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29.02.2012

BAM begrüßt Vorschlag der EU-Kommission zur Gewässerüberwachung


Die europäische Kommission erweitert die Liste der wegen des Gewässerschutzes zu überwachenden Substanzen um 15 Stoffe. Neben Industriechemikalien, Bioziden und Pflanzenschutzmitteln sind erstmals Arzneimittel aufgelistet. Die BAM unterstützt diese Entwicklung, indem sie empfindliche, zuverlässige und kostengünstige Analysenverfahren und Referenzmaterialien für diese Stoffe bereit stellt.

Auf welche Weise der "gute Zustand" der Oberflächengewässer in Europa in den nächsten Jahren erlang wird, ist in der EU-Wasserrahmenrichtlinie (Richtlinie 2008/105/EG) festgelegt. Die Richtlinie enthält eine Liste von jetzt 48 zu überwachenden Substanzen, "prioritärer" Stoffe, die ein erhebliches Risiko für die aquatische Umwelt darstellen und deren Emission in Gewässer schrittweise bis zum Jahr 2021 eingestellt werden muss.

Mit Hexabromcyclododecan (HBCD) ist ein Vertreter der Flammschutzmittel neu auf der Liste, daneben Diethylhexylphthalat (DEHP), ein Weichmacher für Kunststoffe aller Art und Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), ein weit verbreitetes perfluoriertes Tensid, das bei Verchromungen oder für wasserabweisende Beschichtungen von Textilien, Papier- oder Pappverpackungen eingesetzt wird.

HBCD ist chemisch besonders komplex aufgebaut. Insgesamt 16 verschiedene Formen (Stereoisomere) dieses Stoffes sind denkbar, von denen aber nur sechs umweltanalytisch von Bedeutung sind. Bereits ein winziger Unterschied in der Gestalt des Moleküls HBCD kann dessen chemisches Verhalten in der Umwelt und in Organismen ändern. In Promotionsarbeiten untersuchten Doktoranden an der BAM alle 16 Stereoisomere umfassend auf ihre Eigenschaften sowie zu deren spurenanalytischen Bestimmung in Umweltproben oder Proben von Lebewesen, wie Fischen oder Vogeleiern. So ermittelte eine Forschergruppe von BAM und Umweltbundesamt eine steigende HBCD-Belastung in Möweneiern aus Nord- und Ostsee über die vergangenen Jahrzehnte.

Als pharmazeutische Wirkstoffe stehen 17α-Ethinylestradiol (EE2) und 17β-Estradiol (E2) jetzt auf der Liste. EE2 ist in den meisten Anti-Baby-Pillen enthalten und wird aufgrund seines enormen Wirkpotentials bereits seit Jahren umweltanalytisch beobachtet. E2 ist ein natürliches Hormon, das in der Hormonersatztherapie verwendet wird. Die BAM verfügt über ein antikörperbasiertes Schnellmessverfahren (ELISA), mit dem wenige Nanogramm (Milliardstel Gramm) EE2 bzw. E2 je Liter Oberflächenwasser nachgewiesen werden können. Im Vergleich zu konventionellen Verfahren erlaubt diese immunanalytische Methode Proben systematisch, mit einem hohen Durchsatz aber einem Bruchteil der Analysenkosten zu untersuchen. Da beide Hormone auch vom Menschen ausgeschieden werden, müssen sie aus dem Abwasser entfernt werden. Um in Kläranlagen EE2 und E2 analysieren zu können, entwickelte die BAM zusätzlich ein sehr zuverlässiges, massenspektrometrisches Messverfahren.

Quelle: Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)




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