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24.05.2011

Studie zur Belastung mit Industriechemikalien und Methylquecksilber in Österreich erschienen


Das Umweltbundesamt hat in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Wien erstmals in Österreich eine repräsentative Untersuchung von Personen auf Industriechemikalien und die Schwermetallverbindung Methylquecksilber durchgeführt. Beauftragt wurde die Studie vom Lebensministerium. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Schadstoffbelastung feststellbar, diese aber gering ist. "Die Industriechemikalien, die wir in der Umwelt finden, finden wir auch im Menschen", erklärt Karl Kienzl, stellvertretender Geschäftsführer im Umweltbundesamt. "Es ist allerdings erfreulich, dass wir es in Österreich mit einer relativ geringen Belastung zu tun haben", so Kienzl weiter.

Die untersuchten Stoffgruppen

Im Fokus der Studie standen Stoffe, die verbreitet im Einsatz sind und toxische oder gesundheitlich bedenkliche Eigenschaften haben. Untersucht wurden Phthalate, das sind Kunststoffweichmacher, die Industriechemikalien Octyl- und Nonylphenol samt dem Kunststoffbestandteil Bisphenol A sowie Trisphosphate und polybromierte Diphenylether, beides Flammschutzmittel.

Drei der untersuchten Phthalate und ein Trisphosphat gelten nach dem europäischen Chemikalienrecht als sehr gefährliche Stoffe. Zwei Gruppen der untersuchten polybromierten Diphenylether sind als persistente organische Schadstoffe durch die internationale Stockholmkonvention reglementiert. Nonylphenol und Bisphenol A sind wegen seiner Auswirkungen auf den Hormonhaushalt chemikalienrechtlich beschränkt. Das ebenfalls untersuchte Methylquecksilber entsteht durch biologische Umwandlung des Schwermetalls Quecksilber. Es wird hauptsächlich über den Konsum von Meeresfisch aufgenommen. Für die Gesundheit ist Methylquecksilber problematischer als die ursprüngliche Substanz.

"Die Ergebnisse bestätigen, dass Industriechemikalien auch vor den Menschen nicht Halt machen. Aus der Belastung mit Schadstoffen lassen sich Rückschlüsse auf das Konsumverhalten ziehen", erklärt Karl Kienzl. "Bei Methylquecksilber ist sie zum Beispiel deutlich niedriger als in Ländern, in denen vorwiegend Meeresfisch konsumiert wird."

Ergebnisse und gesundheitliche Auswirkungen

Die Studie zeigt eine innere Belastung der Bevölkerung mit Phthalaten und polybromierten Dimethylethern. Die Belastung mit Phthalaten ist dabei deutlicher ausgeprägt und betrifft auch Kinder. Trisphosphate waren in nur drei Proben nachweisbar. Die Konzentrationen für Methylquecksilber sind niedriger als die Hintergrundwerte in vergleichbaren Ländern, etwa in Deutschland.

Hans-Peter Hutter, Projektleiter vom Institut für Umwelthygiene der Medizinischen Universität Wien: "Wir konnten auch einige Zusammenhänge zwischen der inneren Belastung und gesundheitlichen Auswirkungen feststellen, die bisher nicht bekannt waren." So wurden etwa nicht nur die Symptome, wiederholtes Husten und hormonelle Probleme, häufiger von Teilnehmern genannt, die erhöhte Phthalat-Konzentrationen im Harn aufwiesen, sondern auch Kopfschmerzen, Durchfall und Juckreiz. Auch bestimmte Verhaltensweisen standen deutlich mit höheren Phthalatwerten im Zusammenhang: Dazu zählten die häufigere Verwendung von Haarschaum, Haarfärbemittel und Make-up, aber auch mehr, Kaugummi zu kauen oder Getränke aus PET-Flaschen zu trinken. Hutter: "Diese Ergebnisse zeigen, wie vielfältig die Quellen der Chemikalienbelastung der Bevölkerung sein können, aber gleichzeitig auch, wo Maßnahmen gesetzt werden können."

Untersuchungsdesign: Familien aus fünf Regionen

Für die Studie "Schadstoffe im Menschen" wurden im Jahr 2009 Blut-, Harn- und Haarproben von 150 zufällig ausgewählten, freiwilligen Probanden aus Wien, Linz, Ried, St. Pölten und Tamsweg untersucht. Teilgenommen haben jeweils die in einem Haushalt lebende Mutter, ihr Kind sowie der Vater bzw. Partner. Das Durchschnittsalter der Mütter lag bei 38 Jahren, jenes der Partner bei 40. Die Kinder, 29 Buben und 23 Mädchen, waren 6 bis 11 Jahre alt. Zusätzlich zur Probensammlung wurden Konsumverhalten und gesundheitliche Symptome der Teilnehmer abgefragt.

Human-Biomonitoring

Die Analyse von z.B. Harn-, Blut- oder Haarproben wird als Human-Biomonitoring bezeichnet. Damit wird die innere Belastung des Menschen mit Chemikalien erfasst. Es können Belastungstrends oder besonders betroffene Bevölkerungsgruppen ermittelt werden, um gezielte Maßnahmen entwickeln oder gesetzte Maßnahmen evaluieren zu können.

—> Studie "Schadstoffe im Menschen"

Quelle: Umweltbundesamt Österreich




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