Unsere Seite auf

Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

20.03.2013

Resistente Unkräuter: mobiler Schnelltest entwickelt


Viele Pflanzenschutzmittel sind wirkungslos, weil immer mehr Unkräuter resistent dagegen werden. Bauern drohen unnötige Kosten für Herbizide und Ernteverluste. Außerdem belasten die wirkungslosen Chemikalien Boden und Grundwasser. Ein Unkrautforscher von der Universität Hohenheim entwickelt deshalb einen mobilen Schnelltest. Er soll Landwirten zeigen, welches Pflanzenschutzmittel auf ihren Feldern noch hilft. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat seinen Ansatz mit Auszeichnung begutachtet und fördert ihn mit knapp 295.000 Euro. Das Forschungsprojekt gehört damit zu den Schwergewichten der Forschung an der Universität Hohenheim.

Es wächst auf beinahe jedem Feld und in fast jedem Garten: Das Acker-Fuchsschwanzgras (Alopecurus myosuroides) ist das am weitesten verbreitete Unkraut Europas. Beim Weizen belaufen sich die Ertragsverluste auf 15 bis 20 Prozent bei einem Befall von 100 Pflanzen pro Quadratmeter. Es sind allerdings auch schon Fälle bekannt geworden, bei denen weit über 1000 Unkräuter auf einem Quadratmeter wuchsen. Der Grund: Immer öfter überlebt das Acker-Fuchsschwanzgras den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

"Es gibt vier verschiedene Pflanzenschutzmittel, die gegen das Acker-Fuchsschwanzgras helfen", erklärt Prof. Dr. Roland Gerhards, Leiter des Fachgebiets Herbologie an der Universität Hohenheim. Gegen alle gibt es Resistenzen. Es kommt sogar vor, dass eine Pflanze gleich gegen mehrere Herbizide resistent ist." Weltweit gibt es inzwischen etwa 300 resistente Unkräuter. Bei der Suche nach wirksamen Herbiziden geht bisher viel Zeit verloren

Es gibt ein Verfahren, mit dem Landwirte in Erfahrung bringen können, welches Pflanzenschutzmittel auf ihrem Feld noch wirkt: Chlorophyll-Fluoreszenz heißt es und nur wenige Firmen und Forschungsinstitute können es durchführen. Landwirte müssen deshalb Unkrautproben einschicken und dann warten, bis sie Bescheid erhalten. "Dabei geht viel kostbare Zeit verloren und oft ist die Unkrautprobe schon verwelkt und unbrauchbar, wenn sie bei dem Forschungsinstitut eingeht", bemängelt Prof. Dr. Gerhards.

In Zukunft soll es schneller und einfacher gehen. Prof. Dr. Gerhards will das Verfahren zu einem mobilen Schnelltest weiterentwickeln: "Ein Berater soll die Landwirte besuchen und das Fluoreszenz-Gerät im Auto dabei haben", erklärt der Forscher. "Der Berater nimmt dann selbst Unkrautproben und kann dem Landwirt schon nach 24 Stunden ein wirksames Pflanzenschutzmittel empfehlen."

Neue Pflanzenschutzmittel nicht in Sicht

Neue Wirkstoffe seien vorerst nicht in Sicht und es werde die Zeit kommen, in der auch die letzten noch wirksamen Pflanzenschutzmittel nicht mehr helfen, warnt Prof. Dr. Gerhards. Manchmal dauere es nur fünf oder sechs Jahre, bis ein Unkraut resistent werde.

"90 Prozent aller Landwirte setzen auf Pflanzenschutzmittel, weil andere Strategien wie hacken oder ausreißen unwirtschaftlich sind" sagt Prof. Dr. Gerhards. "Es bleibt uns also gar nichts anderes übrig als die verbliebenen Mittel so vernünftig wie möglich umzugehen."

Hintergrund: Forschungsprojekt

Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat diesen Ansatz mit Auszeichnung begutachtet. Die Bewilligung der Fördergelder für das Forschungsprojekt erhielt Prof. Dr. Gerhards am 5. März 2013 aus den Händen von Staatssekretär Dr. Robert Kloos.

Der vollständige Titel des Forschungsprojekts von Prof. Dr. Gerhards lautet: "Resistenzmanagement für Unkräuter - Diagnoseverfahren zur Detektion der Herbizidresistenz an Unkräutern im Feld, geoinformationsgestützte Dokumentation, Ursachenanalyse und Managementempfehlungen". Es ist am 1. März 2013 angelaufen und dauert drei Jahre. Projektpartner sind die Firmen IDENTXX GmbH in Stuttgart, Heinz Walz GmbH in Effeltrich und Du Pont de Nemours Deutschland GmbH in Neu Isenburg sowie die Arbeitsgruppe Hohenheimer Gemeinschaftsversuche. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz fördert das Forschungsprojekt mit knapp 295.000 Euro.

Quelle: idw/Universität Hohenheim




—> alle Nachrichten dieser Firma

Abonnieren:

Empfehlen: