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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

14.09.2012

Labormediziner fordern höhere Standards für Biomaterialbanken


Biomoleküle spielen eine immer wichtigere Rolle bei der Erforschung neuer Therapien und Medikamente. Grundlage dieser Forschungen sind Blut- und Gewebeproben, die aus sogenannten Biomaterialbanken stammen, deren Zahl weltweit wächst. Sie liefern Proben und Daten in unterschiedlichster Qualität. "Biomaterialbanken tragen mit minderwertigen Proben dazu bei, Forschungsergebnisse zu verfälschen und schaden damit letztlich den Patienten. Wir fordern deshalb eine Qualitätssicherung von Biomaterialbanken", erklären Experten der Deutschen Vereinten Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL) im Vorfeld ihrer 9. Jahrestagung vom 26. bis zum 29. September 2012 im Congress Center Rosengarten in Mannheim.

"Die Fortschritte der Biomedizin beruhen ganz wesentlich auf der Entdeckung neuer Biomarker für Risiko, Diagnostik und Verlaufsprognose bei einer zunehmenden Zahl wichtiger Erkrankungen", sagt Professor Dr. med. Wolfgang Kaminski, Bereichsleiter für spezielle Hämatologie, spezielle Hämostaseologie und POCT des Instituts für Klinische Chemie am Universitätsklinikum Mannheim. Biomaterialbanken bilden die wichtigste Quelle, um molekulare und genetische Faktoren bei der Suche nach Krankheitsursachen zu identifizieren und zu bewerten. Dort werden große Mengen an Daten und Körperflüssigkeiten sowie Blut- und Gewebeproben von erkrankten Menschen und gesunden Kontrollpersonen untersucht und systematisch dokumentiert.

Einheitliche Qualitätsstandards fehlen

"Entscheidend für die wissenschaftliche Bedeutung und den materiellen Wert einer Biomaterialbank sind die funktionelle und strukturelle Unversehrtheit der Biomoleküle der dort gelagerten Proben. Doch die Qualität der Biomaterialien ist äußerst heterogen", weiß Professor Kaminski. "Qualitätsmanagement rückt in der biomedizinischen Forschung immer stärker in den Fokus wie unlängst auch die Diskussion um die gravierenden Folgen von Sequenzierfehlern bei Nutzung der hochmodernen "Next Generation Sequencing"-Technologie im Wissenschaftsmagazin Nature zeigt." Biobanken mit minderwertiger biomolekularer Probenqualität kompromittierten wissenschaftliche Analyseergebnisse, sagt der Wissenschaftler. Diese könnten anschließend zu Fehlentwicklungen führen, ganz abgesehen vom finanziellen Schaden für die Volkswirtschaft.

Ein profitabler Markt

Wie viele Biomaterialbanken es weltweit gibt, ist nicht bekannt. Aber ihre Zahl wächst jährlich um 20 bis 30 Prozent. Allein das amerikanische National Cancer Institute (NCI) zählte im vergangenen Jahr in US-Biomaterialbanken 600 Millionen Proben. In Deutschland waren 2011 insgesamt 108 Biodatenbanken registriert. Europaweit hat die EU-Initiative "Biobanking and Biomolecular Resources Research Infrastructure" (BBMRI) im vergangenen Jahr 450 Biodatenbanken erfasst. In diese wissenschaftliche EU-Biobankenlandschaft wurden bisher mehr als 340 Millionen Euro investiert. Auch für 2015 sind die Prognosen glänzend: Biomaterialbanken sollen dann ein globales Marktvolumen von rund 2,3 Milliarden US-Dollar erreichen.

Qualität heißt Sicherheit

"Biobanken sollten hohe Qualität liefern", fordert Professor Dr. med. Joachim Thiery, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, Klinische Chemie und Molekulare Diagnostik am Universitätsklinikum Leipzig. "Wird beispielsweise ein neuer Tumormarker entdeckt, sollte man ihn in einer solchen Probenbank auch bestätigen können. Nur so gewinnen wir Zeit für unsere Patienten, für die Vorbeugung von Krankheit", ergänzt Professor Thiery, der zugleich Präsident der DGKL und Tagungspräsident der 9. Jahrestagung ist.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg: Biomaterialbanken haben bis dato lediglich ihre Prozeduren zur Probengewinnung und -verarbeitung standardisiert und die Abläufe bei der Probeneinlagerung automatisiert. "Es muss gesichert sein, dass wir die biomolekulare Qualität einer Probe tatsächlich beurteilen können", fordert Professor Kaminski. Diese dringend benötigten Systeme werden zurzeit entwickelt. Sie entscheiden darüber, ob Biobanking zur wichtigsten Ressource in der Biomedizin wird.

Quelle: Deutsche Vereinte Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin (DGKL)




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