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10.03.2014

Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen auf dem Prüfstand


Perfluorierte und polyfluorierte Alkylsubstanzen, sogenannte PFAS, sind weitverbreitete Industriechemikalien. Aufgrund ihrer besonderen technischen Eigenschaften werden sie in zahlreichen industriellen Prozessen und in Verbraucherprodukten, zum Beispiel in Outdoortextilien, eingesetzt. Die breite Verwendung hat zur Folge, dass PFAS heute überall in der Umwelt zu finden sind und infolgedessen auch über die Nahrung aufgenommen werden können. "Welches gesundheitliche Risiko von diesen Substanzen ausgeht und in welchem Umfang Menschen mit diesen Substanzen in Kontakt kommen, war bisher nicht ausreichend geklärt", sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). "Wir diskutieren deshalb auf unserem Symposium die in den letzten Jahren gewonnenen Erkenntnisse, um Wege zum sicheren Umgang mit diesen Substanzen aufzuzeigen und Erkenntnislücken zu identifizieren." Klar ist, dass die Substanzen sehr langlebig sind und sich im Körper anreichern. Das belegen Untersuchungen von Blutproben bei Mensch und Tier aus Deutschland und anderen Ländern. Das BfR Symposium fand am 6. und 7. März 2014 im Bundesinstitut für Risikobewertung am Standort Berlin-Marienfelde statt.

Die lange Halbwertszeit der perfluorierten und polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) im Körper von mehreren Jahren (ungefähr vier bis fünf Jahre für Perfluoroctansäure (PFOA) und Perfluoroctansulfonsäure (PFOS)) bedarf der sorgfältigen Beobachtung in der Zukunft. Denn die Stoffe können in höheren Konzentrationen die Leber schädigen, sie haben sich im Tierversuch als krebsauslösend und schädlich für die Fortpflanzung erwiesen. Als Umweltkontaminanten und damit auch als potenzielle Kontaminanten in Futtermitteln und Lebensmitteln standen sie deshalb im Fokus der Erforschung und Bewertung möglicher gesundheitlicher Risiken. Auf dem BfR-Symposium wurden neben neuen Forschungsergebnissen des BfR zum Wirkmechanismus von PFAS in Leberzellen eine Reihe von Erkenntnissen zum Übergang von PFAS aus der Umwelt in pflanzliche Lebens- und Futtermittel sowie in Lebensmittel tierischen Ursprungs vorgestellt und diskutiert.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind Daten zur Exposition des Menschen über die verschiedenen Eintragspfade wie Lebensmittel, Lebensmittelkontaktmaterialien, Trinkwasser, Hausstaub, Innenraumluft und zahlreiche verbrauchernahe Produkte wie Bekleidungs- und Heimtextilien. Es wurden Studien vorgestellt, in denen die PFAS-Belastung verschiedener Bevölkerungsgruppen in Deutschland erhoben wurde. Dabei zeigte sich, dass die gemessenen Gehalte in Blutproben vom Kleinkind bis ins Erwachsenenalter deutlich zunehmen. Insgesamt aber wirkt sich die strengere Regulierung der Substanzen bereits positiv aus: Der Trend der internen Belastung zeigt nach unten.

Derzeit ist noch unklar, wie sich die zwar niedrige, aber doch chronische Exposition gegenüber PFAS auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirkt. Verschiedene epidemiologische Studien sehen einen Zusammenhang etwa zwischen PFAS Exposition und erhöhten Blutfettgehalten. Diskutiert wurden auch mögliche Einflüsse auf das Immunsystem oder den durch eine Schwangerschaft ausgelösten Bluthochdruck. Allerdings sind die epidemiologischen Daten nicht eindeutig, so dass hier viele Fragen offen sind.

Ziel der Veranstaltung ist, die in den letzten Jahren gewonnenen Daten für eine adäquate Bewertung des gesundheitlichen Risikos dieser Substanzen bereitzustellen, um daraus Handlungsoptionen und Empfehlungen für Maßnahmen zur Minimierung der Aufnahme von PFAS durch den Menschen abzuleiten.

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)




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