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10.12.2008

Die "Karlsruher Nuklidkarte" liefert seit 50 Jahren wichtige Daten


Am 9. Dezember 2008 hat der Generaldirektor des Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Kommission, Roland Schenkel, zusammen mit renommierten Wissenschaftlern wie dem Präsidenten der World Federation of Scientists, Professor Dr. Antonino Zichichi, Vertretern aus der Politik, der Bürgermeisterin von Karlsruhe Margret Mergen und den Medien den Festakt zum 50. Jubiläum der Karlsruher Nuklidkarte im Schloss Karlsruhe eröffnet und ein Jubiläumsbuch vorgestellt.

Dieses vom Institut für Transurane des JRC zusammen mit dem Forschungszentrum Karlsruhe verfasste Werk enthält neben Erläuterungen zur Geschichte der Nuklidkarte auch Beiträge internationaler Wissenschaftler und Nobelpreisträger.

Anhand von Präsentationen wurde ein Überblick über die Geschichte, Nutzung und Entwicklung der Karlsruher Nuklidkarte gegeben. Dabei wurde auch erklärt, wie Nukleardaten bei der Suche nach Therapiemöglichkeiten für Krebs- und Viruserkrankungen helfen, wie Altersdatierungen, unter anderem von Ötzi und dem Turiner Grabtuch, mittels Radiocarbonmethoden funktionieren und wie wichtig Nuklearforschung in der Raumfahrt ist.

Seit nunmehr 50 Jahren liefert die Karlsruher Nuklidkarte Wissenschaftlern und Studenten in aller Welt strukturierte und präzise Daten zu den Halbwertszeiten und Zerfallsarten der Radionuklide und den Energien der von ihnen emittierten Strahlung. Nuklidkarten liefern eine umfassende Beschreibung der radioaktiven Eigenschaften eines Elementes und seiner Isotope und geben damit einen einzigartigen Überblick über den Stand des Wissens in der Nuklearforschung.

Über Strahlenschutz, Kern- und Radiochemie sowie Astrophysik hinaus wird die Nuklidkarte auch in den Lebens- und Geowissenschaften (Biologie, Medizin, Landwirtschaft, Geologie usw.) verwendet.

Die Karlsruher Nuklidkarte wurde seit 1956, dem Gründungsjahr der Kernreaktor Bau- und Betriebsgesellschaft, einer Vorläuferinstitution des heutigen Forschungszentrums Karlsruhe, entwickelt. Sie ging aus einem "Radiochemischen Isotopenkurs" hervor, den Professor Walter Seelmann-Eggebert, damals Direktor des Instituts für Radiochemie der Kernreaktor Bau- und Betriebsgesellschaft und Inhaber des Lehrstuhls für Radiochemie an der Technischen Hochschule Karlsruhe, anbot. Die erste gedruckte Ausgabe in Form einer Wandkarte legte er dann 1958 gemeinsam mit Gerda Pfennig aus seinem Institut vor. Zusätzlich erschien eine Ausgabe in Einzelblättern zur Nutzung am Schreibtisch. Die erste Ausgabe enthielt 267 stabile, über 1030 instabile Nuklide sowie 220 Isomere der damals bekannten 102 chemischen Elemente. Infolge der großen Nachfrage wurde bereits in den 60er Jahren die zweite Auflage erstellt, 1968 schließlich eine dritte mit viersprachigen Erläuterungen (deutsch, englisch, französisch und spanisch). Im Jahr 2007 erschien die 7. Auflage der Karlsruher Nuklidkarte. Mit dieser Ausgabe setzt die gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission, das Institut für Transurane in Karlsruhe, die Tradition der Nuklidkarte gemeinsam mit dem Forschungszentrum Karlsruhe fort. Mit dieser Ausgabe werden Daten zu 2.962 experimentell beobachteten Nukliden und 652 Isomeren bereitgestellt. Außerdem wurden mit Russisch und Chinesisch zwei weitere Sprachen aufgenommen. Inzwischen sind weit über 150 000 Wandkarten und über 200.000 handliche Broschüren der Karlsruher Nuklidkarte aufgelegt und weltweit verbreitet.

Quelle: idw/Karlsruher Institut für Technologie (KIT)




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