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04.11.2014

Erforschung gesundheitsfördernder Eigenschaften von Peptiden in Lebensmitteln


Gesundheitsfördernde Eigenschaften von Peptiden für die industrielle Produktion verfügbar machen: daran forscht Professor Hans-Jürgen Danneel vom Institut für Lebensmitteltechnologie.NRW (ILT.NRW) an der Hochschule OWL seit September. Es ist das zweite Projekt an der Hochschule, das im Rahmen des Ideenwettbewerbs "Neue Produkte für die Bioökonomie" vom BMBF gefördert wird. Insgesamt wurden 202 Anträge eingereicht, wovon 31 Projekte die Förderungszulage erhielten.

Peptide sind organische Verbindungen, die einen ähnlichen chemischen Aufbau wie Proteine haben. "Bestimmte Peptide können den Blutdruck senken, Schmerzen und Entzündungen hemmen, das Immunsystem stimulieren, das Bindegewebe regenerieren oder überstrapazierte Haare reparieren. Außerdem dienen sie als Hilfsstoffe in der Lebensmittelproduktion, beispielsweise als Aromen", erklärt Professor Danneel. Funktionelle Peptide werden aus Proteinen gewonnen, die ein häufiges Nebenprodukt in der Nahrungsmittelproduktion sind. Doch ihre Herstellung bringt Probleme mit sich. Denn zunächst sind die funktionellen Peptide mit einem großen Teil unwirksamer Peptide vermischt. Diese unwirksamen Peptide weisen nicht die oben genannten positiven Eigenschaften auf, im Gegenteil - sie tragen oftmals unerwünschte Eigenschaften in beispielsweise Farbe oder Geruch. Eine Anwendung ist somit nicht möglich. "Die bisherigen Verfahren zur Trennung funktioneller von unwirksamen Peptiden sind mit sehr hochpreisigen Technologien verbunden", sagt Professor Danneel.

An diesem Punkt setzt das Projekt "Funktionelle Peptidfraktionen aus proteinhaltigen Rückständen der Lebensmittel- und Agrarproduktion" an. Professor Danneel, dessen Fachgebiet die Angewandte Biochemie ist, forscht an einem Lösungsansatz, der eine wirtschaftliche Herstellung funktioneller Peptide erlaubt. "Die bei der Lebensmittelproduktion in riesigen Mengen anfallenden Proteine sollen als Nahrungsmittel erschlossen, zu einer Vielzahl funktioneller Peptidmischungen isoliert und zu Lebensmitteln verändert werden", so Danneel. Als Lösungsansatz sieht er die Methode der großtechnischen Chromatographie, die vorrangig in der Zuckerindustrie angewandt und zur Isolation von Peptiden modifiziert wurde. Die Chromatographie ist ein Trennverfahren, das sich die unterschiedlichen Wechselwirkungen der funktionellen und unwirksamen Peptide beim Durchströmen einer porösen Schüttung zu Nutze macht. Es ist vergleichbar mit einem Wasserstrom, in dem verschiedene Hindernisse (Steine, Sand) im Weg sind. Einige Peptide bleiben an den Hindernissen hängen, andere schwimmen weiter. So lassen sich die

Peptidmischungen trennen. Im Rahmen des vorhergehenden Projektes "Verwertung von Nebenfraktionen der Lebensmittel- und Agrarproduktion" wurde die Verfahrensidee als PCT ("world patent") angemeldet. Das aktuelle Projekt sieht eine Pilotproduktion in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern und Branchenexperten vor, bei der erschlossen werden soll, ob eine kommerzielle Umsetzung machbar ist. Das BMBF fördert zunächst eine Sondierungsphase mit 60.000 Euro, nach erfolgreicher Zwischenbegutachtung im März 2015 kann das Projekt mit einem Vielfachen dieser Summe für die Planung einer kommerziellen Produktion bioaktiver Peptide weitergefördert werden. Das Ziel der Forschungsstrategie "Bioökonomie 2030" des BMBF ist eine nachhaltige, bio-basierte Wirtschaft.

Quelle: Hochschule Ostwestfalen-Lippe


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