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06.07.2012

Saarbrücker Leibniz-Institut leitet Forschungsverbund zur Sicherheit von Nanopartikeln


Die Diskussion um die Sicherheit von Nanomaterialien nimmt zu: Wie verhalten sich Nanomaterialien im menschlichen Organismus? Welches Design benötigen Nanopartikel, um sicher zu sein? Wie kann man sie für neue Sicherheitsmerkmale und Sicherheitskennzeichen verwenden? Diesen Themen widmet sich der neue Leibniz-Forschungsverbund "Nanosicherheit". Er wird federführend vom INM - Leibniz-Institut für Neue Materialien in Saarbrücken geleitet.

"Die Chancen und Risiken von Nanomaterialien sind so vielfältig, dass wir sie nicht nur aus einem Blickwinkel betrachten dürfen", erklärt Eduard Arzt, Sprecher und Koordinator des Verbundes und wissenschaftlicher Geschäftsführer des INM. "Die Thematik erfordert einen Ansatz, der sehr verschiedene Aspekte miteinander verbindet: Dazu zählt nicht nur unser Fachwissen über chemische, physikalische, materialwissenschaftliche und biologische Aspekte", sagt Arzt, ebenso wichtig sei die Verknüpfung zur Toxikologie, Medizin sowie zu sozialwissenschaftlichen Fragestellungen, auch für die Sicherheit zukünftiger Generationen. Deshalb kooperiere das INM im Verbund mit Leibniz-Instituten aus der Umweltmedizin, der Arbeitsforschung, der Wissensmedien sowie der Informationsinfrastruktur.

Das Projekt geht über das Verstehen und Entwickeln sicherer Nanomaterialien hinaus: In einem interdisziplinären Ansatz wollen die Projektbeteiligten die öffentliche Diskussion bereichern und zum Verständnis von "Nano" beitragen. Auf dem Programm steht außerdem der Aufbau einer intelligenten Datenbank. Darin sollen alle einfließenden Ergebnisse und Daten in eine gemeinsame "Sprachwelt" übersetzt und mit bestehenden Datensammlungen aus der Nanowelt verknüpft werden.

Die Arbeit des Forschungsverbundes gliedert sich in vier Blöcke. Im ersten Arbeitsblock untersuchen die Forscher die Wechselwirkung von Nanomaterialien mit Zellen, Geweben und Organen. Dazu werden Nanopartikel maßgeschneidert und ihr Weg in den Organismus mit hochauflösender Mikroskopie untersucht. Die Forscher untersuchen vor allem die Auswirkungen auf Lunge, Haut, Darmtrakt, Gefäße und Nerven. Auch mögliche Alterungs- und Entzündungsprozesse durch das Einwirken von Nanopartikeln stehen auf der Agenda. In einem zweiten Schritt sollen Testsysteme für sichere Nanopartikel entwickelt werden. Mit diesen Erkenntnissen könnten dann auch im industriellen Großmaßstab bioverträgliche Nanomaterialien hergestellt werden.

Der zweite Arbeitsblock nähert sich dem Thema Nanosicherheit von einer anderen Seite: Mit Nanomaterialien lassen sich versteckte Sicherheitsmerkmale fabrizieren: Banknoten, Dokumente, technische Bauteile, Medikamente oder hochwertige Verbrauchsgüter können mit solchen Labeln vor Produktpiraterie geschützt werden. Wie Nanomaterialien beschaffen sein müssen, um solche Label herzustellen und unverwechselbar zu machen und wie sich der Umgang mit dem fälschungssicheren Produkt ändert, sind die zentralen Fragen in diesem Arbeitsblock.

Im dritten Arbeitsblock will der Verbund die öffentliche Diskussion zu Nanofragen wissenschaftlich nachvollziehen. Die Forscher wollen herausfinden, wie sich der interessierte Bürger mithilfe verschiedener Medien nicht nur Faktenwissen aneignen kann, sondern ein tieferes Verständnis für die komplizierten und kontrovers diskutierten Zusammenhänge der Nanosicherheit erwerben kann; welche Medien und Kanäle, wie zum Beispiel Internet, Ausstellungen, Filme oder dialogische Mittel gerade der Laie nutzt, um sich über das Thema Nano zu informieren. Die Entwickler im vierten Arbeitsblock wollen eine vernetzte Informationsinfrastruktur schaffen. Damit wird es zukünftig möglich sein, alle eingehenden Ergebnisse, ob natur- oder sozialwissenschaftlich, dauerhaft aufzubewahren und sie in Bezug zueinander zu stellen.

Neben dem INM beteiligen sich am Leibniz-Forschungsverbund "Nanosicherheit" das IUF - Leibniz-Institut für Umweltmedizinische Forschung, Düsseldorf, das IfADo - Leibniz-Institut für Arbeitsforschung, Dortmund, das IWM - Leibniz-Institut für Wissensmedien, Tübingen sowie das FIZ Karlsruhe Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur.

Quelle: idw/Leibniz-Institut für Neue Materialien (INM)




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