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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

23.09.2009

Gefahr von Schimmelpilzen: Projekt will Bildung von Mykotoxinen eindämmen


Etwa ein Viertel der weltweit produzierten Lebens- und Futtermittel enthalten sogenannte Mykotoxine, also Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen, die Getreidepflanzen im Feld und Erntegut befallen. Diese sind bereits in geringen Mengen gesundheitsschädigend für Mensch und Tier: Mykotoxine können das zentrale Nervensystem angreifen, krebserregend und erbgutschädigend sein - besonders kritisch ist die Tatsache, dass einige dieser Stoffe das Immunsystem schädigen können.

Eine Forschergruppe unter der Führung der TU Dortmund nimmt sich nun dieser Gefahr an und untersucht den gesamten Herstellungsprozess von Nahrungsmitteln von der Ernte über die Verarbeitung bis hin zum Konsumenten. Ziel des Vorhabens ist es, einen Leitfaden zu entwickeln, der helfen soll, die Kontaminationen durch die toxikologisch bedenklichen Mykotoxine in Lebens- und Futtermitteln zu minimieren. Die Förderung in Höhe von 1,8 Millionen Euro erhält das Verbundprojekt im Rahmen des Wettbewerbs "Ernährung.NRW". Projektkoordinator ist Prof. Michael Spiteller vom Institut für Umweltforschung (INFU) an der Technischen Universität Dortmund.

Zusammen mit den Verbundpartnern der Universitäten Bonn (INRES, Phytomedizin, Prof. H. Dehne) und Münster (Institut für Lebensmittelchemie, Prof. H.-U. Humpf) sowie des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (Prof. G. H. Degen) und Arbeitsgruppen aus Mühlenbetrieben und Tierfutterherstellern wird die Mykotoxinbelastung in Lebens- und Futtermitteln repräsentativ für NRW erfasst, um das bisher noch weitgehend ungelöste Problem im Verarbeitungsprozess von Lebens- und Futtermitteln in den Griff zu bekommen.

Beginnend mit dem korrekten Anbau, der passenden Lagerung und der nachfolgenden Verarbeitung wollen die Wissenschaftler möglichst mykotoxinarme Produktionssysteme entwickeln, um die schädlichen Schimmelpilz-Rückstände in Nahrungsmitteln zu minimieren. Der derzeitige Ansatz der Forschung - die Fokussierung auf einzelne Mykotoxine - ist unzureichend, weil er nicht den zahlreichen und verschiedenartigen Stoffwechselprodukten von Schimmelpilzen gerecht wird. Hier will das Projekt ansetzen und sich mittels Multimykotoxinanalytik möglichst breit mit den Giften in Nahrungsmitteln auseinandersetzen.

Das INFU gilt als Spezialist auf diesem Forschungsgebiet, da es schon seit Jahren Untersuchungen von organischen Kontaminanten in Wasser und Boden sowie Pflanzen durchführt. Zum Projektabschluss soll ein Leitfaden entwickelt werden, der dazu beitragen soll, die Kontamination von Lebens- und Futtermitteln mit Mykotoxinen nachhaltig zu begrenzen. In Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und Wirtschaftpartnern sollen nach Abschluss des Projektes daraus Vermeidungsstrategien entwickelt werden, um die Kontamination mit den gefährlichen Stoffen in Lebens- und Futtermitteln einzudämmen.

Ziel ist es, die Bildung von Mykotoxinen in Nahrungs- und Futtermitteln so gering wie möglich zu halten, um sowohl einen effektiven Schutz der Tiere als auch der Verbraucher zu gewährleisten. Aber nicht nur gesundheitsgefährdende Aspekte stehen im Fokus der Forschung am INFU und bei den Verbundpartnern. Da gerade in den vergangenen Jahren die Preise für landwirtschaftliche Ernteerzeugnisse enorm gestiegen sind, aber auch großen weltmarktabhängigen Schwankungen unterworfen sind, ist auch der wirtschaftliche Faktor von großer Bedeutung. Qualitätseinbußen durch Schimmelpilzbelastungen und Mykotoxin-Grenzwertüberschreitungen sind ernstzunehmende wirtschaftliche Risiken, die das Verbundprojekt in den Griff bekommen will.

Wirtschaftliche und gesundheitliche Aspekte der Mykotoxinbelastung gehen dabei Hand in Hand. Das Projekt könnte in Zukunft nachhaltig dazu beitragen, die Produktion von Lebens- und Futtermitteln sicherer zu machen, damit die Einkommen der Landwirte und Nahrungsmittelproduzenten zu stabilisieren und zugleich die Gefährdung von Mensch und Tier durch Schimmelpilz-Schadstoffe zu minimieren.

Quelle: idw/Technische Universität Dortmund




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