Unsere Seite auf

Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

08.12.2009

Gemälde sicher transportieren: Sensoren erkennen gasförmige Schadstoffe


Wertvolle Gemälde müssen mitunter lange Reisen überstehen. Damit sie dabei keinen Schaden nehmen, verpackt man sie in Transportvitrinen. Sensoren erkennen künftig sofort, ob sich in diesen Vitrinen gasförmige Schadstoffe befinden, etwa aus Klebstoffen.

Von New York wandert die Ausstellung nach Paris, anschließend sind die wertvollen Ölgemälde in Berlin zu sehen. Um die Kunstwerke auf dem Transport und bei der Lagerung in Archiven vor Umwelteinflüssen zu schützen, verpackt man sie in Transportvitrinen aus Kunststoff, Holz und Glas. In diesen Vitrinen bildet sich ein Mikroklima aus, das einen Großteil der Schadstoffe von außen fernhält. Der Transport birgt dennoch Risiken für die Kunstwerke: Aus den Klebstoffen, dem Holz und den Kunststoffen können Substanzen ausgasen, beispielsweise Essig-säure. Die Schadstoffe reagieren mit den Ölfarben und zerstören sie langsam. Auch die Gemälde selbst können schädliche Gase abgeben, die sich in der Vitrine anreichern. Das gleiche Problem kann auftreten, wenn die Gemälde in Depots aufbewahrt oder in Museen in Schutzrahmen präsentiert werden.

Künftig messen unterschiedliche Umweltsensoren in den Vitrinen, welche Gase sich anreichern. Entwickelt wurden die Sensoren von Forschern am Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg, gemeinsam mit verschiedenen europäischen Projektpartnern. Einer der eingesetzten Sensoren ist ein Glasdosimeter. "Es reagiert insbesondere auf Säuren", erklärt Dr. Gerhard Schottner, Geschäftsfeldleiter am ISC. "Die Säure greift die Glasoberfläche an und laugt sie aus. Nach einigen Tagen bildet sich eine Reaktionsschicht, die wir mit einem Infrarotspektrometer quantitativ messen können. Einige Wochen später bilden sich häufig auf der Oberfläche der Gläser auch kristalline Produkte, anhand derer wir bestimmen können, um welche Säure es sich handelt." So wirken auch Schadstoffe aus der Luft sauer, etwa Stick- und Schwefeloxide. Die Sensoren der Partner weisen aggressive organische Substanzen in der Vitrinenatmosphäre nach.

"Die Sensoren geben Aufschluss darüber, welche Stoffe in den Vitrinen ausgasen oder welche von außen hineingelangen. So lassen sich Vitrinen bauen, die keine Emissionen aufweisen. Das Mikroklima um die wertvollen Gemälde kann substantiell verbessert werden", sagt Schottner. Auch die Frage der Haftung lässt sich mit den Sensoren besser klären: Ist ein Bild nach dem Transport beschädigt, können die Hersteller der Vitrinen mit Hilfe der Sensoren genau nachweisen, ob Emissionen aus der Vitrine zu den Schäden geführt haben oder andere Gase. Erste Pilotstudien haben die Forscher bereits durchgeführt.

Quelle: idw/Fraunhofer-Gesellschaft




—> alle Nachrichten dieser Firma

Abonnieren:

Empfehlen: