authority (EFSA)




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