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16.08.2013

Künstliche Insektenaugen entwickelt


Wissenschaftler in der Schweiz, in Deutschland und in Frankreich haben erforscht, wie die Augen von Insekten funktionieren, und die ersten voll einsatzfähigen konvexen Facettenaugen entwickelt. Das Projekt mit dem Titel "CURVACE" wurde von der EU mit rund 2 Mio. EUR unterstützt, damit Miniatur-Insektenaugen entwickelt werden, die in der mobilen Robotik, bei der "intelligenten" Bekleidung und bei der Anwendung in der Medizin über ein großes industrielles Potenzial verfügen.

In Zukunft könnte das künstliche Facettenauge in Bereichen eingesetzt werden, in denen die weiträumige Bewegungserkennung von entscheidender Bedeutung ist. So könnte an der Karosserie von Kraftfahrzeugen ein flexibles künstliches Facettenauge angebracht werden, um Hindernisse besser zu erkennen (etwa beim Einparken, bei der automatischen Fahrzeuglenkung oder bei zu geringen Abständen von Fußgängern oder anderen Fahrzeugen), oder die Augen könnten in Drohnen eingebaut werden, damit sie sichtgestützt und kollisionsfrei (z. B. bei der Landung oder bei der Vermeidung von Hindernissen etwa bei Rettungseinsätzen) gelenkt werden können. Wegen ihrer geringen Dicke und ihrer Flexibilität können die künstlichen Facettenaugen auch in Gewebe für intelligente Bekleidung eingearbeitet werden, so z. B. in intelligente Kopfbedeckungen für Menschen mit Sehbehinderungen, die hiermit vor Zusammenstößen geschützt werden. Außerdem könnten flexible Facettenaugen (etwa für ältere Menschen oder zur Verhinderung von Unfällen bei Kindern) in intelligenten Wohnungen als Bewegungsdetektoren an Wänden und Möbeln angebracht werden.

Hierzu erklärte Neelie Kroes, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission: "Bei verschiedenen Problemen hält die Natur für uns bereits viele äußerst ausgeklügelte Lösungen bereit. Die von der EU finanzierten Forschungsprogramme geben uns die Möglichkeit, Anregungen zu finden, einige der großartigen Geschenke von Mutter Natur zu verstehen, nachzubilden und in industriellem Maßstab nachzubauen und hierdurch das Leben unserer Mitbürger zu verbessern."

Das Facettenauge verfügt über Merkmale und eine Funktionsweise, die dem Auge der Fruchtfliege (Drosophila) und anderer Gliederfüßer ähneln. Das kleine (Durchmesser: 12,8 mm, Gewicht: 1,75 g), zylindrische Auge besteht aus 630 sogenannten Ommatiden (Einzelaugen), die in 42 Reihen mit jeweils 15 Sensoren angeordnet sind. Jedes dieser Einzelaugen besteht aus einer Linse (172 μ), die mit einem elektronischen Pixel (30 μ) verbunden ist. Es handelt sich um optisch sehr anspruchsvolle Sensoren mit einem verzerrungsfreien Panoramasichtfeld von 180° x 60° und einer großen Bildtiefe, die sich an eine Vielzahl von Lichtbedingungen anpassen können.

Das CURVACE-Projekt wurde aus dem offenen FET (Future and Emerging Technologies)- Programm der Europäischen Kommission finanziert. Dieses Programm ist Teil der Maßnahme "Wissenschaftsexzellenz" des Programms "Horizont 2020", des EU-Rahmenprogramms für Forschung und Innovation, und dient der Förderung neuer Ideen - hochriskanter, visionärer wissenschaftlich-technologischer Forschungsprojekte in einem sehr frühen Stadium.

—> CURVACE-Projekt

—> Originalpublikation

Quelle: Europäische Kommission




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