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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

22.06.2010

Welche Umweltwirkung haben Silbernanomaterialien in Textilien?


Die Nanotechnologie hat in jüngster Vergangenheit einen ungewöhnlich steilen Aufstieg erfahren. Mittlerweile sind über 1.000 Nanopartikel enthaltende Produkte auf dem Markt, sehr viele davon ausgesprochen verbrauchernah. Etwa ein Viertel dieser Produkte enthält Silbernanopartikel, die aufgrund ihrer antimikrobiellen Eigenschaften sehr vielfältige Anwendungen erfahren - unter anderem in Hygieneartikeln, Kosmetika, Lebensmittelverpackungen und verschiedensten Textilien. Hierzu zählen beispielsweise Sportbekleidung, Socken, Vorhänge oder Haushaltswischtücher. Da beim Gebrauch der Produkte durch Abrieb und vor allem beim Waschen eine erhebliche Umweltexposition zu erwarten ist, sollten nachteilige Auswirkungen auf die Umwelt minimiert und nach Möglichkeit ganz ausgeschlossen werden.

Hierzu finanziert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit dem 1. Mai 2010 ein großes Verbundprojekt mit dem Titel UMSICHT: Abschätzung der Umweltgefährdung durch Silbernanomaterialien: vom chemischen Partikel bis zum technischen Produkt. Das Projekt mit einer Laufzeit von drei Jahren hat ein Finanzvolumen von fast 3,7 Mio. Euro. Die Koordination des 17 Mitglieder umfassenden Projektkonsortiums liegt bei Professorin Juliane Filser vom Zentrum für Umweltforschung und nachhaltige Technologien (UFT) der Universität Bremen. Weitere Beteiligte aus Bremen sind die Abteilung "Nachhaltige Chemie" (Professor Jorg Thöming, ebenfalls UFT), Professor Lutz Mädler (Fachbereich Produktionstechnik, Institut für Werkstofftechnik) sowie das Bremer Umweltinstitut. Fünf Unternehmen im Konsortium repräsentieren die gesamte textile Kette, von den Nanopartikeln bis zum fertigen Produkt. Für die staatliche Seite gehören dem Verbund das Umweltbundesamt, die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, das Bundesumweltministerium sowie das Joint Research Center (JRC) der EU an.

Im Projekt werden mit verschiedenen Methoden sowohl die Silbernanopartikel selbst als auch Nanopartikel enthaltende Fasern, Textilien und Abrieb aus diesen hergestellt. Diese Produkte werden in Reinform wie auch in den jeweiligen Testmedien chemisch und physikalisch charakterisiert und mit biologischen Testverfahren auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft. Die Verfahren reichen dabei von einfachen Labortests bis hin zu Modellkläranlagen. Untersucht werden sowohl im Wasser als auch an Land lebende Organismen. Dabei wird zum einen auf bewährte Methoden zurückgegriffen, zum anderen werden Methoden neu entwickelt, um den Besonderheiten der Partikel besser Rechnung zu tragen.

Die Grundlagenforschung zu verschiedenen Partikeltypen und Produktformen ist von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung umweltverträglicher Produkte. Die Rückkopplung mit den politischen Entscheidungsträgern sorgt dafür, dass die Ergebnisse des Projekts so früh wie möglich in die gültige Regulierungspraxis Eingang finden. Eine Produktgruppe, die so Erfolg versprechend ist und rasant anwächst wie Textilien mit Silbernanopartikeln, muss im frühen Entwicklungsstadium optimiert werden. Über die enge Kooperation von Forschung, Industrie und Behörden will UMSICHT einen entscheidenden Beitrag zur Umweltverträglichkeit dieser Textilien leisten.

Quelle: idw/Universität Bremen




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