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04.10.2011

Nobelpreis für Medizin 2011: Verständnis für Immunsystem revolutioniert


Die drei Forscher Ralph Steinman, Bruce Beutler und Jules Hoffmann erhalten den Nobelpreis für Medizin 2011. Sie haben mit ihren Arbeiten über das Immunsystem den Weg für zahlreiche konkrete Anwendungen wie Impfungen und Krebstherapien geebnet.

Der Nobelpreis für Medizin 2011 geht an den US- Amerikaner Bruce Beutler, den Franzosen Jules Hoffmann und den eben verstorbenen Kanadier Ralph Steinman. Die Preisträger haben das Verständnis über das Immunsystem revolutioniert, indem sie herausgefunden hätten, wie es aktiviert werde, heißt es in der Medienmitteilung des Nobelpreis-Komitees. "Die Preisvergabe an die drei Forscher ist gerechtfertigt. Sie haben wirklich Bahnbrechendes entdeckt", sagt Annette Oxenius, Professorin für Immunologie der ETH Zürich.

Beutler und Hoffmann entdeckten Mitte bis Ende der 90er Jahre Rezeptorproteine, eine Art von Empfänger, die in den Körper eindringende Mikroorganismen anhand bestimmter Oberflächenmolekülen erkennen und die angeborene Immunantwort aktivieren. Diese ist die erste unspezifische Abwehrlinie des Körpers gegen Krankheitserreger. Zu erkennen ist diese rasche Abwehr am Entzündungsprozess, der sich beispielsweise anhand von Hautrötungen oder -erwärmungen manifestiert.

Vermittler zwischen den Systemen

Steinman entdeckte 1973 die Dendritischen Zellen des Immunsystems. Diese haben die Fähigkeit, die spezifische, also erworbene Immunität zu aktivieren und zu regulieren. Die erworbene Immunität ist die zweite Abwehrlinie des Körpers im Kampf gegen Mikroorganismen und kommt erst dann zum Zug, wenn die erste durch den Keim aktiviert wurde. Über die erworbene Immunität entfernt der Körper mittels spezifischer Antikörper oder Killerzellen einen bestimmten Krankheitserreger aus dem Körper. Die erlernte, spezifische Abwehr braucht einige Tage der Auseinandersetzung mit Krankheitserregern, um effektiv alarmiert und aktiviert zu werden. Das angeborene, unspezifische Immunsystem dagegen kann Eindringlinge innert Stunden detektieren und unschädlich machen.

Die Entdeckungen der drei Nobelpreisträger haben geklärt, wie angeborene und erworbene Immunität aktiviert werden und zusammenspielen. Dadurch konnten neuartige Erkenntnisse über Infektionsabwehrmechanismen gewonnen werden. Die Arbeit der drei Forscher hat aber auch den Weg geebnet für die Entwicklung sowohl von vorbeugenden Maßnahmen wie z.B. neuen Impfansätzen im Zusammenhang mit Infektionen, Krebs und Entzündungen.

Einmaleins der Immunbiologie

"Die Erkenntnisse sind extrem spannend", sagt Annette Oxenius. Man habe lange nicht verstanden, wie das angeborene und das erworbene Immunsystem miteinander in Verbindung stehen. Mit den dendritischen Zellen als Vermittler zwischen den verschiedenen Systemen sei diese Wissenslücke gefüllt worden.

Die Arbeiten von Hoffmann, Steinman und Beutler seien wegweisend, hätten neue Perspektiven aufgezeigt und zur Bildung zweier neuer Fachgebiete innerhalb der Biologie geführt. Für die ETH-Professorin ist die Erkenntnis, die die drei im Laufe der Zeit gewonnen haben, für die eigene Arbeit grundlegend. "Ohne diese Arbeiten könnten wir heute nicht in dieser Tiefe und so gezielt und präzise forschen", sagt sie, "das, was die drei Preisträger gefunden haben, ist heute für uns so grundlegend wie das Einmaleins."

Die Ehre wäre wohl auch Charles Janeway zuteil geworden, der 2003 gestorben ist. Er postulierte als erster, dass es als Sensoren für die Auslösung der angeborenen Immunantwort bestimmte Rezeptoren geben müsste. Dieses Postulat wurde schließlich von Beutler und Hoffmann bestätigt, welche diese Sensoren entdeckten.

Zu den Preisträgern

Bruce Beutler wurde 1957 in Chicago geboren, seit kurzem arbeitet er an der Universität Texas in Dallas. Er teilt die Hälfte des Preises mit Jules A. Hoffmann, der 1941 in Luxemburg zur Welt kam, aber inzwischen die französische Staatsbürgerschaft hat. Hoffmann leitete zuletzt ein Labor in Straßburg. Der kanadische Immunologe Ralph M. Steinman wurde 1943 in Montreal geboren und starb am vergangenen Freitag, drei Tage, bevor ihm die Jury den Nobelpreis zusprach. Bei der Bekanntgabe des Preises wussten die Juroren nicht, dass der Forscher bereits gestorben war. Er erhält den Preis dennoch. Steinman erkrankte vor vier Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs und hat mit einer selbstentwickelten Immuntherapie auf Basis der von ihm entdeckten dendritischen Zellen sein Leben verlängern können.

Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist mit umgerechnet 1,3 Millionen Franken (10 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

Quelle: ETH Zürich




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