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29.06.2011

Intelligente Materialien schlucken Elektrosmog


Immer mehr Daten müssen immer schneller übertragen werden. Immer mehr und immer leistungsstärkere elektronische Geräte kommen auf den Markt. Die elektromagnetische Strahlung nimmt stetig zu. Insbesondere die Wellen höherer Frequenzen können den Betrieb von elektronischen Geräten stören. Abhilfe kommt aus dem Innovationsnetzwerk der AiF: In einem Projekt der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) entwickelten Forscher innovative Abschirmungsmaterialien für elektronische Geräte.

Während die auf dem Markt gängigen Abschirmfolien die Strahlung lediglich "im Zaun halten" und nur zurück reflektieren, haben nun Wissenschaftler neuartige Materialien entwickelt, die diese Strahlung auch "schlucken", also absorbieren können. Das hier entstandene technologische Know-how hilft bei Lösungen für den elektromagnetischen Strahlungsschutz im hochfrequenten Bereich. Und der Markt ist groß, denn hier strahlen vor allem Geräte der Kommunikations- und Unterhaltungselektronik. Darüber hinaus erleichtert es den Herstellern die vom Gesetzgeber festgelegten Grenzwerte zur elektromagnetischen Verträglichkeit einzuhalten.

Neue Rezepte für innovative Produkte

Drei Forschungsstellen waren an der Neuentwicklung beteiligt: Innovent Technologieentwicklung (Jena), Gesellschaft für Umweltverfahrenstechnik und Recycling (UVR, Freiberg) sowie das Forschungsinstitut für Leder und Kunststoffbahnen (FILK, Freiberg). Die Forscher nahmen Kompositmaterialien in mehr als 40 verschiedenen Kombinationen unter die Lupe und untersuchten deren Eigenschaften im Frequenzbereich zwischen 40 MHz und 18 GHz. Die neu entwickelten Materialien wurden nach unterschiedlichen Absorptions- und Reflexionsverhalten klassifiziert. Die anwendungstechnisch wichtigen Eigenschaften wie Gebrauchstemperatur, Brandverhalten, Alterungsverhalten und Verklebbarkeit (Montage) wurden überprüft und optimiert. Für die Hersteller von Abschirmfolien oder -beschichtungen wurden verfahrenstechnische Grundlagen ausgearbeitet.

Impulse für die Kunststoffindustrie

Die Forderung aus der Wirtschaft - insgesamt waren acht Unternehmen an dem Projekt beteiligt -, die Neuentwicklung in einem Preisbereich unter den derzeit üblichen Marktpreisen zu realisieren, konnte eingehalten werden. So entstanden aus preiswerten Ausgangsstoffen hochveredelte Abschirmmaterialien, wodurch hohe Wertschöpfungsraten erzielbar werden. Von den Forschungsergebnissen profitiert vor allem die Kunststoffindustrie, die in über 1.000 Unternehmen mit etwa 415.000 Beschäftigten jährlich rund 95 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Über 90 Prozent dieser Unternehmen sind kleiner oder mittelständischer Natur.

Unternehmen begleitet Forschungsarbeiten und profitiert

Aktuell werden zusammen mit dem mittelständischen Unternehmen aus der Kunststoffindustrie, der KUNEX Kunststoff-Extrusions- und Verarbeitungs-GmbH aus Chemnitz, die aus dem IGF-Projekt gewonnenen Erkenntnisse in den industriellen Maßstab überführt. Die zweite Etappe des Transfers geschieht im Rahmen eines Kooperationsprojekts des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (ZIM-KOOP). Beide Förderprogramme werden von der AiF koordiniert und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert. Die vorwettbewerbliche IGF ermöglicht den Unternehmen, bereits im frühen Stadium die Richtung der Forschungsarbeiten auf den eigenen Bedarf zu lenken, zum Beispiel wenn neues Wissen zunächst für die eigene Branche adaptiert wird. Im Anschluss daran kann dann der Mittelständler auf ZIM zurückgreifen, damit steht ihm finanzielle Unterstützung für die Umsetzung der Ergebnisse im eigenen Betrieb zur Verfügung.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF)




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