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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

16.03.2015

Neu entwickelte Anti-Infektiva lizenziert


Traditionelle Antibiotika wirken, indem sie das Wachstum von Pathogenen unterbinden. Dabei entstehen zwangsläufig Resistenzen. Wissenschaftler am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) haben vor einiger Zeit eine Gruppe von Substanzen entdeckt, die eine neue Wirkweise haben: Sie unterbinden die Kommunikationswege der Bakterien. Die Erreger können dann beispielsweise keine Virulenzfaktoren mehr bilden. Nun hat das Unternehmen Spero Therapeutics die Lizenz an den Substanzen erworben und will sie in Kooperation mit dem Forscherteam am HIPS weiter entwickeln.

Das Bakterium Pseudomonas aeruginosa zählt zu den häufigsten Verursachern von Krankenhausinfektionen und ist zudem resistent gegen viele bisherige Antibiotika. Deren Wirkung beruht darauf, dass sie das Wachstum der Bakterien stoppen. Ein radikaler Ansatz, der allerdings eine große Schwäche hat: Er bewirkt die Ausbildung von Resistenzen. Wissenschaftler am HIPS, einer Außenstelle des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig, haben kürzlich Substanzen entwickelt, die eine Umgehung dieses Problems ermöglichen. "Die Substanzen, die wir entdeckt haben, sind in der Lage, die Kommunikation der Bakterien untereinander zu unterbinden. Wenn die Bakterien nicht mehr kommunizieren können, bilden sie keine Virulenzfaktoren mehr aus und sind damit ungefährlich", sagt Prof. Rolf Hartmann, Leiter der Abteilung Wirkstoffdesign und Optimierung am HIPS.

Um aus den Substanzen langfristig wirksame Medikamente zu entwickeln, haben die Forscher mit Hilfe von Ascenion, dem Technologietransferpartner des HZI, einen Lizenzvertrag mit der Firma Spero Therapeutics ausgehandelt. Damit erhält das US-Unternehmen die kommerziellen Rechte an den Substanzen. "Das Ziel aller Beteiligten ist, dass neue Medikamente gegen resistente Keime so rasch wie möglich für Patienten verfügbar werden", sagt Dr. Sabina Heim, Technologiemanagerin von Ascenion.

Darüber hinaus demonstriert die Zusammenarbeit erneut, wie wichtig Industriekooperationen für Forschungszentren sind. "Nur durch solche Kooperationen haben wir die Möglichkeit, Substanzen, die wir entdecken, so weiterzuentwickeln, dass sie langfristig zur medizinischen Anwendung kommen", sagt Prof. Dirk Heinz, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des HZI. "Der Transfer von Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung in die Klinik nimmt am HZI einen hohen Stellenwert ein. Es freut uns sehr, dass das in diesem Fall so gut geklappt hat."

Quelle: Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS)




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