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20.04.2009

BfR bewertet Untersuchungsergebnisse zu Mineralwasserproben mit hormon-ähnlicher Wirkung


Medienberichte über Untersuchungsergebnisse von Wissenschaftlern der Goethe-Universität Frankfurt zu Mineralwasserproben mit hormonähnlicher Wirkung aus Plastikflaschen haben in den vergangenen Tagen die Verbraucher verunsichert. In der Studie wurden in 12 von 20 Mineralwässern derartige Wirkungen festgestellt. Die Wissenschaftler vermuten, dass diese östrogenähnliche Wirkung von Substanzen ausgeht, die aus den Kunststoffflaschen stammen, in denen die Mineralwässer abgefüllt waren. Grundsätzlich sollte aus Sicht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) keine hormonartige Wirkung von Mineralwasser ausgehen. Von Stoffen wie dem Weichmacher DEHP, Bisphenol A oder Nonylphenol ist bekannt, dass sie aufgrund von hormonähnlichen Eigenschaften negative Auswirkungen auf die Nachkommen haben können. Bei seiner Bewertung der Studie kommt das BfR allerdings zu dem Schluss, dass die Ergebnisse keinen Rückschluss auf die Herkunft derartiger hormonell wirkender Substanzen aus PET-Flaschen zulassen.

In der genannten Studie wurde anhand von zwei Testsystemen die Anwesenheit von Substanzen mit hormoneller Wirkung in Mineralwässern untersucht: zum einen wurden Mineralwässer derselben Marke aus Glas- und in Kunststoffflaschen in einem anerkannten Zellkultursystem verglichen. Die Proben zeigten keinen signifikanten Unterschied im Vorkommen von hormonellen Wirkungen in Glas- oder in PET-Flaschen; ein deutlicher Unterschied war vielmehr zwischen verschiedenen Mineralwassermarken zu erkennen. Aus Sicht des BfR wird mit diesem Test weder belegt, dass die hormonartigen Aktivitäten aus den PET-Flaschen stammen, noch sind Aussagen möglich, um welche Substanzen es sich möglicherweise handelt. Der zweite Test erfolgte an einem Schneckenmodell. Dabei wurden Süßwasserschnecken in Glas- und Plastikflaschen gehalten und deren Fortpflanzungsverhalten beobachtet. Es zeigte sich, dass die in Plastikflaschen gehaltenen Schnecken mehr Embryonen produzierten als die in den Glasflaschen. Ob die Ursache dafür allerdings in einer Kontamination mit hormonartigen Substanzen aus den PET-Flaschen liegt oder aber auf unterschiedlichen Lebensbedingungen der Schnecken in der Plastik- bzw. Glasflasche beruht, ist aus den veröffentlichten Daten nicht ersichtlich. Nach Ansicht des BfR können aus den Daten keine wissenschaftlich begründeten Schlussfolgerungen zum gesundheitlichen Risiko des Verbrauchers gezogen werden.

Beide Tests erlauben keine Rückschlüsse auf die Substanzen, die die hormonartige Wirkung im Wasser verursachen. Aus Sicht des BfR müssen Verbraucher aufgrund der Studienergebnisse der Goethe Universität Frankfurt nicht auf Mineralwasser aus PET-Flaschen verzichten. Dem BfR sind keine bei der PET-Herstellung eingesetzten Substanzen mit entsprechender hormoneller Wirkung bekannt, die in das Mineralwasser übergehen könnten. Die Ergebnisse werfen vor allem die Frage nach den Substanzen und ihrem Eintrittspfad auf.

Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)




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