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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

12.03.2014

Neues Hunger-Hormon gefunden


In den USA hat der Biomediziner Grzegorz Sumara (34) ein neues Hormon entdeckt, das bei Hunger freigesetzt wird. In Würzburg erforscht er es nun weiter - als Leiter einer Nachwuchsgruppe, die mit gut einer Million Euro gefördert wird.

Hat sich ein Mensch ordentlich satt gegessen, wird die Energie aus der Nahrung entweder gleich genutzt oder für Notzeiten gespeichert. Gibt es dann Hungerperioden zu überbrücken, wird die gespeicherte Energie abgerufen. Das alles gelingt durch ein komplexes Zusammenspiel von Hormonen und Organen.

Das Hormon Insulin zum Beispiel sorgt bei Sättigung dafür, dass sich Zucker und Fette in der Leber oder im Fettgewebe ablagern. Die beiden Energiespeicher sind dazu in der Lage, große Mengen Nährstoffe aufzunehmen und bei Bedarf wieder freizusetzen. Wenn dieses System nicht mehr richtig auf den Ernährungszustand reagiert, können Krankheiten wie Diabetes entstehen.

Neue Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe

Ständig passt sich der Organismus an Schwankungen im Nährstoffangebot an. Was genau läuft dabei auf der Ebene der Moleküle und Gene ab? Dafür interessiert sich der Forscher Grzegorz Sumara. Der 34-Jährige ist kürzlich aus den USA mit einer kurzen Zwischenstation in Straßburg an die Universität Würzburg gekommen.

Sumara wird am Würzburger Rudolf-Virchow-Zentrum für experimentelle Biomedizin eine neue Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe aufbauen, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit rund 1,1 Millionen Euro unterstützt wird. Im Emmy-Noether-Programm fördert die DFG herausragende promovierte Wissenschaftler, die internationale Erfahrungen in der Forschung vorweisen können. Benannt ist das Programm nach der deutschen Mathematikerin Emmy Noether (1882-1935).

GDS, ein bislang unbekanntes Hormon

In seiner Zeit in den USA hat Sumara bei Mäusen entdeckt, dass ein lange bekanntes Hormon, Serotonin, völlig unerwartete Funktionen im Metabolismus hat: Es entsteht auch im Darm und wird deshalb "gut-derived serotonin" (GDS) bezeichnet. Als Antwort auf Hunger fördert das Hormon die Mobilisierung der Reserven im Fettgewebe und die Neubildung von Glukose in der Leber. Zudem hemmt es die Aufnahme von Glukose in die Leber, so dass der energiereiche Stoff im Blut bleibt und dem Organismus zur Verfügung steht.

"Interessanterweise zeigt sich ein spannender Effekt, wenn wir bei diabetischen Mäusen die Produktion des Hormons unterdrücken", so Sumara. Dann nämlich sinken der Zucker- und der Fettspiegel im Blut. Damit kann es eine Schlüsselfunktion bei Diabetes einnehmen - und ob das auch so bei Patienten ist, möchte er nun erforschen. Welche molekularen Mechanismen zu diesen Effekten führen, ist bislang nicht bekannt. Sumaras Forschungsgruppe will das ändern - und dabei auch neue Strategien für die Behandlung von Diabetes entdecken, die über GDS und seine Signalwege wirken.

Quelle: Rudolf-Virchow-Zentrum Würzburg




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