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09.07.2015

Biotechnologisch gewonnene Nanozellulose zur Wundversorgung ist produktionsreif


Nanozellulose ermöglicht unter anderem eine bessere Versorgung von Brandverletzungen sowie von chronischen Wunden. Grund dafür sind die speziellen Materialeigenschaften, bei denen sich die Vorzüge pflanzlicher Zellulose mit denen von nanostrukturierten Materialien verbinden. So ist Nanozellulose nicht nur besonders saugfähig, sondern auch extrem reißfest. Außerdem zeichnet sie sich durch eine hohe Bioverträglichkeit aus. Das Material ist angenehm auf der Haut, reguliert das Feuchtigkeitsniveau von Wunden und lässt sich schmerzfrei ablösen, da es nicht mit der Haut verklebt.

Von diesem Mix aus Eigenschaften sollen künftig Opfer von Brandverletzungen profitieren. Sie können mit Wundauflagen aus Nanozellulose schmerzärmer behandelt werden, da das Material kühlt und die Auflagen problemlos gewechselt werden können. Gleichzeitig hält es die betroffenen Stellen feucht, wodurch die Heilung beschleunigt und die Narbenbildung verringert wird. Die Produkteinführung ist für Ende 2015 geplant. Außerdem lässt sich Nanozellulose mit medizinischen und kosmetischen Wirkstoffen beladen, die im Lauf der Zeit kontrolliert an die Haut abgegeben werden.

Nanozellulose lässt sich biotechnologisch- mit Hilfe von Bakterien in einem Nährmedium herstellen. Die Mikroorganismen produzieren das Material quasi als Vlies auf der Oberfläche, um sich vor Austrocknung und anderen Gefahren zu schützen. Bislang ließ sich die Produktion nicht automatisieren. Sie erfolgte in ruhenden Kulturmedien, bei denen nach jeder Ernte die Fermentation neu anlaufen musste. JeNaCell verfügt nun über eine Technologie, mit der sich Nanozellulose automatisiert in einer Endlosschleife herstellen lässt. Dabei wird das Produkt kontinuierlich abgezogen, ohne die Fermentation zu stören. So lassen sich große Mengen des Materials herstellen und gleichzeitig die Kosten senken.

Die wissenschaftlichen Grundlagen für das Produktionsverfahren von JeNaCell wurden in intensiver Forschung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena gelegt. Das Unternehmen wurde 2012 von den dort tätigen Chemikerinnen Nadine Heßler und Dana Kralisch gegründet.

Evonik hat sich an dem jungen Technologieunternehmen beteiligt. Der Konzern investierte in die JeNaCell GmbH und hält nun einen Minderheitsanteil an dem Spin-off der Friedrich-Schiller-Universität Jena. JeNaCell ist Spezialist für biotechnologisch gewonnene Nanozellulose und verfügt über ein in diesem Bereich einzigartiges Produktionsverfahren. "JeNaCell passt strategisch hervorragend zu Evonik. Die Technologie des Unternehmens ergänzt unsere Kompetenzen sowohl in der Biotechnologie als auch im Bereich der Transportsysteme für medizinische Wirkstoffe", sagt Bernhard Mohr, Leiter Venture Capital bei Evonik.

Nadine Heßler, Gründerin und Geschäftsführerin von JeNaCell, sagt über die Transaktion: "Mit Evonik haben wir einen strategischen Investor gewonnen, der über umfangreiche Expertise in Aufbau und Betrieb von biotechnologischen Produktionsanlagen verfügt und uns beim Marktzugang unterstützen kann."

Die Investition von Evonik erfolgte im Rahmen einer Serie-A-Runde zusammen mit der bmt beteiligungsmanagement thüringen sowie der Sparkasse Jena. Weiterhin haben sich auch der High-Tech-Gründerfonds und die Stiftung für Technologie, Innovation und Forschung Thüringen (STIFT) beteiligt, die bereits die Seed-Finanzierung zur Verfügung gestellt hatten. Die Finanzmittel sollen unter anderem in den Auf- und Ausbau der Produktion am Standort Jena sowie in Vertrieb und Marketing fließen.

Quelle: Evonik Industries




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