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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

30.10.2015

Ausfällung und Mineralisierung von CO2 aus Meerwasser


Zur raschen Dekontamination wässriger Lösungen haben amerikanische Wissenschaftler einen sich frei bewegenden mikroskopisch kleinen Wischmopp entwickelt: Damit lässt sich CO2 aus Wasser abscheiden. Mit einem frei beweglichen, chemisch angetriebenen Mikromotor als Enzymträger wandeln sie das CO2 in festes Calciumcarbonat um und entziehen es somit dem System.

Eine der Möglichkeiten, die anhaltende, menschengemachte massive Freisetzung von Kohlendioxid aus fossilen Rohstoffen zu mildern, sehen Wissenschaftler in der direkten Mineralisierung des CO2 am Ort der Freisetzung. Als Speicherform ist Calciumcarbonat geeignet, ein Mineral, das marine Organismen über Millionen von Jahren hinweg durch Biokonversion aus Kohlendioxid produziert und zu riesigen Kalkgebirgen aufgetürmt haben. Unkatalysiert wird Kohlendioxid im wässrigen Medium jedoch zu langsam zu Carbonat umgesetzt, sodass diese Reaktion für die großvolumige Abtrennung von Kohlendioxid unpraktisch ist. An der Universität von Kalifornien in San Diego haben nun Joseph Wang und sein Team diese Reaktion durch einen raffinierten chemisch-nanotechnlologischen Ansatz erheblich beschleunigt. "Unsere Methode verbindet die biokatalytische Aktivität der Carboanhydrase, einem Metalloenzym, das die Hydratisierung von CO2 zu Hydrogencarbonat katalysiert, mit dem chemischen Eigenantrieb von Mikromotoren, die sich wie ein Wischmopp im Mikromaßstab selbstständig durch CO2-gesättigte Proben bewegen", schreiben die Wissenschaftler. Der Hauptvorteil hierbei sei die automatische Durchmischung und Reinigung lediglich durch Zugabe von umweltfreundlichem Wasserstoffperoxid als Kraftstoff.

Als Mikromotoren dienen Röhrchen aus einem modifizierten Kunststoff von sechs Mikrometer Länge. Im Innenraum dieser Röhrchen wird das Wasserstoffperoxid katalytisch in Wasser und gasförmigen Sauerstoff umgewandelt. Diese Gasbläschen geben den nötigen Rückstoß, um das Mikrorohr voranzutreiben. Außen an den Röhrchen haben die Wissenschaftler über einen chemischen Anker die Carboanhydrase angebracht. Angetrieben durch das Wasserstoffperoxid zieht nun die entstandene Enzym-Mikromotor-Kombination durch die wässrige Lösung wie ein U-Boot und erreicht dabei Geschwindigkeiten von mehr als 100 Mikrometer pro Sekunde, also 18-mal seine Länge, sagen die Autoren. Dabei ist die hohe Geschwindigkeit nicht der einzige Vorteil, denn durch die Fixierung des Enzyms an der Oberfläche wird es gleichzeitig für seine Reaktion, die CO2-Hydratisierung, stabilisiert.

Im Test dekontaminierte der Mikrowischer CO2-haltige Lösungen einschließlich Meerwasser effizient und innerhalb von Minuten. Das liest sich wie der Grundstock von neuen Calciumcarbonatgebirgen aus Menschenhand.

—> Originalpublikation

Quelle: Angewandte Chemie




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