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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

22.07.2010

Matthias Beller erster Preisträger des neu geschaffenen European Sustainable Chemistry Award


Die European Association of Chemical and Molecular Sciences (EuCheMS) vergibt am 29. August 2010 anlässlich des 3rd EuCheMS Chemistry Congress in Nürnberg erstmals den mit 10.000 Euro dotierten European Sustainable Chemistry Award. Eine Kommission wählte aus 21 Nominierungen als ersten Preisträger Professor Dr. Matthias Beller, geschäftsführender Direktor am Leibniz-Institut für Katalyse (LIKAT) in Rostock, aus. Der 48jährige Chemiker, der auch Vorsitzender der Fachgruppe Nachhaltige Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist, wird für seine herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der homogenen Katalyse geehrt, mit denen er und sein Team am LIKAT vor allem die umweltverträgliche Umwandlung kleiner Moleküle in Wertstoffe erforscht.

Beller, im nordhessischen Gudensberg geboren, studierte Chemie an der Universität Göttingen. Nach weniger als sieben Jahren schloss er 1989 das Studium mit der Promotion ab. Nach einem Postdoktorandenaufenthalt am Massachussetts Institute of Technology in Cambridge/USA wurde er zunächst Laborleiter, später dann Gruppen- und Projektleiter "Metallorganische Chemie - Katalyse" im Hauptlabor der Hoechst AG in Frankfurt. 1996 ernannte ihn die Technische Universität München zum C3-Professor, 1998 erfolgte die Ernennung zum Direktor des Instituts für Organische Katalyseforschung e.V. (IfOK), verbunden mit einer C4-Professur "Katalyse" an der Universität Rostock. Seit 2005 ist er geschäftsführender Direktor am LIKAT, das aus dem IfOK nach dessen Restrukturierung erweitert hervorging. Das LIKAT ist das größte staatliche Forschungsinstitut für angewandte Katalyse in Europa. Es ist fokussiert auf den Transfer von Grundlagenforschung zu praktischen Anwendungen. Allein in den letzten zehn Jahren haben Beller und sein Team drei Katalysatorsysteme entwickelt, die mittlerweile in der Industrie zur Herstellung von Chemikalien im Tonnenmaßstab dienen. Unternehmen der Feinchemie und Katalysatorproduzenten vertreiben Katalysatoren.

Auch grundlegend neue katalytische Methoden hat Beller erforscht, die von einigen Arbeitsgruppen weltweit übernommen wurden. Und auch hier steht die Nachhaltigkeit im Vordergrund. Denn, so formuliert es Beller: "Katalyse, das ist die Wissenschaft, die zu klären versucht, wie chemische Reaktionen beschleunigt und kontrolliert werden können, und es ist eine der Schlüsseltechnologien zur Schaffung einer nachhaltigen Chemie."

Inhaltliche Schwerpunkte Bellers Forschung sind die Palladium-katalysierte Kupplungsreaktionen von Arylhalogeniden, die enantioselektive Oxidationskatalyse, Katalyseanwendungen im Wirkstoffbereich sowie katalytische Carbonylierungen.

Metallkomplexkatalysierte Oxidationsreaktionen sind mengenmäßig die bedeutendsten homogenkatalytischen Reaktionen in der chemischen Industrie. Die Arbeiten am LIKAT konzentrieren sich daher auf katalytische Oxidationsreaktionen mit Sauerstoff oder Wasserstoffperoxid als Oxidationsmittel. Bei der Entwicklung von katalytischen Reaktionen zur Synthese neuer Wirkstoffe werden von Bellers Forschungsgruppe besonders die regioselektive Addition von Aminen an Doppelbindungen und Carbonylierungsreaktionen intensiver beforscht. In Kooperation mit Pharmafirmen werden hier neue Analgetika, Anti-Alzheimer-Wirkstoffe und Kinaseinhibitoren gezielt erforscht.

Carbonylierungsreaktionen, die in Kooperation mit Industrieunternehmen bearbeitet werden, sind u.a. Hydroformylierungen von großtechnisch hergestellten Olefinmischungen. Konzeptionell konnte gezeigt werden, dass es möglich ist, technische Olefinmischungen selektiv zu einem Zielprodukt umzusetzen. Diese Arbeiten wurden im renommierten Wissenschaftsjournal Science publiziert und dort auch "gehighlighted".

Beller hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten. In diesem Jahr wird er zudem noch mit der Karl Ziegler-Giulio Natta-Vorlesung ausgezeichnet, die er im November in Italien halten wird. Er ist in zahlreichen wissenschaftlichen Organisationen, Beratergremien und Herausgebergremien wissenschaftlicher Zeitschriften ehrenamtlich aktiv und Mitglied der Akademie der Wissenschaften in Hamburg und der Deutschen Akademie der Naturwissenschaften Leopoldina. Er kann über 420 Publikationen und über 90 Patentanmeldungen vorweisen.

Quelle: Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)




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