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31.01.2012

Hermann-Staudinger-Preis für Axel H. E. Müller


Am 23. Februar 2012 verleiht die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) im Rahmen des Makromolekularen Kolloquiums an der Universität Freiburg den Hermann-Staudinger-Preis an Professor Dr. Axel H. E. Müller, Lehrstuhl für Makromolekulare Chemie II an der Universität Bayreuth. Der bedeutendste deutsche Forschungspreis auf dem Gebiet der Polymerchemie besteht aus einer Goldmedaille, einer Urkunde und ist mit 7.500 Euro dotiert. Die Preisverleihung nimmt GDCh-Vizepräsident Professor Dr. Michael Dröscher vor. Die GDCh würdigt damit Müllers herausragende Forschungsarbeiten zur Weiterentwicklung der Polymersynthese und zur Herstellung komplexer nanoskaliger Polymerarchitekturen. Auch seine Arbeiten zum Phasenverhalten von Polymeren in Lösung, die deutliche Parallelen zum Forschungsgebiet Staudingers aufweisen, verdienen hohe Anerkennung.

Müller, geboren 1947 in Neuwied, studierte Chemie an der Universität Mainz. 1977 schloss er sein Studium mit einer Doktorarbeit bei Professor Dr. Günter Viktor Schulz ab, der selbst Staudinger-Schüler und 1971 der erste Hermann-Staudinger-Preisträger war. Müller habilitierte sich 1991 an der Universität Mainz. Seit 1999 ist er Professor für Makromolekulare Chemie an der Universität Bayreuth. In China, Frankreich, Kanada, Japan, Australien und Polen war er zu Gastprofessuren eingeladen.

Weltweite Anerkennung haben Müllers Arbeiten zur ionischen Polymerisation und Gruppentransferpolymerisation erfahren, insbesondere wegen der tiefgehenden mechanistischen Untersuchungen. Sie bilden das Fundament für das gegenwärtige Verständnis der Wachstumsreaktionen bei der anionischen Polymerisation von polaren Monomeren. Aber auch die modernen Methoden der kontrollierten radikalischen Polymerisation, z.B. in Kombination mit Atomtransferprozessen (ATRP), oder reversibler Kettenübertragung (RAFT), mit der sich komplizierte Molekülarchitekturen realisieren lassen, sind dank Müllers Arbeiten in ihrem Mechanismus nun besser verstanden.

Müller wendet diese Methoden an, um neuartige, komplexe Polymerstrukturen zu synthetisieren. Ihn interessiert deren Selbstorganisation zu komplexen Nanopartikeln, insbesondere zu den sogenannten Januspartikeln. Diese nach dem römischen Gott mit zwei Gesichtern benannten Partikel können kugel-, zylinder- oder scheibenförmig sein, besitzen aber immer zwei chemisch unterschiedliche Seiten.

Müllers Grundlagenforschung hat durchaus anwendungsorientierte Aspekte. Die in seinem Arbeitskreis entwickelten Januspartikel stabilisieren Emulsionen und dienen als Verträglichkeitsvermittler und damit zur Verbesserung der mechanischen Eigenschaften nicht mischbarer Polymerblends, könnten aber in Zukunft auch beim chemischen Recycling verschiedenartiger Kunststoffe Anwendung finden. Flaschenbürstenförmige Polymere aus Müllers Labor bilden das Gerüst für organisch-anorganische Hybride. Diese stäbchen- und röhrenförmigen Nanopartikel können als Katalysatoren dienen und werden auch auf ihre Tauglichkeit als lichtsammelnde Einheiten in Solarzellen untersucht. Andere, sternförmige Polymere könnten sich in der Gentherapie und Gentechnologie als Transporter für DNA-Material in Zellen erweisen, für die bisher nur Viren eingesetzt werden konnten.

Quelle: Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)




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