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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

12.08.2015

Prototyping-Linie für chip-basierte diagnostische Tests nimmt Betrieb auf


Mit der Bewilligung des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg für den Aufbau einer Prototypen-Linie für chip-basierte, diagnostische Tests am Standort Freiburg investierte Hahn-Schickard insgesamt 1,8 Millionen Euro in den Aufbau dieser Linie. Das Land bezuschusste im Rahmen des Programms "Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung (RWB)" die Geräteinvestitionen über den Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) zu 50 Prozent (900.000 Euro). Das Projekt wurde nun mit der Lieferung der letzten Anlagen erfolgreich abgeschlossen.

Die "Prototyping-Linie zur Erforschung und Validierung von Lab-on-a-Chip Funktionsmustern" soll zukünftig die preiswerte Herstellung von Analysesystemen im CD-Format erlauben. Diese sogenannten Lab-on-a-Chip-Systeme ähneln äußerlich einer Compact-Disk (CD), sie enthalten jedoch haarfeine Kanäle und Kammern. In ihnen können biochemische Reagenzien vorgelagert werden, die sich durch Rotation über die Kanäle verteilen und mischen. Auf diese Weise lassen sich alle nötigen Aufbereitungs- und Analyseschritte des Probenmaterials vollautomatisiert, schnell und hochpräzise für den Nachweis verschiedener biologischer oder chemischer Stoffe ausführen. Ausgehend von Blutproben oder Abstrichen können zum Beispiel infektiöse Krankheitserreger anhand ihres genetischen Fingerabdrucks in kurzer Zeit bestimmt werden. Durch die handliche und mobile Bauart eignen sich Lab-on-a-Chip-Systeme für die patientennahe Vor-Ort-Analytik, auch Point-of-Care Diagnostik genannt. Somit entfallen zeitintensive Untersuchungen in einem Zentrallabor.

Das in Freiburg angewandte Fertigungsverfahren setzt auf Kunststofffolien, die ähnlich wie Tablettenverpackungen hergestellt werden. Statt Kammern für Tabletten werden hingegen kleine Reaktionskammern und Mikro-Kanäle geformt. Mit der bewilligten Anlagenerweiterung wird es erstmals möglich, Nullserien von 1.000 bis 10.000 Stück der Einweg-Testträger herzustellen. Diese Losgrößen bilden die Basis für eine hinreichende Erprobung und die klinische Validierung solcher Lab-on-a-Chip-Systeme, bevor sie für den Verkauf zugelassen werden können. Insgesamt liegt die Kapazität der Prototyping-Linie bei bis zu 200.000 Einweg-Testträgern pro Jahr. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen profitieren von der Erweiterung, da sie statt kostspieliger und riskanter Investitionen in eigene Fertigungstechnologien auf das Know-how und die Infrastruktur bei Hahn-Schickard zurückgreifen können. Seit 2005 forschen die Wissenschaftler von Hahn-Schickard in Kooperation mit dem Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK) der Universität Freiburg an Lab-on-a-Chip-Technologien.

Quelle: Hahn-Schickard-Gesellschaft für angewandte Forschung e.V.




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