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17.05.2011

Lungenkrebs: Grundstein für zukünftigen Bluttest gelegt


Ob jemand Lungenkrebs hat, verrät sein Blut, haben Forscher der Universität Bonn gezeigt. In Zusammenarbeit mit Kollegen am Universitätsklinikum Köln entwickeln sie einen Bluttest für Raucher, der in Zukunft Menschenleben retten könnte: Denn je früher ein Lungentumor erkannt wird, desto besser sind die Überlebenschancen. Die Studie ist jetzt im Fachmagazin Clinical Cancer Research erschienen.

Die Wissenschaftler um Professor Dr. Joachim L. Schultze haben über 480 Moleküle identifiziert, deren Konzentration im Blut verändert ist, sobald jemand an Lungenkrebs erkrankt ist. Diese Moleküle liegen dann entweder in erhöhter oder in geringerer Menge in den Blutzellen vor. "Bei Lungenkrebspatienten ergeben sich also typische Muster, die mit einem Messprogramm zu erkennen sind", erläutert Prof. Schultze. Bei den Molekülen handelt es sich um Nukleinsäuren, welche im Körper entstehen, wenn bestimmte Gene abgelesen werden.

Die Veränderungen im Blut zeigen sich auch schon, wenn der Tumor noch in einem sehr frühen Stadium ist. Bei Lungenkrebs gibt es vier verschiedene Stadien, erklärt Prof. Schultze: "Die Prognose für Patienten im Stadium 3 und 4 ist auch heute noch sehr schlecht, selbst mit modernsten Therapien kann man lediglich den Zeitpunkt des Todes hinauszögern." Lungenkrebs im ersten Stadium hingegen ist operierbar und in vielen Fällen dann sogar heilbar. "Allerdings erkennt man heutzutage einen Tumor selten so früh, nämlich nur in etwa 15% aller Fälle. Würde ein einfacher Vorsorge-Bluttest diesen Anteil erhöhen, könnte ein Großteil der Lungenkrebspatienten überleben", sagt Prof. Schultze. Bisher sterben hingegen über 80% aller Lungenkrebspatienten innerhalb von zwei Jahren nach der Diagnose, da der Tumor bereits zu weit fortgeschritten ist.

Screening auf Lungenkrebs: Ergebnis innerhalb eines Tages

In Zukunft gehört möglicherweise eine Lungenkrebs-Vorsorgeuntersuchung zur Routine: Der Arzt nimmt seinem Patienten Blut ab und innerhalb von 24 Stunden weiß er, ob derjenige mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Lungenkrebs hat oder nicht - auch wenn der Patient noch gar keine Symptome hat.

Das Team um Prof. Joachim Schultze hat über viele Jahre hinweg das Blut von über 200 Rauchern untersucht. Etwa die Hälfte davon hatten Lungenkrebs, die anderen waren entweder völlig gesund oder litten an einer anderen Lungenerkrankung. "Es war uns wichtig, dass ein späterer Test nicht nur Lungenkrebspatienten von Gesunden unterscheiden kann, sondern auch von Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen." Das Blut der Probanden haben die Forscher dann mit Biochips auf bestimmte Nukleinsäuren untersucht und dabei die typischen Muster gefunden.

Momentan planen die Forscher eine analoge, aber viel größere Studie mit zehnmal so vielen Patienten, um die Ergebnisse zu bestätigen. Würden sich die jetzigen Ergebnisse in einer solchen Studie bestätigen, stünde der endgültigen Entwicklung des Bluttests bis zur Marktreife nichts mehr im Wege.

Quelle: idw/Universität Bonn




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