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18.04.2013

Preis für Arbeiten an Alternativmethoden zu Tierversuchen


Für seine Arbeiten an Alternativmethoden zu Tierversuchen wurde der Konstanzer Toxikologe Prof. Dr. Marcel Leist mit dem auf 15.000 Euro dotierten Felix Wankel Tierschutz-Forschungspreis ausgezeichnet.

Marcel Leist setzt sich in seiner Forschung und seinem gesellschaftlichen Engagement seit Jahren für tierversuchsfreie Methoden zur Sicherheitstestung von Chemikalien ein. Leist leitet unter anderem das 2010 gegründete Zentrum für Alternativen zum Tierversuch in Europa (CAAT-Europe), das sich weltweit für die Beschleunigung der Entwicklung tierfreier Methoden einsetzt. Der Felix Wankel Tierschutz-Forschungspreis wird alle zwei Jahre durch die Ludwigs-Maximilians-Universität München (LMU) für hervorragende, experimentelle und innovative wissenschaftliche Arbeiten verliehen, die Tierversuche einschränken, die Gesundheit und Unterbringung von Tieren verbessern und den Tierschutz generell fördern. Der Preis wurde am 11. April 2013 in München überreicht.

"Ich finde es sehr schön, dass der Felix Wankel-Tierschutzpreis mit der Auszeichnung meiner Forschung Aufmerksamkeit auf das Thema der Ersatzmethoden für Tierversuche lenkt und damit die Wissenschaft in diesem Bereich vorantreibt. Ich sehe den Preis auch als Belohnung für die Universität Konstanz und die Doerenkamp-Zbinden-Stiftung, die vor zehn Jahren den mutigen Schritt gewagt haben, mit der Professur für In-Vitro-Toxikologie und Biomedizin an der Universität Konstanz ein damals noch sehr unkonventionelles Forschungsthema einzurichten und die Entwicklung von Ersatzmethoden für Tierversuche voranzutreiben", bedankt sich Marcel Leist für seine Auszeichnung.

Marcel Leist arbeitet schwerpunktmäßig im Bereich der Reproduktionstoxizität, also der Frage, inwiefern Chemikalien Schädigungen über eine Generation hinaus verursachen. Ein Beispiel für Reproduktionstoxizität sind Missbildungen durch das inzwischen verbotene Arzneimittel Contergan. Marcel Leist entwickelt tierversuchsfreie Testverfahren, um Chemikalien auf ihre Schädlichkeit am Nervensystem zu untersuchen. Sein Ziel ist, über kombinierte Testsysteme ganze tierfreie "Testbatterien" für chemische Substanzen aufzubauen, die über Einzeltests hinaus eine umfassendere Charakterisierung von Chemikalien erlauben, und diese tierfreien Methoden in der Wissenschaft und Anwendung durchzusetzen. "Rund 80 Prozent der heute relevanten Chemikalien sind nicht ausreichend klassifiziert. Um eine einzige Substanz zu untersuchen, braucht man über 1.000 Tiere", kritisiert Leist Untersuchungsmethoden über Tierversuche. Allein im Bereich der Reproduktionstoxizität wären durch die europaweiten Bestimmungen zur Registration, Evaluation, Authorisierung und Restriktion chemischer Substanzen (REACH) rund 21,7 Millionen Tierversuche zu erwarten. Marcel Leist hofft, mit der Etablierung von hochpräzisen, tierversuchsfreien und zugleich menschenspezifischeren Untersuchungsmethoden die Zahl der Tierversuche zu reduzieren und gleichzeitig bessere Textergebnisse zu liefern: "Damit irgendwann einmal der Tierversuch zur Ausnahme wird", prognostiziert Leist.

Quelle: idw/Universität Konstanz




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