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19.12.2013

Elektronenorbitale von Molekülen sichtbar machen


Seit dem Nobelpreisträger Erwin Schrödinger träumen Physike und Chemiker davon, quantenmechanische Orbitale von Elektronen in Atomen, Molekülen und Festkörpern zu messen. In der Quantentheorie bestimmen diese Orbitale die Eigenschaften aller Materie. Den Arbeitsgruppen von Ass.-Prof. Dr. Peter Puschnig und Ao.Univ.-Prof. Dr. Michael Ramsey am Institut für Physik an der Karl-Franzens-Universität Graz ist es gelungen, Elektronenorbitale von Molekülen sichtbar zu machen. Dabei wurden sie von KollegInnen des deutschen "Forschungszentrums Jülich" unterstützt. Die Ergebnisse dieser exzellenten Grundlagenforschung aus dem universitären Forschungsschwerpunkt "Modelle und Simulation" wurden nun in der aktuellen Ausgabe des renommierten Fach-Journals "Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)" publiziert.

In der Physik werden Elektronen nicht nur als Teilchen, sondern auch als Wellen beschrieben. In der Quantentheorie wird die Wellennatur mathematisch durch die räumliche Wellenfunktion, das Orbital, erfasst. "Orbitale beinhalten Informationen über die räumliche Verteilung der Elektronen bei einer bestimmten Energie. Sind sie bekannt, lassen sich alle relevanten Eigenschaften des Systems ableiten", erklärt Puschnig. "Die Wellenfunktion selbst ist jedoch keine direkt beobachtbare Größe, die sich im Experiment bestimmen lässt." Deshalb waren die Forscher überrascht, als sie kürzlich mithilfe eines experimentellen Aufbaus und eines mathematischen Tricks die vollständige Wellenfunktion inklusive deren Phasenbeziehung für eine Reihe von organischen Molekülen bestimmen konnten.

Vermessung von Orbitalen

Für ihre Untersuchungen verwendeten sie einen einfachen und unkonventionellen Zugang: In ihrem Versuchsaufbau bedienten sie sich des Photoeffekts und schossen mithilfe von ultraviolettem Licht die Elektronen förmlich aus den Molekülen heraus. Die anschließende Vermessung der Energie- und Winkelverteilung der Elektronen gab Aufschluss über deren Bindungsenergie und räumliche Verteilung im Molekül. Bei dieser Messmethode geht allerdings eine wichtige Information, die Phasenbeziehung, verloren.

Bei der Rekonstruktion dieser fehlenden Information kommt den Physikern etwas zugute, das mit den mathematischen Eigenschaften der "Fourier-Transformation" zu tun hat: "Wenn man die räumliche Ausdehnung der Wellenfunktion kennt, die durch die Größe des Moleküls vorgegeben ist, so kann die fehlende Phase durch ein mathematisches Verfahren schrittweise rekonstruiert werden", klärt der Doktorand Daniel Lüftner auf. Dass dieses Verfahren funktioniert, konnte am Beispiel von fünf Molekülorbitalen gezeigt werden. Diese rekonstruierten Orbitale werfen nicht nur ein neues Licht auf das theoretische Konzept von Orbitalen, sondern liefern wichtige Einblicke in das Verhalten von Elektronen an Grenzflächen zwischen Metallen und organischen Halbleitern. Die Arbeit ist Teil des vom FWF - Der Wissenschaftsfonds geförderten Projekts "Understanding photoemission of organic molecular films".

—> Originalpublikation

Quelle: Universität Graz




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