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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

29.11.2012

Netzsch-GEFTA-Preis für weltweit einmalige Analysemethode metastabiler Verbindungen


Peer Schmidt, Chemieprofessor an der Hochschule Lausitz in Senftenberg, erhielt kürzlich anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thermische Analyse (GEFTA) in Saarbrücken den Netzsch-GEFTA-Preis. Der seit 1978 in der Regel alle zwei Jahre an nationale wie auch international renommierte Wissenschaftler vergebene Preis würdigt herausragende wissenschaftliche Leistungen bei der Entwicklung und Anwendung von Methoden zur Untersuchung thermischer, also temperaturabhängiger Materialeigenschaften.
In diesem Jahr wurden die äußerst vielseitigen Forschungsleistungen des 43-Jährigen geehrt, der sich neben der experimentellen Bestimmung von temperaturabhängigen Eigenschaften von anorganischen Materialien auch mit der Berechnung der Stoffeigenschaften und der Modellierungen von Synthesewegen zur Kristallzüchtung beschäftigt. Die jüngsten Ergebnisse konnte der gebürtige Rostocker in einem Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft erzielen, für das er sich vor drei Jahren erfolgreich als Projektleiter beworben hatte.

Dieses wissenschaftliche Förderprogramm widmet sich der Frage, ob es Chemikern gelingen kann, prinzipiell gar nicht existenzfähige Stoffe - sogenannte metastabile Verbindungen - gezielt herzustellen. Die Ergebnisse solcher Untersuchungen liefern nicht nur Grundlagenwissen, sondern helfen vor allem bei der Entwicklung neuer innovativer Materialien, denn gerade metastabile chemische Verbindungen zeigen oft unerwartete physikalische Eigenschaften. "Ein prominentes Beispiel für einen metastabilen Stoff ist der extrem harte Diamant, der sich spontan in die stabile Modifikation des Kohlenstoffs, den viel weicheren Graphit verwandeln sollte. Unter normalen Bedingungen bleibt der Diamant dennoch praktisch unendlich lange erhalten", so Peer Schmidt.

Weltneuheit

Dem Forscher-Team von Peer Schmidt gelang es dabei, an der Hochschule Lausitz eine weltweit einmalige Analysenmethode zu entwickeln, durch die stabile und metastabile Stoffe anhand ihrer Verdampfungseigenschaften voneinander unterschieden werden können. Erst kürzlich gelangen dadurch die Synthese und der Nachweis einer neuen Modifikation des Elements Arsen. Die Experimente zur Kristallbildung wurden in der Projekt-Gruppe, an der auch Wissenschaftler aus München und Regensburg beteiligt sind, mit Modellrechnungen zur energetischen Stabilität verschiedener Kristallmodifikationen der untersuchten Stoffe kombiniert. Welche Modifikation bei den Versuchen entsteht, hängt aber nicht nur von der relativen Stabilität ab, sondern auch, mit welcher Geschwindigkeit sich die Stoffe bilden oder ineinander umwandeln. "Das ist etwa wie auf einer Murmelbahn: Man schaut gespannt hin, ob die Kugel auch tatsächlich unten ankommt oder ob sie zwischendurch hängenbleibt. Diesen Zustand analysieren wir dann genauer.", so der Lausitzer Wissenschaftler. Durch die aktuellen Forschungsarbeiten konnten beispielsweise die Umwege bei der Synthese des schwarzen Arsens über mehrere verschiedene Zwischenstufen erkannt werden.

Dass die Ergebnisse aus der Lausitz in der Wissenschaftslandschaft auf diese Weise wahrgenommen und gewürdigt werden, freut Peer Schmidt, der auch schon als Autor eines Fachbuches zur Kristallzüchtung von sich reden machte, besonders: "Letztlich ist es ein Beispiel, dass stellvertretend für die äußerst aktiven Forschungsleistungen im Bereich der Naturwissenschaften an der Hochschule Lausitz steht. Die Wissenschaftler in Senftenberg engagieren sich außerordentlich und haben in den letzten Jahren vor allem von Forschungsorganisationen wie der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder den verschiedenen Bundesministerien Mittel für die Durchführung solcher Forschungsprojekte eingeworben und so eine moderne Forschungsinfrastruktur in der Lausitz etabliert."

Quelle: idw/Hochschule Lausitz




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