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27.01.2009

Der Polymerwissenschaftler Rolf Mülhaupt ist Hermann-Staudinger-Preisträger 2009


Seit 1971 hat die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) den Hermann-Staudinger-Preis 13 Mal vergeben, benannt nach dem Freiburger Polymerchemiker und Chemie-Nobelpreisträger von 1953, Hermann Staudinger. Kein einziges Mal ging der Preis in dieser Zeit an die angesehene Freiburger "Schule" für Makromolekulare Chemie. 2009 wird nun Professor Dr. Rolf Mülhaupt, dem Leiter des Instituts für Makromolekulare Chemie an der Universität Freiburg und geschäftsführenden Direktor des Freiburger Materialforschungszentrums, diese Ehre zuteil. Am 25. Februar, am Vorabend des traditionsreichen Makromolekularen Kolloquiums in Freiburg, verleiht GDCh-Präsident Professor Dr. Klaus Müllen den aus einer Urkunde, einer Goldmedaille und einem Geldbetrag von 7.500 Euro bestehenden Preis an den international profilierten Polymerforscher mit einer ungewöhnlichen Laufbahn und breit gefächerten Forschungsinteressen mit häufig hohem Anwendungsbezug: Rolf Mülhaupt.

Mülhaupt, geboren 1954 in Waldshut-Tiengen, absolvierte sein Chemiestudium an der Universität Freiburg. Seine Doktorarbeit fertigte er an der ETH Zürich an, und zwar auf einem Gebiet, das er besonders prägen sollte: Katalyse und Polyolefine. Nach der Promotion 1981 zog es ihn zunächst in die Industrie. Am Central Research Department bei Du Pont in Wilmington/Delaware setzte er seine Forschungsarbeiten zur katalysierten Olefinpolymerisation fort, arbeitete über elastomeres Polypropylen, Ethylencopolymere, funktionale Polyolefine und Hochleistungskunststoffe für Gastrennungsmembranen. 1985 wechselte er zur Ciba AG nach Marly/Schweiz, wo er Forschung über Epoxidharze, Klebstoffe, Polyurethane, Haftvermittler und Polymerstabilisierung betrieb.

Mülhaupt ist seit 1989 Professor für Makromolekulare Chemie in Freiburg und Direktor des Instituts für Makromolekulare Chemie im Hermann Staudinger Haus. Er ist ein ausgewiesener Experte für die Synthese, Charakterisierung und Verarbeitung neuartiger Polymerer, Polymerblends sowie Materialverbunde und Materialhybride und hat sich mit einer Vielzahl von Patenten im industriellen Umfeld einen Namen gemacht. Sein besonderes Anliegen war und ist es, originelle Grundlagenforschung mit der Anwendung in der Industrie zu verbinden. Highlights seiner Arbeiten sind maßgeschneiderte Übergangsmetallkatalysatoren für Polyolefine mit neuartigen Molekülstrukturen, die gezielte Synthese von supermolekularen Polymerarchitekturen und Nanocompositen für die Steuerung der Materialeigenschaften von polymeren Werkstoffen, wie Festigkeit, Stabilität, Schadenstoleranz, Durchlässigkeit, Flammschutz oder optische Transparenz, das verbesserte Verständnis der Struktur-Eigenschaftsprofile, technische Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen, die reaktive Polymerverarbeitung, die schnelle Charakterisierung von Polymeren durch High-Throughput-Screening sowie ein neues dreidimensionales Druckverfahren für Anwendungen in der regenerativen Medizin.

Im Forschungsverbund des Freiburger Materialforschungszentrums werden diese interdisziplinären Arbeiten im Wechselspiel von chemischer Synthese, Physik, Nanotechnologie, Katalyse, Formgebung, moderner Mikroskopie und Anwendungstechnik durchgeführt. Besonders aktuelles Forschungsziel sind bioinspirierte Systeme und neuartige intelligente, interaktive Kunststoffe, die wie in lebenden Systemen auf Veränderungen ihrer Umgebung mit Eigenschaftsveränderungen reagieren.

Der nachhaltige Einfluss von Mülhaupts Aktivitäten auf die akademische Welt lässt sich nicht zuletzt daran ablesen, dass sechs seiner früheren Habilitanden inzwischen selbst Lehrstühle an Hochschulen in ganz Deutschland innehaben.

Quelle: Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh)




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