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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

13.04.2015

Plastikpartikel im Meer stammen überwiegend von Textilien


Die Plastikverschmutzung der Meere ist ein bekanntes und oft beklagtes Problem. Neu ist, dass nicht allein die Plastiktüten schuld an dieser Verschmutzung sind. Ein Großteil der kleinen Plastikpartikel im Meer stammt von Textilien. Ein EU-Projekt soll diese Verschmutzung nun um 70 Prozent reduzieren

Die Weltmeere verwandeln sich zunehmend in eine Plastiksuppe. Bekannt sind vor allem die großen Müllstrudel im Atlantik und Pazifik. In Letzterem
kommen sechs Plastikpartikel auf ein Plankton-Kleinlebewesen. Im Mittelmeer hat das Plankton noch die Mehrheit. Auf zwei der Kleinlebewesen kommt ein Plastikpartikel, die auch Tränen der Meerjungfrauen genannt werden. Bislang ging man immer davon aus, dass der größte Teil dieses Plastiks entweder vom Land in die Meere geschwemmt wird oder von Schiffen stammt. Die größte Quelle der Plastikverschmutzung sind aber Kleider, wie eine Studie in der Fachzeitschrift Environmental Science and Technology zeigt.

Zu klein für die Kläranlage

Der Autor, Mark Browne [2] von der Universität Kalifornien, hat Plastikfasern an Stränden analysiert und festgestellt, dass es sich bei 85 Prozent um Textilfasern handelt, etwa Polyester- oder Acrylfasern. Daraufhin hat er Tests mit Waschmaschinen durchgeführt: Ein Kleidungsstück aus synthetischem Material verliert pro Waschgang bis zu 1900 Fasern. Diese Fasern sind mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen. Sie sind auch zu klein, um von Kläranlagen herausgefiltert zu werden und gelangen daher in die Meere, wo sie dann bleiben.

Da Plastikmoleküle sehr stabil sind, zerfallen die Plastikfasern zwar in immer kleinere Stücke, aber sie zersetzen sich nicht. Mit der Zeit können
sich Giftstoffe an den Plastikpartikeln anlagern oder sie werden von einem Film aus Bakterien und Viren überzogen. Verwechseln dann Fische die
Plastikpartikel mit Plankton, ist der Kreis geschlossen: die Giftstoffe landen über die Fische wieder auf dem Teller. Bei Krusten- und Schalentieren
oder Sprotten, die vor der Zubereitung nicht ausgenommen werden, verzehrt der Mensch sogar das Mikroplastik, das sich in deren Mägen angesammelt hat.

Feine Filter in der Waschmaschine

Die EU hat dieses Problem mittlerweile erkannt und ein Projekt aufgelegt, das das Problem von drei Seiten her untersucht: Der erste Ansatzpunkt ist die Textilindustrie. Diese soll ermutigt werden, Kunstfasern einzusetzen, die weniger Fasern beim Waschen abgeben. Dann kommen die Hersteller von Waschmitteln ins Spiel. Diese sollen prüfen, ob sie durch Zusätze die Zahl der Fasern reduzieren können. Und schließlich sind auch die Produzenten von Waschmaschinen in der Pflicht: Diese könnten feinere Filter in ihre Maschinen einbauen, um die verbleibenden Fasern aus dem Wasch-Abwasser auszufiltern. Ziel des Projekts ist eine Reduktion der Anzahl Fasern im Wasch-Abwasser um mindestens 70 Prozent.

Zumindest ein Hersteller von Waschmaschinen hat sich bereits mit dem Problem der Plastikfasern beschäftigt, die Firma BSH Hausgeräte, die Waschmaschinen unter den Markennamen Siemens und Bosch produziert. "Wir bei der BSH erforschen das Thema Mikroplastics bereits seit einigen Jahren", teilt BSH-Sprecherin Johanna Janusch mit. "Um das Problem umfassend zu lösen, müsste man bei dessen Ursache anfangen, also bei der Herstellung von Textilien, da insbesondere während der ersten Gebrauchsphasen eines Textils sehr viele Fasern abgelöst werden", sagt sie.

In den USA sind Filter für Großwäschereien Pflicht

Einen Filter für die Mikrofasern hat aber auch BSH noch nicht: "Bislang gibt
es leider noch keine vernünftige Lösung für unsere Serien-Waschmaschinen und -Trockner, die diese kleinen Fasern aus der Lauge entfernen könnte. Darüber hinaus müssten diese Fasern dann von den Konsumenten auch entsprechend entsorgt werden, damit diese nicht ins Abwasser gelangen", sagt Janusch.

Die Hersteller hinter den Marken Miele, Bauknecht und AEG/Electrolux haben auf die Frage nach der Faserproblematik nicht einmal geantwortet. Damit bestätigen sie eine Aussage von Maria Westerbros, der Chefin der niederländischen Umweltorganisation Plastic Soup Foundation: "Trotz der
Warnungen vieler Wissenschaftler ignorieren viele Hersteller von Waschmaschinen das Problem. Das kann doch nicht sein." Ein Vorbild könnten hier die USA sein: Dort sind Filter zumindest für Großwäschereien Pflicht.

—> EU Projekt "MERMAIDS"

Quelle: Greenhouse Infopool Berlin


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