Unsere Seite auf

Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

14.08.2013

Wie entstehen Fettaugen auf Hühnersuppe?


Betrachtet man einen Teller Hühnersuppe, fallen einem sofort die kleinen, glänzenden Fettaugen auf, die oben auf der Suppe schwimmen. Obwohl uns dieses alltägliche Phänomen so vertraut erscheint, weiß man bislang nur wenig darüber, wie diese Fettaugen entstehen. In einer Studie haben Physiker der Saar-Uni um Prof. Ralf Seemann und Mathematiker um Prof. Barbara Wagner von der Technischen Universität Berlin und dem Weierstraß-Institut untersucht, wie solche flüssigen Tropfen zustande kommen. Die Ergebnisse der nun veröffentlichten Studie zeigen, dass die Bildung der Tropfen von den Eigenschaften der Flüssigkeit und der Dicke der Flüssigkeitsschicht abhängt, auf der sie schwimmen.

Wir alle kennen die kleinen Fetttropfen, die auf einer Suppe oder auch auf Wasseroberflächen schwimmen. "Sie entstehen aus einem anfänglich gleichmäßigen Ölfilm", erklärt Physik-Professor Ralf Seemann von der Universität des Saarlandes. Wie bei allen natürlichen Systemen streben auch die Öltropfen an, einen Zustand des Gleichgewichts zu erreichen. "Hat sich dies eingestellt, haben die Fettaugen eine linsenähnliche Form, die durch die Oberflächenspannungen der beteiligten Grenzflächen bestimmt ist", berichtet er weiter.

Das Team von Ralf Seemann ist zusammen mit Berliner Mathematikern um Professorin Barbara Wagner der Frage nachgegangen, wie Tröpfchen, die auf einer nicht-mischbaren Flüssigkeit schwimmen, entstehen. Die Wissenschaftler haben hierzu zunächst beobachtet, wie sich die Form eines Tropfens im Laufe der Zeit verändert. "Um dies präzise zu messen, haben wir unsere Versuche mit nicht-mischbaren Polymerschmelzen durchgeführt", erläutert der Professor. Diese Schmelzen besitzen temperaturabhänige Viskositäten, die für die Untersuchungen besser geeignet sind als zum Beispiel Wasser; so können sie auch eingefroren werden, ohne dass sie ihre Form verändern. "Damit die Gravitation die Ergebnisse nicht beeinflusst, haben wir die Experimente zudem an nur einem Mikrometer großen Tropfen durchgeführt. Diese sind circa 100-mal kleiner als das menschliche Haar."

Die Forscher konnten in ihrer Studie zeigen, dass ein sich bildender Tropfen ein Strömungsprofil verursacht, das noch tief in der darunterliegenden Flüssigkeit zu spüren ist. "Daher hängen die dynamische Tropfenform und die Zeit, in der sich der Tropfen bildet, empfindlich von der Viskosität und der Dicke der darunterliegenden Flüssigkeitsschicht ab", kommentiert der Saarbrücker Physiker die Ergebnisse. "Die Tropfen entwickeln schon zu einem vergleichsweise frühen Zeitpunkt eine Form, die nicht mehr von ihrem Anfangszustand, sondern nur noch von ihrem Volumen abhängt. Dies zeigen unsere numerischen Simulationen der dazu entwickelten mathematischen Modelle", berichtet Professorin Barbara Wagner von der Technischen Universität Berlin und dem Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik. Im weiteren Verlauf sind die unterschiedlichen Tropfen in ihrer Form nicht mehr zu unterscheiden. Ist zusätzlich noch die untere Flüssigkeitsschicht sehr dünn, so können die Tropfen ihre Übergangsformen sogar beibehalten, ohne je ihre Gleichgewichtsform zu erreichen.

—> Originalpublikation

Quelle: idw/Universität des Saarlandes




—> alle Nachrichten dieser Firma

Abonnieren:

Empfehlen: