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09.05.2016

Arbeit 4.0 verlangt neue Antworten für Arbeitsschutz


Neue Formen der Arbeit erfordern neue Antworten für den Schutz der Beschäftigten bei der Arbeit. Darauf weisen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen mit einer neuen Publikation hin. Darin beschreiben Präventionsfachleute der gesetzlichen Unfallversicherung die Trends, die derzeit die Arbeitswelt verändern, und welche Auswirkungen sich daraus für die Sicherheit und Gesundheit der Menschen ergeben. Demnach ermöglichten technologische Entwicklungen neue Formen, Arbeit zu organisieren. Dies bringe Chancen, aber auch Risiken für den Arbeitsschutz. Beratung in Fragen der Prävention müsse daher eine Kultur in den Unternehmen fördern, die Sicherheit und Gesundheit einen hohen Stellenwert einräumt.

Als Träger der gesetzlichen Unfallversicherung beraten und beaufsichtigen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen die Unternehmen im Arbeitsschutz. "Unsere Präventionsdienste beobachten, wie die Digitalisierung den Arbeitsalltag in den Unternehmen verändert", sagt der stv. Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), Dr. Walter Eichendorf. "Mobile Geräte machen Arbeit räumlich und zeitlich flexibler. Autonome Produktionssysteme - Stichwort 'Industrie 4.0' - entlasten die Beschäftigten von Routineaufgaben. Neue Führungsmethoden geben Mitarbeitern mehr Freiheit, ihre Arbeit selbst zu gestalten. Das alles ist positiv zu sehen, wenn einige Spielregeln beachtet werden. Und neue Formen der Zusammenarbeit wie Crowdwork stellen bisherige Herangehensweisen im Arbeitsschutz in Frage." Die Publikation "Neue Formen der Arbeit. Neue Formen der Prävention" sei vor diesem Hintergrund ein wichtiger Beitrag, um das Beratungsangebot im Arbeitsschutz weiterzuentwickeln. "Arbeit 4.0 braucht Prävention 4.0", so Eichendorf.

Viele Entwicklungen böten Chancen für die Gesundheitsförderung, so die Arbeitspsychologin Dr. Susanne Roscher von der VBG, eine der Autorinnen der Publikation. Zum Beispiel könnten mobile Endgeräte die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern und damit den Stress verringern. Es tauchten aber auch neue Risiken auf. "Wir wissen zum Beispiel, dass Handlungsfreiräume bei der Arbeitsgestaltung die Gesundheit fördern. Starre Zielvorgaben oder innerbetrieblicher Konkurrenzdruck können dieses Potenzial aber zunichtemachen oder in sein Gegenteil verkehren, wenn sie den Anreiz für selbstgefährdendes Verhalten erhöhen." Hierzu zählten zum Beispiel die Ausdehnung der Arbeitszeit, die Einnahme leistungssteigernder Substanzen oder Arbeit trotz Krankheit.

Auch die Industrie 4.0 beeinflusse die Anforderungen. "Autonome Produktionssysteme können Menschen von Routineaufgaben entlasten", so Roscher. "Das heißt aber nicht, dass die Arbeit weniger anspruchsvoll wird. Tatsächlich kann es sein, dass man bei der Überwachung dieser Systeme dauernd hochkonzentriert bleiben muss für den seltenen Fall, dass eine Störung vorkommt." Wenn dann etwas passiere, reiche es nicht aus, auf Signale zu reagieren. "Das System als Ganzes muss verstanden werden, da zwischen allen seinen Teilen Wechselwirkungen bestehen." Damit steige die Gefahr, Fehler zu machen und damit auch das Risiko, dass Beschäftigte sich überfordert fühlten.

Berater im Arbeitsschutz seien daher gefordert, Antworten auf den Wandel der Arbeitswelt zu finden, so Roscher. Zusammen mit anderen Fachleuten hat die Leiterin des DGUV Sachgebiets "Neue Formen der Arbeit" formuliert, was Prävention zukünftig leisten muss. Eine der wichtigsten Aufgaben, so Roscher: "Prävention muss als eigenständiges Unternehmensziel und Teil der Unternehmenskultur verankert werden. Die Auswirkungen auf Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten müssen bei allen Entscheidungen berücksichtigt werden, ob es nun um die Einrichtung einer autonomen Fertigungsanlage geht oder die Frage, ob man dienstliche Mails auch am Feierabend beantworten muss, wenn man ein Firmenhandy erhält."

—> Die Publikation "Neue Formen der Arbeit. Neue Formen der Prävention"

Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)




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