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Nachrichten und Pressemeldungen aus Labor und Analytik

14.01.2008

Nanomaterialien als Transportmittel für Wirkstoffe in Pharma und Kosmetik: Nur abbaubare Systeme sollten verwendet werden


Der Einsatz von so genannten Nano-Delivery-Systemen, Transportsystemen mit einem Durchmesser unter 100 Nanometern, bietet in Pharma und Kosmetik interessante Perspektiven. Denn mit ihnen können medizinische oder kosmetische Wirkstoffe effizienter an ihren Zielort transportiert werden, weil sie zum Beispiel leichter körpereigene Membranen passieren. Doch andererseits ist oft noch völlig unklar, was mit diesen Transportsystemen, von denen einige wegen ihrer geringen Größe auch die Blut-Hirn-Schranke überwinden können, im Körper passiert, sobald sie den transportierten Wirkstoff im Organismus abgegeben haben. Und weil Nanomaterialien keine homogene Gruppe darstellen, sondern es sich um physikalisch, chemisch und strukturell sehr unterschiedliche Stoffe handelt, müssen Risikobeurteilungen immer fallbezogen sein.

Der Pharmakonzern Novartis und das Chemikalienunternehmen Ciba Spezialitätenchemie haben daher den Risikodialog mit kritischen Stakeholdern gesucht, der in beiden Unternehmen eine 20-jährige Tradition hat. Deshalb erstellte das Öko-Institut in Kooperation mit dem Österreichischen Ökologie Institut unter der Moderation der Schweizer Stiftung Risiko-Dialog eine Nutzen-Risikoanalyse. Das Ergebnis: Abbaubare Nano-Transportsysteme, die vom Körper zerlegt und ausgeschieden werden können, erhalten gute Noten. Die bisher vorliegenden Daten zu nicht abbaubaren Systemen, wie zum Beispiel so genannte Kohlenstoff-Nanoröhrchen oder Fullerene, sind dagegen lückenhaft und widersprüchlich. "Im Sinne des Vorsorgeprinzips empfehlen wir deshalb, die Sicherheitsforschung auszubauen und auf nicht abbaubare Nanopartikel solange zu verzichten, bis eine bessere Datenlage aufgebaut ist", sagt Martin Möller, Experte für produktbezogene Technologiebewertung am Öko-Institut. Ciba und Novartis wollen dieser Empfehlung zum jetzigen Zeitpunkt folgen.

Ziel des interdisziplinären Forschungs- und Dialogprojekts "Conano - Comparative Challenge of Nanomaterials" war die möglichst frühzeitige und offene sachliche Auseinandersetzung über Chancen und Risiken der Nanotechnologie an konkreten Produktbeispielen. Außerdem galt es, eine Methodik zur stakeholderübergreifenden Produktbewertung zu entwickeln sowie Handlungsempfehlungen für Forschungsstrategien, Produktentwicklung und Unternehmenskommunikation zu erarbeiten.

Die involvierten Risikoforscher, Toxikologen, Arbeitsmediziner und Ökologen haben abbaubare und nicht abbaubare Nano-Transportsysteme für pharmazeutische und kosmetische Anwendungen mit konventionellen Mikrosystemen verglichen. "Dabei haben wir Fragen der Toxizität und Exposition über den gesamten Lebenszyklus der untersuchten Systeme geprüft, also von der Produktion über die Anwendung bis zur Entsorgung. Der Lebenszyklusansatz ist für robuste Ergebnisse methodisch zwingend notwendig, in der Praxis aber leider immer noch nicht Standard", erläutert Martin Möller. Darüber hinaus untersuchten die Wissenschaftler im Rahmen der Ökobilanzen auch Nutzenaspekte. Studien zur externen Risikowahrnehmung vervollständigten die multidimensionale Bewertungsmatrix. "Der Nutzen von Nano-Transportsystemen liegt vor allem in der verbesserten Wirkung des Produkts und seinen Anwendungseigenschaften für den Nutzer und erst in zweiter Linie in den Einsparungspotenzialen und einer verbesserten Ressourceneffizienz", fasst Martin Möller zusammen. "Die größten Einsparpotenziale liegen auf der Ebene der Formulierungsbestandteile und der Verpackungen."

"Dass Ciba und Novartis die im Rahmen von CONANO entwickelten Empfehlungen konsequent umsetzen wollen, zeigt, wie erfolgreich der Risikodialog sein kann", sagt Dr. Rainer Grießhammer, stellvertretender Geschäftsführer am Öko-Institut. "Konstruktiv geführt ist dieser Dialog eine wesentliche Voraussetzung dafür, mögliche Ängste und Unbehagen zu bestimmten Themenfeldern in der Öffentlichkeit, bei den Umweltorganisationen und bei den Behörden im Vorfeld zu erkennen und damit angemessen umzugehen."

Quelle: idw/Institut für angewandte Ökologie




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