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12.09.2013

Preis für Bodenuntersuchungen mit Synchrotronstrahlung


Er hat die beste bodenkundliche Doktorarbeit im deutschsprachigen Raum geschrieben: Dr. Jens Kruse von der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät (AUF) der Universität Rostock wurde dafür am 10.09.2013 mit dem Fritz-Scheffer-Preis der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft ausgezeichnet. "Der Boden birgt noch viele Geheimnisse in sich", sagt der 33-Jährige gebürtige Stendaler. Insbesondere den Stickstoffverbindungen auf die Schliche zu kommen ist sein wissenschaftlicher Antrieb. "Stickstoffverbindungen haben große Bedeutung für die Ernährung der Pflanzen", sagt Kruse, der an der Uni Rostock Landeskultur und Umweltschutz studiert hat und nun als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der AUF forscht. Der Fritz-Scheffer-Preis ist die höchste deutsche Auszeichnung im Fach Bodenkunde.

Jens Kruse hat Untersuchungsmethoden weiter entwickelt, um die noch unbekannten Verbindungen von Stickstoff und Phosphor in den Böden zu entschlüsseln. Der junge Wissenschaftler forschte deshalb vor allem an Synchrotron-Zentren in den USA und Kanada. Mit Hilfe von Teilchenbeschleunigern, wie sie bisher in der physikalischen und chemischen Grundlagenforschung eingesetzt werden, eröffnen sich nun auch, dank Kruse, in der Bodenkunde neue Forschungsmöglichkeiten.

"Dr. Kruse ist einen Schritt in bislang unbekanntes Terrain gegangen", sagt sein Doktorvater, Professor Peter Leinweber. Kruse hat an Teilchenbeschleunigern ganz neue Erkenntnisse über die chemische Zusammensetzung von Stickstoff- und Phosphor-Verbindungen in Böden gewonnen. "Sein Verdienst ist es, neue Methoden zur Untersuchung an ungestörten Bodenproben entwickelt zu haben", würdigt Prof. Leinweber die Ergebnisse. Eine Neuheit, denn so kann erstmals die konkrete Zusammensetzung einer Bodenprobe erforscht werden. "Damit wird es möglich, die vielfältigen menschlichen Einflüsse auf Böden und natürliche Umwelteinflüsse zu erkennen", betont Leinweber.

"Die Dissertation von Jens Kruse ist eine Spitzenleistung", würdigt Prof. Leinweber. "Jens Kruses eigenständige Untersuchungen basieren auf einer außerordentlich kritischen Analyse des Wissensstandes, sorgfältigster Planung und kreativer Methodenauswahl", unterstreicht Leinweber. Sein Fazit: "Der Erkenntnisfortschritt hängt in besonderer Weise vom Methodenfortschritt ab". Für das Fach Bodenkunde an der Universität Rostock ist die Preisverleihung auch eine Bestätigung der erfolgreichen Arbeit.

Leinweber sieht ein aktuelles Anwendungsgebiet, das erst durch die Erkenntnisse von Jens Kruse möglich wird. Es handelt sich um den Einfluss von Gärrückständen aus Biogasanlagen auf den Stickstoff- und Phosphorhaushalt der Böden, die jetzt in Synchrotron-Anlagen in den USA und Kanada erforscht werden sollen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützt diese Forschung.

Böden sind als Naturkörper zentraler Bestandteil von Ökosystemen und inzwischen eine der wichtigsten strategischen Ressourcen vor dem Hintergrund der steten Zunahme der Weltbevölkerung und der Verknappung von Nahrungsmitteln. Böden steuern wesentlich den Stoff-, Wasser- und Gashaushaushalt, bilden den Lebensraum für Organismen, spiegeln vergangene natürliche und anthropogene Einflüsse wider, sichern als Pflanzenproduktionsstandort weltweit die Erzeugung von Nahrung und nachwachsenden Rohstoffen und beeinflussen damit als eine zentrale Georessource die Grundlagen des Lebens und Wirkens der Menschen.

Die Deutsche Bodenkundliche Gesellschaft (DBG) verleiht seit 1987 den Fritz-Scheffer-Preis an Nachwuchswissenschaftler aufgrund der Veröffentlichung hervorragender wissenschaftlicher Leistungen. Die Entscheidung der Preisvergabe muss der Erweiterte Vorstand der DBG einstimmig in geheimer Abstimmung treffen. Der mit 2.500 Euro dotierte Fritz-Scheffer-Preis wird deshalb nicht in jedem Jahr vergeben. Prof. Dr. Dr. h.c. Fritz Scheffer war 1945 bis 1967 Direktor des Instituts für Agrikulturchemie und Bodenkunde der Universität Göttingen und 18 Jahre lang Präsident der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft. Aus seinem Institut sind viele renommierte Wissenschaftler hervorgegangen.

Quelle: Universität Rostock




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