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05.02.2008

Abschlussbericht: Höchstmengen für Rückstände aus Pflanzenschutzmitteln 2006 seltener überschritten


In rund 38 Prozent der untersuchten Lebensmittel-Proben wurden 2006 keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen. Rückstände von Pflanzenschutzmitteln unterhalb der gesetzlichen Höchstmengen wurden in 57 Prozent der Proben festgestellt und etwa 5,3 Prozent der Proben überschritten die gesetzlichen Höchstmengen. Dieser Anteil sank gegenüber dem Vorjahr um einen halben Prozentpunkt.

Besonders positiv zu bewerten ist, dass der Anteil der Proben mit Rückständen und mit Mehrfachrückständen zum ersten Mal in den letzten fünf Jahren nicht gestiegen ist. Trotz einer gestiegenen Anzahl der durchschnittlich pro Probe untersuchten Wirkstoffe, ist der Anteil mit quantifizierbaren Rückständen im Vergleich zu 2005 nicht gestiegen. Dies sind Ergebnisse der "Nationalen Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände", die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auf der Grundlage von Daten der Bundesländer heute in Berlin veröffentlicht hat. In diesen Zahlen sind konventionell und ökologisch erzeugte Lebensmittel zusammengefasst.

Zu Obst- und Gemüsearten mit den meisten Rückständen gehörten Rucola, frische Kräuter, Feldsalat, Bohnen mit Hülsen, Zucchini, Aubergine, Johannisbeere und Paprika. Bei Rhabarber, Zwiebel, Spargel, Orangensaft und Reis wiesen hingegen 70 Prozent der Proben keine Rückstände auf, die Höchstmengen wurden in weniger als zwei Prozent der Proben überschritten. Keine Überschreitungen der Höchstmengen wurden in Säuglings- und Kleinkindernahrung festgestellt. Fast 94 Prozent der beprobten Kleinkindernahrung wiesen keine Befunde von Pflanzenschutzmittelrückständen auf.

Deutliche Unterschiede bei den Rückstandsgehalten zeigten sich im Hinblick auf die Herkunft des untersuchten Obsts und Gemüses. So lagen die Höchstmengenüberschreitungen von Paprika aus der Türkei deutlich über dem Durchschnitt, ebenso wie Erdbeeren aus Marokko, Rucola aus Italien und Feldsalat aus Deutschland. Auch Tafeltrauben aus der Türkei wiesen deutlich häufiger Überschreitungen der Höchstmengen auf als beispielsweise Ware aus Südafrika, Griechenland oder Deutschland.

Von den 789 untersuchten Obst- und Gemüse-Proben aus ökologischem Anbau konnten in 71 Prozent keine Pflanzenschutzmittelrückstände festgestellt werden, 28 Prozent der Proben enthielten Rückstände, die jedoch meist deutlich unterhalb der gesetzlichen Höchstmengen lagen. Bei 0,6 Prozent (fünf Proben) wurden die Höchstmengen überschritten. Die Belastung von Biolebensmitteln ist damit deutlich geringer als bei herkömmlicher Ware.

In 41,6 Prozent aller Lebensmittelproben wurde mehr als ein Rückstand gefunden. Der Anteil der Proben mit Mehrfachrückständen blieb damit im Vergleich zum Vorjahresbericht gleich. Ein Grund für Mehrfachrückstände kann beispielsweise die Zusammensetzung einer Probe aus unterschiedlichen Partien sein. Auch ein gezielter Wechsel des zum Schutz der Pflanzen eingesetzten Wirkstoffs, durch den die Entwicklung von Resistenzen bei Schaderregern vermieden wird, führt zu Mehrfachrückständen. Ursache für den Nachweis zahlreicher Rückstände in einer Probe kann jedoch auch die Nichtbeachtung der guten fachlichen Praxis bei der Anwendung der Mittel sein.

Die noch nicht vollständig abgeschlossene Harmonisierung von Höchstmengen in der EU führt nach wie vor zu Überschreitungen von Höchstmengen bei importierter Ware. Der gegenüber dem Vorjahr gesunkene Anteil von Proben mit Rückständen über der Höchstmenge ist erneut auch durch die fortschreitende Harmonisierung der Rückstandshöchstmengen auf EU-Ebene zu erklären. Auch die Verbesserung der landwirtschaftlichen Praxis und der Qualitätssicherung der Produzenten und des Handels haben einen Beitrag geleistet.

Die amtliche Lebensmittelüberwachung der Länder konzentriert sich bei der Probenahme und der Untersuchung auf Lebensmittel, bei denen bereits in der Vergangenheit häufig Rückstände festgestellt wurden. Der Anteil von Proben, bei denen Pflanzenschutzmittelrückstände festgestellt wurden, ist daher überproportional, so dass die in der "Nationalen Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände" gemachten Angaben nicht repräsentativ für die Gesamtheit der auf dem Markt befindlichen Lebensmittel sind.

Eine Überschreitung von Rückstandshöchstmengen ist nicht mit einer akuten Gefährdung der Gesundheit der Verbraucher gleichzusetzen. Bei Überschreitungen der Höchstmengen schätzt die zuständige Überwachungsbehörde das gesundheitliche Risiko für den Verbraucher selbst ab bzw. richtet eine Anfrage über das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) an das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Bei 14 von insgesamt 17.535 untersuchten Proben konnte 2006 auf Grund deutlicher Überschreitungen ein gesundheitliches Risiko für den Verbraucher nicht ausgeschlossen werden. In diesen Fällen hat das BVL die für die Lebensmittelüberwachung zuständigen Überwachungsbehörden der anderen Bundesländer sowie die EU-Kommission über das Europäische Schnellwarnsystem informiert.

Im Jahr 2006 wurden 17.535 Proben von den Fachbehörden der Bundesländer im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung und des Lebensmittelmonitorings auf das Vorkommen von Pflanzenschutzmittelrückständen geprüft. Das waren 1516 mehr als im vorangegangenen Berichtsjahr. Die Proben wurden auf 717 Wirkstoffe untersucht, wobei nicht jede Probe auf das gesamte Stoffspektrum analysiert wurde. Durchschnittlich wurde jede Probe auf Rückstände von 197 Stoffen untersucht. Dies ist gegenüber 2005 erneut eine deutlich höhere Untersuchungsintensität, als jede Probe durchschnittlich auf nur 172 Stoffe untersucht worden war. 394 Stoffe aus dem Untersuchungsspektrum des Jahres 2006 wurden in keiner der insgesamt 17.535 Proben festgestellt. 323 Stoffe wurden in mindestens einer Probe nachgewiesen. Bei 158 Stoffen wurden Konzentrationen analysiert, die über der für den Stoff festgesetzten Höchstmenge lagen.

Quelle: Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)




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