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05.08.2014

Innovative Polymermembran reinigt Wasser zuverlässig und kostengünstig


Ein innovativer Filter ermöglicht es, Wasser so schnell, einfach und kostengünstig zu filtern, wie nie zuvor. Die Entwickler möchten ihn schon bald großräumig in der Entwicklungshilfe einsetzen und suchen dafür Investoren.

Weltweit haben 780 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Laut der WHO sterben jährlich 3,4 Millionen Menschen an verschmutztem Wasser. Der ETH-Student Jeremy Nussbaumer hat sich zum Ziel gesetzt, zur Lösung dieses Problems beizutragen. Zusammen mit Forschern aus der Gruppe von Wendelin Stark, Professor für Funktionelles Material-Engineering, hat der 23-Jährige ein Jahr lang an einem Membran-Filter geforscht und einen Prototypen entwickelt.

"Das Besondere an unserem Filter namens DrinkPure ist, dass er auf jede Plastikflasche aufgeschraubt werden kann, weder Pumpe noch Behälter benötigt und dadurch sehr einfach in der Handhabung ist", erklärt der Aargauer. "Man muss den Filter einfach auf eine Flasche aufschrauben, die verschmutztes Wasser enthält, und kann ihn dann direkt am Mund ansetzen und trinken." Mit unter 100 Gramm ist DrinkPure deutlich leichter als die meisten Filter, und der Fließdruck ist so hoch, dass mit dem Druck der bloßen Hand bis zu einem Liter Wasser in einer Minute gefiltert werden kann. Laut dem jungen Forscher sei die Herstellung zudem kostengünstiger und einfacher als bei den meisten herkömmlichen Filtern. Dank dieser Eigenschaften sei der Filter ideal für die Entwicklungshilfe.

Dreistufiges Filtersystem mit spezieller Membran

Drei Filterungsstufen machen DrinkPure im Vergleich zu jenen Filtern, die es momentan auf dem Markt gibt, zu einem der zuverlässigsten: Ein Vorfilter hält größere Teile, wie Sand und Pflanzenstücke auf. In der Mitte befindet sich ein Pulver aus Aktivkohle, das vor allem unerwünschte Gerüche und chemische Verunreinigungen entfernt. Der dritte und wichtigste Teil des Filters ist eine Polymermembran, welche Bakterien entfernt. Und das macht sie so zuverlässig, wie kaum ein anderer Wasserfilter im Outdoor-Bereich.

Die Polymermembran wurde von zwei ETH-Doktoranden entwickelt und vor drei Jahren patentiert. Sie basiert auf einem neuen Herstellungsprozess, der großes Potential verspricht. Mittlerweile wurde sie für verschiedenste Zwecke, wie beispielsweise eine giftfreie Outdoorjacke verwendet. Die Anwendung als Batterie-Separator wird ebenfalls untersucht.

Erste Filter nach Afrika im Januar

Vor einem Jahr erfuhr Nussbaumer von dem geplanten Projekt, diese Membran für einen Wasserfilter weiterzuentwickeln. Der Maschinenbau-Student war von der Idee so begeistert, dass er beschloss, nach seinem Bachelor-Abschluss ein Jahr lang mit dem Beginn des Masterstudiums zu warten, um das Projekt in dieser Zeit in Angriff zu nehmen. "Ich freute mich darauf, endlich etwas Handfestes und Nützliches machen zu können. Natürlich hatten wir gehofft, dass sich die Membran für einen Wasserfilter eignet, aber mit so guten Testergebnissen hätten wir nicht gerechnet", erzählt Nussbaumer stolz.

Damit das Forscherteam eine genügend große Zahl an Filtern für den Einsatz in Entwicklungsländern herstellen kann, ist es auf der Suche nach Unterstützern. Von den Einnahmen werden zunächst die Werkzeuge, die für die Herstellung der Filter benötigt werden, gekauft. "Das was übrig bleibt, wird zu 80 Prozent für die Herstellung und den Transport der Filter nach Afrika und zu 20 Prozent für die Weiterentwicklung des Filters verwendet", erklärt Nussbaumer. Im Januar 2015 sollen die ersten Filter fertiggestellt und zunächst an die Unterstützer und in einer ersten Testphase nach Afrika geschickt werden.

Perfekt für Reisen und Wanderungen

Ob DrinkPure in Zukunft auch im Handel erhältlich sein wird, ist noch ungewiss. Jedenfalls würde er sich außer für die Entwicklungshilfe auch perfekt für Reisen und Wanderungen eignen. "Schnell auf eine Flasche geschraubt, und man kann problemlos aus jedem Teich oder Fluss trinken", so Nussbaumer. "Ich selbst bin eigentlich kein großer Wanderer, aber sollte ich mal gehen, werde ich den Filter auf alle Fälle mitnehmen".

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Quelle: ETH Zürich




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