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06.10.2010

Hans Wolfgang Spiess erhält Zavoisky-Preis für Forschungen zur magnetischen Resonanz


Spiess ist am 1. Oktober 2010 mit dem internationalen Zavoisky-Preis der Russischen Akademien der Wissenschaften ausgezeichnet worden. Er erhielt den Preis in Form einer Medaille und eines Diploms aus den Händen des stellvertretenden Ministerpräsidenten der Republik Tatarstan, R. F. Muratov in Gegenwart der Vizepräsidentin des Parlaments der Republik Tatarstan und dem Vizepräsidenten der dortigen Akademie der Wissenschaften. Vertreter verschiedener internationaler Wissenschaftsorganisationen überbrachten Grussadressen. Dies unterstreicht den besonderen Stellenwert der Auszeichnung. Spiess erhielt den Preis für seine Pionierarbeiten auf dem Gebiet der gepulsten magnetischen Resonanz zur Erforschung von Struktur und Dynamik von supramolekularen Systemen. Das mit Experten aus aller Welt unter Vorsitz von Kev Salikhov besetzte Preis-Komitee würdigte besonders jüngere Forschungen des Mainzer Wissenschaftlers zur Entwicklung von Methoden, die erstmals Abstandsmessungen zwischen definierten Molekülsegmenten im weiten Bereich von 0,1 bis 10 Nanometer ermöglichten. Diese werden heute von vielen Arbeitsgruppen in aller Welt u.a. erfolgreich zur Untersuchung von Biopolymeren eingesetzt.

Entscheidende Entwicklungen angestoßen

Supramolekulare Systeme umfassen organische Materialien, die heute als Hochleistungskunststoffe in Medizin und Technik, Informationstechnologie oder in Leuchtdioden (LEDs) vielfache Anwendung finden. Grundlegende Bedeutung besitzen sie vor allem aber für Biopolymere wie Proteine und Nukleinsäuren in Biologie und Medizin. Um solche Systeme entwickeln bzw. verstehen zu können, bedarf es einer genauen Kenntnis ihres Aufbaus. Hier spielen die von Spiess entwickelten Verfahren der magnetischen Resonanz-Spektroskopie, die Elektronmagnetische Resonanz (EPR) und Kernmagnetische Resonanz (NMR) umfasst, heute eine herausragende Rolle. Die Methode ist der Öffentlichkeit durch ihre Anwendung in der Magnetischen Resonanz-Tomographie (MRT) bekannt. Sie ermöglicht aber nicht nur einzigartige Einblicke in den menschlichen Körper, sondern auch in die Zusammenhänge zwischen molekularem Aufbau und Funktion von Materialien oder Enzymen.

Zavoiskys Entdeckung hat fächerübergreifende Bedeutung

Die Verleihung des Zavoisky-Preises an herausragende Wissenschaftler der EPR ist der Höhepunkt der jährlichen ,Zavoisky-Woche" und wird vom gleichnamigen Institut der Akademie der Wissenschaften, der Universität Kazan, der Akademie der Wissenschaften Tatarstan, sowie dem Springer-Verlag, Wien getragen. Sie erinnert an Evgeny Konstantinowich Zavoisky, der 1944 an der Universität Kazan die EPR entdeckte. Zavoisky erschloss damit ein Gebiet, ohne das viele der seitdem erzielten Erkenntnisse in Physik, Chemie, Biologie und Medizin nicht denkbar wären. Dies spiegelt sich nicht zuletzt in zahlreichen Nobelpreisen für Pioniere der Magnetischen Resonanz in diesen Fächern wider.

Preisgekrönte Spitzenforschung

Die von Spiess geführte Arbeitsgruppe am Max-Planck-Institut in Mainz ist auf dem Gebiet der magnetischen Resonanz weltweit führend und begehrter Kooperationspartner für Kollegen aus dem In- und Ausland. Spiess" Arbeiten gelten als anwendungsnah, interdisziplinär und fachübergreifend. Die besondere Beachtung seiner Forschung wird durch zahlreiche nationale und internationale Ehrungen und Preise belegt, u.a. Leibniz-Preis, Ampere-Preis, Liebig- und Walther Nernst Denkmünze, sowie verschiedene Ehrendoktorwürden ausländischer Universitäten. Im April dieses Jahres wurde Spiess bereits durch den internationalen Paul J. Flory-Forschungspreis geehrt. Die Verleihung des Zavoisky-Preises an ihn unterstreicht einmal mehr die besondere Bedeutung der Magnetischen Resonanz-Spektroskopie für den Wissenschaftsstandort Mainz.

Quelle: idw/Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPI-P)




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