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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

25.02.2015

Nachholbedarf bei der Kommunikation über neue Forschungsgebiete


Die Kommunikation über wenig bekannte Forschungsgebiete und neue Technologien bedeutet für Wissenschaftler und Journalisten eine große Herausforderung. Wie kann die Öffentlichkeit über komplexe Wissensgebiete wie die Synthetische Biologie informiert werden, welche Bringschuld haben die Wissenschaftler und wie reagieren Bürger auf diese Informationen? Das sind nur einige der Fragen, mit denen sich die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und das Institut für Demoskopie Allensbach auseinandergesetzt haben. Die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage lassen den Schluss zu, dass es in der Kommunikation mancher Forschungsthemen großen Nachholbedarf gibt. Die Veröffentlichung über öffentliche Meinungsbildung und ihren Einfluss auf die Rahmenbedingungen von Forschung wurde heute in Berlin präsentiert.

Leopoldina und Allensbach ermittelten in einer repräsentativen Umfrage erstmals den Wissensstand und die Haltung der deutschen Bevölkerung zur Synthetischen Biologie. Erfragt wurde auch die Einstellung und der Wissensstand zu Forschung in Deutschland insgesamt und zu innovativen Technologien im speziellen. Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass ein großes Vertrauen in die Kompetenz und das Verantwortungsgefühl von Wissenschaftlern (67 Prozent) besteht. Gleichzeitig fällt das Interesse an einzelnen Forschungsfeldern sehr unterschiedlich aus. Am höchsten ist das Interesse an Forschungsinhalten, die einen hohen Alltagsbezug aufweisen. Beispiele hierfür sind anwendungsbezogene medizinische Forschung und Entwicklungen zur Erschließung erneuerbarer Energien. Die Synthetische Biologie, die im Fokus der Befragung stand, war den meisten Befragten kaum bekannt. Das größte Interesse und die größte Offenheit äußerten sie, wenn das Thema in einen medizinischen oder wirtschaftlichen Kontext gestellt wurde.

Teil der Erhebung war eine Umfrage unter Wissenschaftlern und über Wissenschaftsthemen berichtende Journalisten. Beide Gruppen mahnten mehrheitlich ein stärkeres Engagement von Forschern bei der Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte an. Eine Mehrheit (Wissenschaftler: 89 Prozent, Journalisten: 68 Prozent) vermutet einen großen beziehungsweise sehr großen Einfluss der öffentlichen Meinung auf die Rahmenbedingungen für Forschung. Die meisten Befragten (86 Prozent) sehen in der Kommunikation ein wichtiges Mittel, Offenheit für die unterschiedlichen Forschungsthemen zu erreichen.

"Mit dem Papier geben die Leopoldina und Allensbach den Anstoß für eine Diskussion über die Kommunikation der Synthetischen Biologie. Wir legen damit zudem eine Grundlage für Überlegungen zur öffentlichen Meinungsbildung zu anderen Forschungsfeldern. Ich denke dabei insbesondere an solche, bei denen Nutzen und mögliche Nachteile sehr kontrovers diskutiert werden, wie zum Beispiel Grüne Gentechnik oder Nanotechnologie", sagt Professor Jörg Hacker, Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. "Die Umfrage zeigt, wie wichtig es ist, bei der Kommunikation die Interessen der Bürger zu berücksichtigen und die konkreten Nutzanwendungen von neuen Forschungsgebieten zu vermitteln. Gleichzeitig wird deutlich, wie wichtig eine neutrale Information, die auch Unsicherheiten mit einbezieht, für die Vertrauensbildung ist", sagt Professor Renate Köcher, Geschäftsführerin des Instituts für Demoskopie Allensbach.

Den Anstoß für diese Untersuchung gab eine Diskussion über Synthetische Biologie beim dritten Innovationsdialog zwischen Bundesregierung, Wirtschaft und Wissenschaft 2012. Damals lagen nur sehr wenige empirische Daten über das Meinungsbild zur Synthetischen Biologie in der Bevölkerung vor. Über die Haltung der Bürger zu diesem Forschungsfeld konnten deshalb keine verlässlichen Aussagen getroffen werden. Die Ergebnisse der Erhebung stützen sich auf 23 Tiefeninterviews mit Wissenschaftlern, eine quantitative Befragung von 106 wissenschaftlichen Experten und 103 Journalisten und eine Bevölkerungsumfrage mit rund 2350 Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung ab 16 Jahre.

—> Studie zum Download

Quelle: Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina




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