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14.04.2010

Duft oder Gestank? Gerüche von Windeln und Aromastoffen kann man objektiv messen


Bei Verbrauchsgütern wie Windeln und auch bei Lebensmitteln kommt es auf die Gerüche an. So lassen sich Kunden leichter von einem Produkt überzeugen, wenn es gut riecht. Und auch bei der Nutzung spielt der Geruch eine wesentliche Rolle. Bisher musste die menschliche Nase dafür herhalten, um festzustellen, welche Ware besonders ansprechend duftet. Diese Geruchstests sind jedoch aufwändig und teuer, da das menschliche Riechorgan schnell ermüdet. Ingenieure der Universität des Saarlandes haben daher ein Verfahren entwickelt, mit dem man Gerüche objektiv messen kann. Sie stellen dieses am Beispiel von Windeln vom 19. bis 23. April auf dem saarländischen Forschungsstand der Hannover Messe (Halle 2, Stand C 44) vor.

Bei Parfüms oder Aromastoffen in der Lebensmittelindustrie kommt es nicht nur darauf an, dass man ihre Gerüche objektiv messen kann. Eine bestimmte Duftnote sollte immer die gleiche Qualität aufweisen, damit ein Markenprodukt nicht plötzlich unterschiedlich riecht. Um dies sicherzustellen, ist es in der Industrie gängige Praxis, dass mindestens sechs qualifizierte Versuchspersonen Gerüche bewerten müssen. "Diese Messreihen sind langwierig und teuer. Außerdem belasten sie die menschlichen Tester, wenn es um unangenehme Gerüche geht, zum Beispiel bei gebrauchten Windeln oder verdorbenen Lebensmitteln", sagt Andreas Schütze, Professor für Messtechnik der Universität des Saarlandes.

Sein Team hat daher ein Messverfahren entwickelt, mit dem man Gerüche jetzt objektiv bewerten kann. Die Geruchsproben kommen dafür in eine Testkammer. Ihre Ausdünstungen werden abgesaugt und an empfindlichen Gassensoren vorbeigeführt. Die erfassten Daten werden dann mit Geruchsmustern verglichen, die in Versuchsreihen von menschlichen Testpersonen bewertet wurden. Dabei riechen die Tester an einem Produkt und bewerten auf einer Skala von eins bis fünf, wie stark ihre subjektive Geruchs-Schmerzgrenze überschritten wird. Sie verwenden dafür auch qualitativ unterschiedliche Kriterien, zum Beispiel, ob etwas süßlich oder stechend riecht. "Wir vergleichen diese Ergebnisse von Testpersonen mit den Mustern der Sensor-Messungen und können so bestimmen, ob ein Produkt für den Menschen angenehm duftet oder im Fall der gebrauchten Windel eben besonders unangenehm stinkt", erläutert Schütze.

In Forschungsprojekten mit der Schuh- und Strumpfindustrie hat die Messtechnik bereits den Praxistest bestanden. Auch die Aroma- und Lebensmittelindustrie signalisierte schon Interesse an der elektronischen Nase. Derzeit vergleichen die Saarbrücker Wissenschaftler in einem weiteren Projekt unterschiedliche Windeln, um herauszufinden, wie man die unangenehmen Gerüche bei voller Windel vermindern kann. "Mit unserer Messtechnik, die Sensoren, Elektronik und Software miteinander kombiniert, lassen sich alle möglichen Produkte objektiv beschnuppern. Die Palette reicht von der Sportkleidung über Aromen und Nahrungsmittel bis hin zu Kosmetikprodukten", erläutert Andreas Schütze.

Besonderen Wert lege man dabei auf die Stabilität der Bewertung, da diese für die praktische Anwendung eine der wesentlichen Herausforderungen darstelle.

Die Weiterentwicklung dieses und auch anderer Messverfahren unter industriellen Gesichtspunkten und deren Vermarktung werden durch die Firma 3S GmbH, einer Ausgründung aus der Universität des Saarlandes, vorgenommen. Sie entwickelt auf der Basis der Forschungsergebnisse die passenden Kundenlösungen für die einzelnen Branchen. Präsentiert wird auf der Hannover Messe der 3S-LeakChecker zur Dichtheitsprüfung von Verpackungen - aktuell eingesetzt in der Pharma- und Automobilindustrie - und der SniffChecker zur Kraftstoff- und Ölqualitätsbewertung.

Quelle: idw/Universität des Saarlandes




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