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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

27.05.2015

Untersuchungen zu Auswirkungen von Nanomaterialien auf das Ökosystem gestartet


In Sonnencremes oder Sport-Funktionskleidung ist mehr enthalten als das menschliche Auge sehen kann. Kleinstteilchen, sogenannte Nanopartikel. Diese Nanopartikel sind winzig, ihr Durchmesser beträgt weniger als 100 Nanometer - ein menschliches Haar ist 1000 Mal dicker. Diese Nanopartikel sind fester Bestandteil vieler Produkte, die in unserem Alltag selbstverständlich sind. Nanopartikel gelangen über die Körperpflege oder die Wäsche in Kläranlagen und von dort in unsere Gewässer. Was aber ist auf dem Weg dorthin mit den Nanopartikeln passiert? Wie haben sich die Kleinstteilchen verändert und was bedeutet das für unsere Umwelt und unsere Gesundheit? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Forscher der Universität Siegen im Rahmen des Projekts "FENOMENO".

FENOMENO ist ein europäisches Projekt im Rahmen des SIINN ERA-NET Programms, das die Uni Siegen zusammen mit Prof. Dr. Christian Schlechtriem am Fraunhofer Institut IME (Schmallenberg), dem Forschungsinstitut für Limnologie der Universität Innsbruck am Mondsee (Österreich) und der Universität Aveiro (Portugal) durchführt. Nationaler Geldgeber ist das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Am 1. April 2015 ist das Projekt gestartet, die Fördersumme beträgt mehr als 1,1 Millionen Euro, die Laufzeit ist auf 36 Monate angelegt. Aus der Naturwissenschaftlich-Technischen Fakultät der Universität Siegen sind Wissenschaftler aus den Bereichen Biologie, Chemie, Informatik und Ethik beteiligt. Die Wechselwirkung zwischen unterschiedlichen Departments der Naturwissenschaftlich-Technischen Fakultät macht die interdisziplinäre Forschungsarbeit in diesem Projekt möglich.

"Von Nanomaterialien gehen, wie von anderen Materialien auch, potenzielle Gefahren aus. Wir möchten aber nicht mahnen, sondern aufklären. Das Projektziel ist, auf rationaler, wissenschaftlich abgesicherter Basis entscheiden zu können, welche Nanomaterialien sicher sind", sagt Prof. Dr. Holger Schönherr, Koordinator des Projekts. Zwei Ansätze werden im Projekt verfolgt. Versucht wird zum einen, den Weg von Silber- und Titandioxid-Nanopartikeln in einer natürlichen Nahrungskette (Algen - Wasserflöhe - Jungfische - Raubfische) im Mondsee in Österreich nachzuverfolgen. Zum anderen werden parallel dazu im Labor gezielt die einzelnen Glieder dieser Nahrungskette untersucht.

Prof. Schönherr, Leiter der Arbeitsgruppe "Physikalische Chemie I" an der Uni Siegen: "Unser Projekt wird den Verbleib und die Auswirkungen von Nanopartikeln auf die aquatische Nahrungskette aufklären und in eine abschließende Risikoabschätzung münden, um die Risiken der Nutzung von Nanoteilchen für Mensch und Umwelt beurteilen zu können."

In einem ersten Schritt werden Silber- und Titandioxid-Nanopartikel verwendet, die eine Kläranlage passiert haben. Mit hochempfindlicher Elementmassenspektrometrie und hochauflösender Mikroskopie wird analysiert, wie sich diese Nanopartikel verändert haben. Im Labor folgt der nächste Schritt. Die Nanopartikel werden in Verbindung mit Algen, also dem Beginn der Nahrungskette, gebracht. Getestet wird, wie Algen die Nanopartikel aufnehmen.

Dann kommen Wasserflöhe (Daphnien) ins Spiel. Wasserflöhe sind Schlüsselorganismen in der aquatischen Nahrungskette. Sie fressen einerseits Algen und werden andererseits von Jungfischen gefressen. In verschiedenen Testreihen wird erforscht, welche Effekte diese Nanopartikel auf das Verhalten der Wasserflöhe, auf ihre Bewegungen, die Herzschlagrate, den Fortpflanzungserfolg und weitere Kriterien haben. Die Bewegungen der Wasserflöhe können automatisch verfolgt und ausgewertet werden. Auf diese Weise dienen die Wasserflöhe als Biosensoren für Nanopartikel im Gewässer. Die mikroskopischen Techniken und Verhaltensexperimente erlauben es, die Aufnahme der Nanopartikel durch die Wasserflöhe und den Verbleib der Kleinstteilchen festzustellen.

Die Universität Aveiro wird die biologischen Effekte der Nanopartikel in den Algen, Wasserflöhen und Fischen auf molekularer und biochemischer Ebene untersuchen. Die Universität Innsbruck entnimmt dem Mondsee an verschiedenen Stellen Proben von Wasser, Algen, Wasserflöhen, Fried- und Raubfischen. Diese werden in Kooperation mit allen Partnern chemisch, mikroskopisch, molekular und biochemisch untersucht.

—> Weitere Informationen

Quelle: Universität Siegen




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