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16.12.2015

Leibniz-Preise 2016 vergeben


Die Träger des wichtigsten Forschungsförderpreises in Deutschland stehen fest: Der Hauptausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erkannte drei Wissenschaftlerinnen und sieben Wissenschaftlern den Leibniz-Preis 2016 zu. Sie waren zuvor vom zuständigen Nominierungsausschuss aus 120 Vorschlägen ausgewählt worden. Von den zehn neuen Preisträgern kommen drei aus den Naturwissenschaften:

Der Leibniz-Preis für Professor Dr. Benjamin List (47), Organische Molekülchemie, Abteilung Homogene Katalyse, Max-Planck-Institut für Kohlenforschung, Mülheim/Ruhr würdigt einen höchst innovativen und weltweit renommierten Chemiker, der ein völlig neues Feld der Katalyse und Katalyseforschung begründet hat. List entdeckte als junger Assistenz-Professor die Prolin-katalysierte intermolekulare Aldol-Reaktion. Sie war eine der Grundlagen für die Organokatalyse, mit der erstmals nicht Metallkatalysatoren, sondern Naturstoffe als Katalysatoren in der Herstellung von Chemieprodukten und anderen industriellen Schlüsseltechnologien eingesetzt werden konnten. Organische Katalysatoren sind meist weniger toxisch als Standardmetallkatalysatoren und zudem leicht wiedergewinnbar, womit sie erheblich zu einer nachhaltigeren und ressourceneffizienteren Chemie beitragen. Über die neuartigen Organokatalysatoren und organokatalytischen Reaktionen hinaus entdeckte und entwickelte List auch grundlegend neue Prinzipien für die Asymmetrische Katalyse und die Textilorganische Katalyse. Letztere könnten beispielsweise dabei helfen, Wasser dort aufzubereiten, wo Menschen von der Wasserversorgung abgeschnitten sind.

Schon als Schüler von der Chemie begeistert, studierte Benjamin List in Berlin und promovierte in Frankfurt/Main bei Johann Mulzer. Als Postdoktorand im kalifornischen La Jolla wandte er sich der biologisch orientierten Chemie zu, in der er seine weitreichende erste Entdeckung machte. Seit 2003 ist er am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr tätig, zunächst als Arbeitsgruppenleiter, seit 2005 als Direktor. Er gehört zu den weltweit am häufigsten zitierten Chemikern und wurde bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Professor Dr. Daniel James Frost (45), Mineralogie/Experimentelle Petrologie, Universität Bayreuth erhält den Leibniz-Preis 2016 für seine herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Experimentellen Petrologie. Frost erforscht die Entstehung, den Aufbau sowie die Entwicklung von Planeten mit Experimenten bei extrem hohen Drücken und Temperaturen. Sein Hauptinteresse gilt dabei dem Erdmantel und ganz speziell dessen Oxidationsgrad, der den gesamten Wasser- und Kohlenstoffkreislauf der Erde sowie die Bildung ihres metallischen Kerns maßgeblich beeinflusst und damit einer der Schlüsselparameter unseres Planeten ist. War die Forschung lange davon ausgegangen, dass der Oxidationsgrad im Erdmantel überall ähnlich sei, so konnte Frost zeigen, dass der Oxidationszustand im Erdmantel in Wirklichkeit stark von der Tiefe abhängt und der oberflächennahe Mantel relativ stärker oxidiert ist. Dies lässt darauf schließen, dass im oberen Teil des Erdmantels große Wassermengen vorhanden sein müssen. Mit diesen Arbeiten, aber auch seinen Forschungen zur Bildung des Erdkerns hat Frost das Wissen über den Aufbau der Erde und ihre Entwicklung über die Zeit fundamental erweitert.

London und Bristol waren die Stationen von Daniel Frosts Chemie- und Geologie-Studium bis zur Promotion 1995, an die sich ein zweijähriges Postdoktorat in den USA anschloss. Seit 1997 forscht und lehrt Frost an der Universität Bayreuth, an der er seit 2012 Professor für Experimentelle Geowissenschaften ist. Sein Labor am dortigen Bayerischen Geoinstitut ist vor allem für Nachwuchswissenschaftler weltweit ein begehrtes Ziel.

Professor Dr. Marina V. Rodnina (55), Biochemie, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie (Karl-Friedrich-Bonhoeffer-Institut), Göttingen wird mit dem Leibniz-Preis für ihre wegweisenden Beiträge zum Verständnis der Funktion von Ribosomen ausgezeichnet. Diese äußerst komplexen molekularen Maschinen synthetisieren aus Aminosäuren Proteine. Rodninas Interesse gilt vor allem der Frage, wie dieser Prozess der Translation möglichst präzise und ohne Fehler ablaufen kann - was eminent wichtig ist, da ein einziger "falscher" Baustein zu einem defekten Protein und zu Schäden in der gesamten Zelle führen kann. Durch die Kombination kinetischer und fluoreszenzbasierter Methoden konnte Rodnina völlig neue Einblicke in die Struktur und Funktion der Ribosomen gewinnen; ihre Erkenntnisse bilden das bislang umfassendste konzeptionelle und quantitative Gerüst für das Verständnis der Translation. In weiteren Arbeiten konnte sie eine Reihe von Proteinen identifizieren und ihre Funktion aufklären, etwa beim Hilfsprotein EF-P, wodurch sich neue Möglichkeiten der Abwehr von Bakterien eröffnen. Schließlich entschlüsselte Rodnina den Mechanismus des "Umkodierens", mit dem vor allem Organismen mit kleinem Genom ihr Leseraster in der Translation bewusst verändern, um mehr Proteine herzustellen. Diese und die anderen Erkenntnisse Rodninas haben längst Eingang in die Lehrbücher gefunden und sind international hoch anerkannt.

In Kiew geboren und dort nach dem Biologie-Studium auch in Molekularbiologie und Genetik promoviert, kam Marina Rodnina 1990 mit einem Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung an die Universität Witten-Herdecke, an der sie sich auch habilitierte und Professorin für Physikalische Biochemie wurde. Seit 2008 ist sie Direktorin am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen.

Alle Ausgezeichneten erhalten ein Preisgeld von jeweils 2,5 Millionen Euro für kommende Forschungsarbeiten.

Sieben Leibniz-Preisträger haben nach der Auszeichnung mit dem wichtigsten Forschungsförderpreis in Deutschland auch den Nobelpreis erhalten: 1988 Professor Dr. Hartmut Michel (Chemie), 1991 Professor Dr. Erwin Neher und Professor Dr. Bert Sakmann (beide Medizin), 1995 Professor Dr. Christiane Nüsslein-Volhard (Medizin), 2005 Professor Dr. Theodor W. Hänsch (Physik), 2007 Professor Dr. Gerhard Ertl (Chemie) und zuletzt 2014 Professor Dr. Stefan W. Hell (Chemie).

Ziel des Preises ist es, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftler zu verbessern und ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter Nachwuchswissenschaftler zu ermöglichen. Für diese Zwecke kann ihnen für einen Zeitraum von bis zu sieben Jahren ein Preisgeld von bis zu 2,5 Millionen Euro zugesprochen werden. Diese Mittel werden den Preisträgern ohne Antrag bewilligt, und für ihren Einsatz werden die weitestgehenden Freiheiten eingeräumt, die bei der Verwendung von öffentlichen Mitteln möglich sind. Dies hatte schon bei der ersten Preisverleihung 1986 der damalige DFG-Präsident Professor Dr. Hubert Markl mit seinem Wort von der "märchenhaften Freiheit" aufgenommen, die der Preis neben großem Renommee und hohem Preisgeld mit sich bringe - eine Formulierung die zum Synonym für den Leibniz-Preis geworden ist.

Verliehen werden die Leibniz-Preise am 1. März 2016, 15 Uhr, in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin.

Quelle: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)




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