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17.06.2013

Preis für neues Verfahren zur frühzeitigen Wirkstoffvalidierung


Die Entwicklung neuer Wirkstoffe in der Pharmaindustrie ist extrem aufwändig und langwierig. Dr. Tobias May vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig hat die Grundlagen für ein in-vitro Testverfahren entwickelt, das die Kosten für die Entwicklung neuer Medikamente deutlich reduzieren kann. Dafür wurde er von der AiF Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen im Rahmen einer Leistungsshow am 12. Juni in Berlin mit dem Otto von Guericke-Preis 2013 ausgezeichnet. Er wird einmal im Jahr für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) vergeben und ist mit 5.000 Euro dotiert. Die vorwettbewerbliche IGF wird im Innovationsnetzwerk der AiF und ihrer 100 Forschungsvereinigungen organisiert und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) mit öffentlichen Mitteln gefördert.

In der Regel vergehen zehn bis zwölf Jahre vom ersten Ansatz im Labor bis zur Vermarktung eines Medikaments und nur ein geringer Teil der Wirkstoffkandidaten - durchschnittlich rund 10 Prozent - übersteht den Weg durch die klinischen Studienphasen. "Das ist ein wesentlicher Grund dafür, dass die Zahl der neuen medizinisch wirksamen Substanzen, die auf den Markt gelangen, in den letzten Jahren abgenommen hat. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stellen die Entwicklungs- und Zulassungsverfahren eine hohe Hürde dar.", erläutert Tobias May die Ausgangslage.

Die hohe Ausfallquote von 90 Prozent der neuen Wirkstoffkandidaten deutet darauf hin, dass der derzeitige Wirkstoffidentifizierungsprozess ineffizient ist. In dem ausgezeichneten IGF-Vorhaben, das vom AiF-Mitglied DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie koordiniert wurde, hat May Zellsysteme entwickelt, die einen gänzlich neuen Ansatz in der Entwicklung von Medikamenten erlauben. "Zukünftige Medikamentenkandidaten können mit den neuartigen Zellsystemen erstmals in der Petrischale unter Bedingungen getestet und optimiert werden, die gewebsähnlich sind. Dadurch können bereits zu einem deutlich frühen Zeitpunkt der Wirkstoffentwicklung als bisher - noch bevor die zeit- und kostenintensiven präklinischen und vor allem klinischen Phasen beginnen - deutlich genauere Vorhersagen zur Wirksamkeit der Wirkstoffe getroffen werden.", erklärt May. Durch diese präzisere und realitätsnähere Testmethodik und die damit einhergehende Reduzierung von erfolglosen klinischen Tests werden die Kosten für die Entwicklung neuer Medikamente deutlich gesenkt. Hierdurch könnten gerade forschende KMU ein Anreiz erhalten, wieder in die Entwicklung innovativer Medikamente einzusteigen oder ihre laufenden Entwicklungsprogramme zu optimieren und so die Erfolgswahrscheinlichkeit zu erhöhen.

Die in dem IGF-Projekt erzielten Ergebnisse wurden durch Tobias May bereits in die industrielle Praxis umgesetzt, indem er als Mitgesellschafter in das Start-up Unternehmen inSCREENex GmbH, Braunschweig, wechselte und dort die neuartigen Zellsysteme bis zur Marktreife weiter entwickelte. "Durch seine bahnbrechenden Entwicklungen und insbesondere die Überführung der Ergebnisse in die Praxis sind Tobias May und das von ihm bearbeitete Projekt Paradebeispiele für erfolgreiche Gemeinschaftsforschung.", erklärt Professor Kurt Wagemann, Geschäftsführer der DECHEMA.

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Quelle: Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF)




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