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16.08.2013

Forschungsausgaben der Chemieindustrie auf Rekordniveau


Mit Forschungsausgaben von 9,6 Milliarden Euro im Jahr 2012 und einer geplanten Ausweitung auf 10 Milliarden Euro im laufenden Jahr bleibt die Chemie im Branchenvergleich und international gut positioniert. Angesichts des globalen Konkurrenzdrucks muss die Politik aus Sicht des VCI entschlossener als bisher geeignete Rahmenbedingungen schaffen, damit das so bleibt.

Der Forschungsetat der chemisch-pharmazeutischen Industrie hat 2012 einen neuen Höchststand erreicht: Die Branche hat ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) auf 9,6 Milliarden Euro angehoben. Das ist ein Plus von über
6 Prozent gegenüber dem Vorjahr, berichtete der Verband der Chemischen Industrie (VCI) in Frankfurt und bezieht sich dabei auf aktuelle Zahlen des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Der VCI kündigte außerdem an, dass die chemisch-pharmazeutische Industrie ihre Forschungsbudgets im laufenden Jahr auf etwa 10 Milliarden Euro ausweiten wolle.

"Im Branchenvergleich ist die Chemie- und Pharmaindustrie unverändert gut positioniert", bewertete Dr. Andreas Kreimeyer, Vorsitzender des Ausschusses Forschung, Wissenschaft und Bildung im VCI, die Forschungsanstrengungen des drittgrößten Industriezweiges in Deutschland. Nach dem Fahrzeugbau und nur knapp nach der Elektroindustrie gehört die chemisch-pharmazeutische Industrie weiterhin zum Spitzentrio: Über 17 Prozent der FuE-Ausgaben der deutschen Industrie werden von Chemie- und Pharmaunternehmen erbracht.

Positiv hat sich ebenfalls die Zahl der FuE-Beschäftigten entwickelt: Mit Ausnahme des Krisenjahres 2009 ist ihre Zahl seit 2005 kontinuierlich auf jetzt 43.000 gewachsen. 10 Prozent der Chemie-Beschäftigten arbeiten in den Forschungslaboren der Branche. "Die große Bedeutung der Forschung für unsere Unternehmen spiegelt sich damit auch in der Personalstruktur wider", betonte der Vorsitzende des VCI-Forschungsausschusses. Die Branche stellt jährlich etwa 600 Hochschulabsolventen aus Chemiestudiengängen ein; davon rund 500 promovierte Chemiker und Biochemiker sowie etwa 100 Ingenieure von Fachhochschulen.

Im internationalen Vergleich zählt der Chemie-Forschungsstandort Deutschland ebenfalls zu den Topländern: Vergleicht man die FuE-Ausgaben, folgt die Bundesrepublik nach den USA, Japan und China auf Platz 4: Fast 7 Prozent der weltweiten Forschungsausgaben in der Chemie und Pharma kommen aus Deutschland.

Die hohen Investitionen in FuE machten sich laut Kreimeyer bezahlt: Die chemische Industrie ist Technologieimpulsgeber Nummer 1. Das zeigt sich in neuen Produkten und Technologien und damit auch an Patenten. Mit ihren Innovationen erzielt die Chemie sogar mehr Einnahmen als jede andere Branche mit ihren Einnahmen aus Innovationen. Denn neuartige Materialien und Vorprodukte sowie das nötige Know-how der Chemie werden von zahlreichen anderen Wirtschaftszweigen im In- und Ausland benötigt. Der Außenhandelssaldo mit forschungsintensiven Chemiewaren ist mit 10 Milliarden Euro deutlich positiv. Jedes sechste Chemiepatent (16,1 Prozent) stammt aus Deutschland.

Forschungspolitik: mehr Tempo notwendig

Die positiven Kennzahlen dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass der globale Konkurrenzdruck weiter gestiegen ist. Angesichts dieser Herausforderungen sei die bisherige Forschungspolitik aus Sicht Kreimeyers zu zögerlich. Er mahnte deshalb mehr Tempo nach der Bundestagswahl an, damit der Produktions- und Forschungsstandort Deutschland auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleibe: "Um die Innovationspotenziale der Chemie voll nutzen zu können, brauchen wir ein innovationsförderndes Umfeld und Akzeptanz neuer Technologien. Wir müssen uns jetzt um die geeigneten Rahmenbedingungen kümmern, um Forschung und Entwicklung noch mehr auszuweiten und ihre Hebelwirkung optimal zu entfalten", forderte Kreimeyer. Er drängte auf die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung, die in Deutschland schon lange überfällig sei. "In den meisten OECDOrganisation for Economic Cooperation and Development Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung-Staaten werden FuE in der Wirtschaft durch steuerliche Anreize intensiv gefördert - zum Nutzen der jeweiligen Volkswirtschaften", hob er hervor.

Nanotechnologie leiste als Schlüsselindustrie bedeutende Beiträge zu Klimaschutz, Energiewende und Ressourcenschutz, sagte Kreimeyer weiter und forderte eine Regulierung der Nanotechnologie mit Augenmaß, die nicht über das Ziel hinausschießen sollte.

Zum Gelingen der Energiewende müsse noch mehr geforscht werden, deshalb sollte laut Kreimeyer die Energieforschung künftig vollständig aus dem Bundeshaushalt gefördert werden. Er betonte: "Eine Förderung der FuE-Programme durch den Energie- und Klimaschutzfonds ist eine Förderung nach Kassenlage, die man sich bei diesem wichtigen Thema nicht leisten könne."

Darüber hinaus mahnte der Vorsitzende des VCI-Forschungsausschusses ein international wettbewerbsfähiges Hochschulsystem an. Dies sei für Deutschlands HighChem-Industriestandort im globalen Technologiewettbewerb von zentraler Bedeutung. So müsse die Finanzierung der Hochschulen als Eckpfeiler des gesamten Wissenschafts- und Forschungssystems langfristig verlässlich gesichert werden. Kreimeyer: "Das mit der Föderalismusreform beschlossene Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern in der Bildung ist ein Bremsklotz für die Beteiligung des Bundes an der Finanzierung der Hochschulen." Umso wichtiger sei es, dass die nächste Bundesregierung dieses Kooperationsverbot so rasch wie möglich aufhebt.

Quelle: Verband der Chemischen Industrie (VCI)




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