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25.02.2013

Studie zu Leiharbeit und Fremdfirmeneinsatz von Ingenieuren, IT-Experten und Technikern


Auch hochqualifizierte Beschäftigte wie Ingenieure, IT-Experten und Techniker arbeiten in Leiharbeit oder werden von ihren Arbeitgebern in anderen Firmen eingesetzt (sogenannter Fremdfirmeneinsatz, etwa von externen Entwicklern). Sie bekommen dafür in der Regel ein geringeres Gehalt als die Stammbeschäftigten und müssen teilweise länger arbeiten. Trotzdem fällt ihre Arbeitszufriedenheit nicht schlechter aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Sie beruht auf einer Online-Befragung* von rund 1.400 Ingenieuren, IT-Experten und Technikern, die in solchen Arbeitsverhältnissen arbeiten. "Unsere Untersuchung zeigt deutliche Benachteiligungen dieser Beschäftigten und damit auch konkrete Ansatzpunkte zur Verbesserung der Arbeits- und Einkommensbedingungen", sagt WSI-Tarifexperte Dr. Reinhard Bispinck.

Einkommen

Es gibt ein klares Einkommensgefälle: Die Leiharbeitsbeschäftigten verdienen deutlich weniger als die Beschäftigten im Einsatz bei Fremdfirmen und als die Stammbeschäftigten mit Arbeitsort in der Firma des Arbeitgebers (siehe Grafik). Bei den Ingenieuren beträgt der Abstand zu den Stammkräften 18,4 Prozent, bei den Technikern 18,5 Prozent und bei den EDV/IT-Berufen sogar 22,1 Prozent. Außerdem erhalten Leiharbeitsbeschäftigte und Arbeitnehmer im Fremdfirmeneinsatz meistens seltener Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Gewinnbeteiligungen.

Arbeitszeit

Die tatsächliche Arbeitszeit fällt im Vergleich zur vertraglichen Arbeitszeit bei allen Beschäftigten deutlich länger aus. Besonders groß ist die Abweichung bei Beschäftigten im Fremdfirmeneinsatz. 17 Prozent von ihnen geben an, eine vertragliche Wochenarbeitszeit von mehr als 40 Stunden zu haben. Tatsächlich arbeiten hingegen nach eigener Angabe fast zwei Drittel länger als 40 Wochenstunden.

Arbeitszufriedenheit

Bei der Frage nach der Zufriedenheit mit der Arbeit insgesamt weisen die Beschäftigten im Fremdfirmeneinsatz und die Beschäftigten in der Firma des Arbeitgebers auf einer Skala von 1 (überhaupt nicht zufrieden) bis 5 (in jeder Hinsicht zufrieden) mit jeweils 3,6 relativ hohe Werte auf. Offenbar sind die inhaltlichen Arbeitsanforderungen für beide Gruppen gleichermaßen anspruchsvoll und interessant. Der Wert der Leiharbeitsbeschäftigten entspricht mit 3,4 hingegen dem Durchschnittswert für alle Beschäftigten im Lohnspiegel-Datensatz.

Zufriedenheit mit der Bezahlung

Die Zufriedenheit mit der Bezahlung fällt bei den Leiharbeitsbeschäftigten am geringsten aus: 44 Prozent sind weniger oder überhaupt nicht zufrieden, nur 5 Prozent sind in jeder Hinsicht mit ihrem Gehalt zufrieden. Bei den anderen beiden Beschäftigtengruppen liegen diese Werte bei 34 bzw. bei rund 8 Prozent.

Tarifbindung

Wichtig ist auch, ob für die Beschäftigten ein Tarifvertrag gilt oder nicht. Die Tarifbindung wirkt sich bei Stammbeschäftigten mit Arbeitsplatz beim Arbeitgeber und bei entsandten Beschäftigten mit Einsatz in Fremdfirmen positiv auf die Höhe des Einkommens aus. Ihr Monatsgehalt fällt zwischen 150 und 900 Euro höher aus als bei Beschäftigen mit solchen Arbeitsverhältnissen ohne Tarifbindung. Die hoch qualifizierten Leiharbeitsbeschäftigten verdienen hingegen nicht mehr, wenn in ihrem Verleihunternehmen nach Tarif bezahlt wird - es bleibt beim Rückstand von rund einem Fünftel gegenüber den Stammbeschäftigten. Dies hängt möglicherweise damit zusammen, dass die Leiharbeitstarife deutlich niedriger sind als die einschlägigen Branchentarife der Entleihbetriebe. Daher, so vermuten die WSI-Forscher, können Verleihunternehmen Beschäftigte dieser Qualifikation und Berufsgruppen ohnehin nur gewinnen, wenn sie mehr als den Leiharbeitstarif bezahlen.

—> Vollst√§ndige Studie

Quelle: LohnSpiegel.de




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